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10:00 05.12.2017
Wie gut Kinder lesen können, hängt in Deutschland mehr als in fast allen anderen Staaten vom sozialen Status der Eltern ab. Quelle: dpa
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Berlin

Die Leseleistungen deutscher Viertklässler sind stabil. Das klingt undramatisch, ist aber eine schlechte Nachricht. Fast ein Fünftel der Viertklässler kann nicht richtig lesen – und deutsche Schulen finden keine Wege, das zu ändern. Schülerinnen und Schüler in Deutschland erreichen in der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) fast exakt so viele Punkte wie bei der ersten Untersuchung vor 15 Jahren. Das gab die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Susanne Eisenmann (CDU) aus Baden-Württemberg, jetzt bekannt. 2001 maßen die Forscher 539 Punkte, in der jetzt vorgelegten Erhebung, die 2016 durchgeführt wurde, waren es 537 Punkte. Allerdings verbesserten in den vergangenen 15 Jahren viele andere Länder ihren Schulunterricht. Deutschland liegt nun sogar unter dem EU-Durchschnitt von 540 Punkten. Während 2001 nur in vier Ländern die Schüler besser lesen konnten, sind es jetzt schon zwanzig. An der Untersuchung nahmen 47 Staaten und 10 Regionen teil.

„Die zunehmend heterogene Schülerschaft stellt die Grundschulen in Deutschland vor große Herausforderungen“, sagt Eisenmann zur Erklärung. „Der internationale Vergleich zeigt, dass es einer Reihe von Staaten im Grundschulbereich besser gelingt, die Leseleistungen zu verbessern. Diesen Fortschritt gilt es zu analysieren.“

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Die Staatssekretärin im Bundesbildungsministerium, Cornelia Quennet-Thielen, fordert: „Deutschland muss sich mehr anstrengen, damit die Leistungen der Grundschulkinder besser werden. Die Bildungsgerechtigkeit muss gestärkt und die Integration der Kinder mit Migrationshintergrund verbessert werden.“

Soziale Unterschiede spielen große Rolle

Kinder mit Migrationshintergrund, so die Forscher, hinken bei der Lesekompetenz ungefähr ein Schuljahr hinterher. Das hat sich seit 2001 kaum verändert. Damals wie heute spielen die sozialen Unterschiede eine große Rolle: Wie gut Kinder lesen können, hängt in Deutschland mehr als in fast allen anderen Staaten vom sozialen Status der Eltern ab.

Untersucht wurde eine repräsentative Stichprobe von rund 4000 Kindern der vierten Jahrgangsstufe an 200 Grund- und Förderschulen. Die dabei verwendeten Testaufgaben berücksichtigten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade beim Verstehen von Texten. Sowohl literarische Texte wie etwa Kurzgeschichten als auch informierende Texte wie zum Beispiel Lexikonartikel oder Faltblätter kamen zum Einsatz. Mit Hilfe von Fragebögen wurde auch erfasst, wie gern und wie häufig Kinder lesen.

Zuletzt hatte eine andere Schulstudie für Schlagzeilen gesorgt, nach der Deutschlands Viertklässler innerhalb der vergangenen fünf Jahre in Mathematik, beim Zuhören und in Rechtschreibung zurückgefallen sind. Beim Lesen – so die Erhebung IQB-Bildungstrend 2016 – blieben die Grundschüler dagegen im 2016 auf ähnlichem Niveau wie 2011. Jeder achte Viertklässler in Deutschland erreichte beim Lesen demnach 2016 nicht einen bestimmten Mindeststandard. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, nannte es „das Peinlichste an unserem Bildungssystem“, dass die Herkunft der Kinder maßgeblich über ihren Bildungserfolg entscheidet. Nach jeder neuen Studie werde Besserung gelobt, „passiert ist sehr, sehr wenig“, kritisiert Zimmermann.

Von Jan Sternberg/RND

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