Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wissen Impfen als Krebstherapie? Forscher testen Wirkstoff erfolgreich an Mäusen
Nachrichten Wissen Impfen als Krebstherapie? Forscher testen Wirkstoff erfolgreich an Mäusen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:41 18.01.2019
Forscher arbeiten derzeit an der Entwicklung eines Impfstoffes, der Gebärmutterhalskrebs im Rahmen einer Therapie bekämpfen soll. Quelle: picture alliance / Markus Brunner
Heidelberg

Impfen – Ja oder Nein? Die Frage können sich Deutsche durchaus stellen, denn hierzulande herrscht keine Impfpflicht. Das macht sich unter anderem auch bei der sogenannten HPV-Impfung bemerkbar. Der darin enthaltene Wirkstoff schützt vor den humanen Papillomviren (HPV), welche Gebärmutterhalskrebs verursachen können. Die Viren infizieren die Schleimhautzellen und lassen diese unkontrolliert wuchern. Doch nur wenige nutzen diese Chance.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) arbeitet derzeit an einem Impfstoff, der Frauen und Männern helfen soll, die bereits mit HPV infiziert sind. „Unser Ziel ist es, einen therapeutischen Impfstoff zu entwickeln, mit dem Menschen behandelt werden können, die bereits eine HPV-Infektion haben und möglicherweise auch schon einen HPV-bedingten Krebs oder Krebsvorstufen haben“, sagt Professorin Angelika Riemer vom DKFZ. Das unterscheide die neue Strategie von der bereits existierenden Schutzimpfung. Denn diese wirkt nur, wenn sie vor einer Infektion mit HPV verabreicht wurde.

Erste Tests waren erfolgreich

Eine solche therapeutische Impfung aktiviert Immunzellen, die sogenannten zytotoxischen T-Zellen. Diese können winzige Molekülstrukturen der Papillomviren – die Epitope – auf der Oberfläche von HPV-infizierten oder bereits daraus entstandenen Krebszellen erkennen. Dadurch werden sie als verdächtig eingestuft und von den Immunzellen abgetötet. Eine Schutzimpfung dagegen entwickelt lediglich Antikörper, die vor einer künftigen Infektion schützen.

Soweit die Theorie. In der Praxis haben erste Tests zumindest zu 50 Prozent funktioniert: „Bei der Hälfte der geimpften Mäuse verschwanden die Tumoren vollständig“, berichtet Riemer. Da die humanen Papillomviren aber nur menschliche Zellen befallen, mussten die Forscher ein wenig tricksen. Für solche Zwecke gibt es spezielle Mäuse, deren Immunsystem – einfach gesagt – „humanisiert“ worden ist, erklärt die Professorin. Von den Wissenschaftlern vorbereitete Zellen wurden in die Mäuse eingepflanzt und bildeten dort die Tumoren.

T-Zellen werden auf Streife geschickt

In dem experimentellen Impfstoff enthält als wichtigsten Bestandteil die Epitope, die der von HPV verursachte Tumor auf seiner Oberfläche trägt. Diese werden nach der Impfung in die Lymphknoten transportiert. „Das ist besonders effizient, um eine Immunantwort auszulösen, denn dort sind alle Immunzellen vorhanden, die für eine Abwehrreaktion erforderlich sind“, erklärt Riemer.

Anschließend kommen die bereits erwähnten T-Zellen ins Spiel: Stoßen sie auf ein injiziertes Epitop, bedeutet das für sie das Signal, den restlichen Körper nach feindlichen Zellen mit diesen Epitopen zu suchen. Und das können eben auch Krebszellen sein, die dann im besten Fall von den T-Zellen abgetötet werden.

Versuche noch an etlichen Tieren

Der nächste Schritt von Forscherin Angelika Riemer und ihrem Team wird sein, die Erfolgsquote auf 100 Prozent zu erhöhen. Und das dauert seine Zeit. Zwar gehe ein solcher Versuch bei Mäusen vergleichsweise schnell, doch müsse der Versuch an etlichen Tieren sowie in verschiedenen Dosierungen und Zeitabständen vorgenommen werden, erklärt Riemer.

Es sind also noch etliche „Drehungen“ am Impfstoff nötig, bis er in der Maus perfekt funktioniert. Erst dann strebt das Forschungsteam Versuche am Menschen an. Wie lange das dauern wird, kann Riemer zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen.

Lesen Sie auch: Schützen Bio-Lebensmittel vor Krebs?

Kaum einer lässt sich gegen HPV impfen

Gebärmutterhalskrebs ist die weltweit dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen. Seit mehr als zehn Jahren ist es in Deutschland möglich, sich gegen diese Viren impfen zu lassen. Doch genutzt wird das Angebot nur selten. Wie das DKFZ informiert, sind weniger als die Hälfte der 17-jährigen Mädchen gegen HPV geimpft. Ein weiterer Grund, warum derzeit an dem therapeutischen Impfstoff getüftelt wird.

Doch warum sind die Impfraten bei der HPV-Schutzimpfung so niedrig? Riemer glaubt, dass es an der ursprünglichen Altersempfehlung liegt. 17-Jährige hängen in dem Alter oft in einem „Loch“ zwischen der Betreuung durch den Kinderarzt und durch die eines Gynäkologen. Auch Berichte über einige ernste Krankheitsfälle kurz nach der Impfung können laut Riemer ein Grund für die geringe Impfrate sein. Dennoch sei inzwischen nachgewiesen worden, dass diese Erkrankungen nichts mit der Schutzimpfung zu tun hatten.

Auch ohne Gebärmutter ist man nicht vor HPV geschützt

Im Zusammenhang mit der HPV-Schutzimpfung sollten sich übrigens auch Männer die Frage „Impfen – Ja oder Nein?“ stellen. Denn eine Infektion mit HP-Viren kann auch zu Analkrebs, Tumoren im Mund- und Rachenraum und Peniskarzinomen führen. Das bekräftigte Harald zur Hausen, der Entdecker des Zusammenhangs zwischen den HP-Viren und Gebärmutterhalskrebs, im vergangenen Sommer. „Insgesamt gehen pro Jahr in Deutschland etwa 1000 Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV“, sagte zur Hausen in einem Interview mit dem DKFZ.

Lesen Sie auch: Krebskranker Junge überlebt bis zur Geburt seiner Schwester

Von RND/Lisa-Marie Leuteritz

Der Ringplanet Saturn ist viele Milliarden Jahre alt. Nasa-Forscher gehen jetzt davon aus, dass der Planet aber nicht immer so aussah. Demzufolge hat Saturn seine Ringe frühestens vor 100 Millionen Jahren entwickelt – und sie bleiben nur vorübergehend.

18.01.2019

Der Winter steht vor der Tür. Zeit, das Auto gegen Frost und Schnee zu schützen. Hier einige Hinweise, worauf Sie achten sollten.

18.01.2019

Am frühen Montagmorgen, 21. Januar, ist am Himmel über Deutschland ein seltenes Phänomen zu erleben – der Blutmond. Wer den rot leuchtenden Mond fotografieren will, sollte diese Regeln beachten.

20.01.2019