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Wissen Leibniz-Preise für Forscher aus Niedersachsen
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09:09 04.12.2009
Von Nicola Zellmer
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Der Preis gilt als bedeutendster deutscher Forschungspreis. Insgesamt neun Auszeichnungen wurden vergeben. Die niedersächsischen Preisträger sind Prof. Christoph Klein, Direktor der Klinik für Kinderheilkunde, pädiatrische Hämatologie und Onkologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Primatenforscher Prof. Stefan Treue vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen. Verliehen werden die Preise am 15. März 2010, gleichzeitig mit der Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Leibniz-Programms in Berlin.

MHH-Forscher Klein erhielt die Nachricht von der Ehrung auf dem Flughafen direkt vor seinem Abflug in die USA. „Ich freue mich natürlich sehr“, sagte der 45-jährige und betonte, dass mit dem Preis die Arbeit seines gesamten Teams ausgezeichnet werde. Klein, der vor einem Jahr den Ruf nach Hannover erhielt, hat die Ursachen von Gendefekten analysiert, die für Erkrankungen des Immunsystems verantwortlich sind. Dabei hat er entdeckt, dass ein genetisch bedingter Enzymdefekt dazu führt, das Kindern von Geburt an bestimmte weiße Blutkörperchen fehlen. Kinder mit diesem sogenannten Glucose-6-Phosphatase-Defekt hatten bislang kaum Überlebenschancen. Kleins Erkenntnisse eröffnen ihnen nun neue Therapiemöglichkeiten – beispielsweise eine Gentherapie der Erbkrankheit, bei der die fehlerhafte Erbinformation repariert werden könnte.

Der Neurowissenschaftler Treue leitet im Deutschen Primatenzentrum die Abteilung kognitive Neurowissenschaften. Er und sein Team erforschen an Rhesusaffen die Verarbeitung von visuellen Eindrücken im Gehirn. Dabei konnte Treue zeigen, dass das Sehen anders als bisher angenommen kein passiver Prozess ist, sondern dass die eingehenden Informationen auf ihrem Weg von den Augen zu den für das Sehen zuständigen Arealen der Hirnrinde durch andere Wahrnehmungen beeinflusst werden können. Auf diese Weise ist es auch dem Menschen möglich, selektiv zu sehen und bestimmte Bilder zu unterdrücken. Dadurch können wir uns auf die wichtigsten Informationen konzentrieren.

„Der Preis bringt seinen Trägern weltweites Renommee und ein bedeutendes Preisgeld ein, vor allem aber auch die Freiheit, dieses Geld in den kommenden sieben Jahren ganz nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre wissenschaftliche Arbeit zu verwenden – eine wahrlich märchenhafte Freiheit“, sagte DFG-Präsident Prof. Matthias Kleiner bei der Bekanntgabe der Preisträger. Bisher hat die DFG 303 Forscher mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet, darunter sind mit der Medizinprofessorin Christiane Nüsslein-Volhard, dem Chemiker Prof. Gerhard Ertl, dem Physiker Prof. Theodor W. Hänsch, den Medizinern Prof. Erwin Neher und Prof. Bert Sakmann sowie dem Chemiker Prof. Hartmut Michel auch sechs spätere Nobelpreisträger.