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10:38 23.05.2019
Plankton aus karibischen Sedimenten: Jede Schale ist kleiner als ein Millimeter. Quelle: Michal Kucera/dpa
Bremen/Oldenburg

Der Klimawandel verändert die Verteilung des Zooplanktons in den Ozeanen. Die Gemeinschaften dieser weltweit verbreiteten Kleinstlebewesen, die die Nahrungsgrundlage für zahllose Meeresbewohner bilden, haben sich seit Beginn der Industrialisierung verändert. Forscher um Lukas Jonkers vom Marum – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen sehen im Fachblatt „Nature“ einen klaren Zusammenhang zur Erwärmung der Ozeane.

Während frühere Studien nachgewiesen haben, dass sich die Meeresoberfläche seit Beginn der Industrialisierung vor rund 170 Jahren deutlich erwärmt hat, sind die Auswirkungen auf marine Ökosysteme bislang wenig erforscht. Studien dazu stützen sich meist auf Daten, die seit Ende des 20. Jahrhunderts erhoben wurden. „Wir wissen schon lange, dass sich Artengesellschaften verändern, aber für viele Lebensgemeinschaften gibt es wegen zu kurzer Beobachtungen keine belastbaren und vor allem globalen Vergleichsgrößen“, sagt Jonkers.

Struktur der Planktongemeinschaft hat sich verändert – kein Zufall

Um festzustellen, wie sich die Meere unter dem zunehmenden Einfluss des Klimawandels verändert haben, untersuchten die Forscher nun Zooplankton. Zu diesen Organismen zählen unter anderem kleine Krebstierchen und Rädertierchen, aber auch die sogenannten Foraminiferen – Kleinstlebewesen mit Kalkgehäusen. Nach deren Tod lagern sich die Gehäuse auf dem Meeresboden ab. Proben aus Sedimentschichten erlauben Forschern so einen Blick in die Vergangenheit und ermöglichen auch, Rückschlüsse auf die damalige Zusammensetzung und Verteilung des Zooplanktons zu ziehen.

Eine Sedimentfalle an Bord eines Forschungsschiffs im tropischen Nordatlantik geborgen. Quelle: Christiane Schmidt/dpa

Das Team, darunter ein Meeresbiologe der Universität Oldenburg, wertete mehr als 3700 Datensätze aus Sedimentschichten weltweit aus und verglich sie mit aktuellen Proben. Dabei variierte die Struktur der Gemeinschaften deutlich – und zwar nach einem bestimmten Muster. „Das Erstaunliche war, dass dieser Unterschied nicht zufällig ist, sondern ein Signal der Erderwärmung zeigt: Heutige Lebensgemeinschaften in sich erwärmenden Regionen stimmen mit vorindustriellen Lebensgemeinschaften aus wärmeren Regionen überein“, wird Jonkers in einer Mitteilung seines Instituts zitiert.

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Plankton verlagert sich – im Mittel um 600 Kilometer

Daraus schließen die Forscher, dass Planktongemeinschaften mit der Erwärmung des Wassers in andere Zonen abwandern. Im Mittel hätten sich die Gemeinschaften seit der Industrialisierung um etwa 600 Kilometer verlagert, schreiben die Autoren. Damit steige für sie der Druck, sich an neue Umgebungen anzupassen und eventuell auch neue Nahrungsquellen zu finden. „Die Frage ist, ob sie dies zügig tun können, oder ob der Klimawandel zu schnell voranschreitet, als dass die Gemeinschaften sich anpassen könnten“, sagt Ko-Autor Michal Kucera.

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Dieser Anpassungsdruck betrifft nicht nur die Foraminiferen selbst, sondern auch jene Arten, die mit ihnen in Verbindung stehen – als Nahrungsquellen oder aber als Fressfeinde. „Die Veränderungen der Foraminiferen im Plankton zeigen eindeutig, dass der menschliche Einfluss ihre Arten-Gemeinschaften weltweit verändert hat“, schreibt das Team. Dies beeinflusse wiederum die marinen Ökosysteme generell, betonen die Forscher, und könne damit auch Auswirkungen auf jene menschlichen Gesellschaften haben, die vom Meer abhängig sind.

Von RND/dpa

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