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09:26 28.01.2011
Bienen und andere Bestäuber bringen der EU-Landwirtschaft nach Angaben der Behörde jährlich rund 22 Milliarden Euro ein. Quelle: dpa (Archiv)

Schon Albert Einstein machte sich einst Sorgen: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, rechnete er aus. Denn: „Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“ In der Tat, damit Obstbäume, Gemüsepflanzen und Ölsaaten Früchte tragen, braucht die Landwirtschaft die Dienste der Honigbienen, die als wichtigste Nutztiere nach Rind und Schwein gelten. Doch immer häufiger überleben die wichtigen Bienenvölker den Winter nicht. Das hat nun die Europäische Union auf den Plan gerufen.

Die Brüsseler Kommission appelliert an die Industrie, neue Medikamente für Bienen zu entwickeln, zudem sollten Imker besser geschult werden. Schließlich bringen Bienen und andere Bestäuber der EU-Landwirtschaft nach Angaben der Behörde jährlich rund 22 Milliarden Euro ein. Um das rätselhafte Bienensterben aufzuklären, hat die Kommission in dieser Woche außerdem beschlossen, ein EU-Bienenlabor einzurichten. Dieses soll Daten aus den Mitgliedsländern sammeln und einheitliche Messmethoden erarbeiten, damit die bisherigen Untersuchungen vergleichbar werden. Derzeit forsche jedes Land in eine andere Richtung, erklärte der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Peter Maske. Er lobte daher das Projekt: „Untersuchungen und Ergebnisse werden durch das Referenzlabor EU-weit standardisiert.“

Das scheint auch notwendig, wenn man auf die Situation in Deutschland blickt. Seit 2004 trägt das Deutsche Bienenmonitoring (Debimo) Daten zur Imkerei, zu Bienenstandorten, Rückständen in Honig und Bienenbrot sowie zur Leistung und Gesundheit der Bienenvölker zusammen. Ziel ist es, mögliche Zusammenhänge mit dem winterlichen Bienensterben aufzudecken. Doch über die Ergebnisse streiten die Projektpartner und Naturschutzverbände wie der BUND und der Nabu bereits seit dem Zwischenbericht aus dem Jahr 2009.

Der postuliert als Hauptursache für das Bienensterben einen Befall mit der Bienenmilbe Varroa destructor, die an den Bienenlarven saugt und deren Entwicklung behindert. Die entstehenden erwachsenen Bienen sind daher zu schwach, um den nächsten Winter zu überstehen. Im Bericht wird der Zusammenhang zwischen Milbenbefall und dem Tod der Bienenvölker denn auch statistisch berechnet. Nach Auffassung der Autoren gibt es „eindeutige Hinweise“ darauf, dass die Varroamilbe der Hauptparameter für die Winterverluste ist.

Falsch, sagen nun die unabhängigen Wissenschaftler Peter Hoppe und Anton Safer, die im Auftrag von BUND und Nabu das Bienenmonitoring untersucht haben. Ihre Studie „Das Deutsche Bienenmonitoring: Anspruch und Wirklichkeit“ wurde auf der am Sonntag zu Ende gehenden Grünen Woche in Berlin vorgestellt. Die Autoren bezeichnen das Monitoring als grundsätzlich ungeeignet, die Ursachen des Bienensterbens zu klären. Sie halten die Auswahl der Imker und Bienenvölker für nicht repräsentativ, die Datenerhebung für widersprüchlich und unvollständig, die Auswertung für irreführend.
Beispielsweise seien nur bei fünf Prozent der ausgewerteten Völker überhaupt Rückstandsanalysen durchgeführt und die gefundenen Konzentrationen etwa von Pestiziden auch noch verschwiegen worden.

Nach Ansicht von BUND und Nabu könnte das daran liegen, dass etwa 50 Prozent der Projektkosten von der chemischen Industrie bezahlt wurden. Auch die Schlussfolgerung, dass Varroa destructor sowie Bieneninfektionen die Hauptursache des Wintersterbens sind, bezweifeln Hoppe und Safer. „Diese Schlussfolgerung ist wissenschaftlich unhaltbar und bewusst irreführend“, schreiben sie in der Studie. Sie empfehlen unter anderem kontrollierte Versuche mit Pflanzenschutzmitteln.

Nicola Zellmer/dpa

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