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Wissen Großstädte müssen sich auf heiße und lange Sommer einstellen
Nachrichten Wissen Großstädte müssen sich auf heiße und lange Sommer einstellen
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15:11 28.04.2009
Die Großstädte müssen sich auf heiße und lange Sommer einstellen. Quelle: Clemens Bilan/ddp
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Angesichts steigender Temperaturen und längerer Hitzeperioden in den nächsten Jahrzehnten sollten die Menschen innerhalb von fünf Gehminuten im Freien schattige Zonen aufsuchen können, um mögliche gesundheitliche Schäden zu vermeiden. So empfehlen es Klimaexperten.

Damit die Städteplaner auf diese Klimaveränderungen reagieren können, hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) erstmals mittels Computer für eine Großstadt - Frankfurt am Main - ein entsprechendes Modell entwickelt. „Das könnten beispielsweise mehr Arkaden oder auch Sonnensegel auf der Frankfurter Zeil sein“, regte Paul Becker, Leiter des Bereichs Klima und Umwelt beim DWD, am Dienstag in Berlin an. Denn die Menschen würden angesichts der heißen Aussichten verstärkt Schattenplätze suchen.

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„Mitte des Jahrhunderts wird mindestens jeder sechste Tag des Jahres in Frankfurt wärmer als 25 Grad Celsius sein“, erläuerte Becker. Damit steige die Anzahl der Sommertage in der Mainstadt von derzeit 46 pro Jahr um etwa 12 bis 26 Tage bis 2050. In dicht bebauten Gebieten könne die Zahl noch höher liegen. Hochhäuser wie im Frankfurter Bankenviertel könnten den Wärmeeffekt durch ihre Schatten tagsüber zwar mildern. „Da jedoch die nächtliche Wärmeinsel durch die Hochhäuser verstärkt wird, verbinden wir damit keine Empfehlung, als Anpassungsmaßnahme auf Hochhausbau zu setzen“, warnte der Experte.

Wirklich helfen können nach DWD-Angaben in den meisten Städten mehr Schatten spendende Bäume. Becker sagte: „Eine klimaverträgliche Stadt benötigt einen Grünflächenanteil von mindestens einem Viertel ihres Gebiets, denn diese wirken der städtischen Wärmeinsel entgegen.“ Hierfür reiche aber nicht ein zentraler großer Park: „Es kommt darauf an, viele grüne Inseln mit mindestens einem Hektar Fläche zu schaffen. Ein solches Netz von kühlen Inseln hilft auch zu verhindern, dass bei weiter steigenden Temperaturen die überhitzten Bereiche einer Stadt zusammenwachsen.“

Mehr Hitzewellen erfordern dem DWD-Modell zufolge auch „mehr Frischluft“. Becker erläuterte: „Es ist denkbar, dass wir künftig in europäischen Großstädten eine Renaissance der Alleen erleben. Über diese Schneisen wird aus dem Umland - in Frankfurt zum Beispiel aus dem Taunus - kühlere Luft geliefert.“

Nach Frankfurt am Main sammeln die Meteorologen gerade für Berlin Daten, die dann spätestens im Herbst vorliegen sollen, wie DWD-Präsident Wolfgang Kusch ankündigte. Denn auch die Hauptstadt werde wegen des Klimawandels vor große Herausforderungen gestellt. „Die Unwetter nehmen zu“, prophezeite er. Die Kanalisation müsse in der Lage sein, in „kürzerem Zeitraum mehr Wasser aufzunehmen“.

Nicht nur in den beiden Großstädten werden die extremen Wetterereignisse zunehmen, sondern vielerorts in Deutschland, wie der DWD-Klimaanalyst Gerhard Müller-Westermeier erklärte. „So hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Anzahl der sogenannten Sommertage mit mindestens 25 Grad und heißen Tage mit 30 Grad deutlich erhöht.“ An einzelnen DWD-Stationen habe sich deren Anzahl seit 1950 schon mehr als verdoppelt: „Die Klimaforscher gehen davon aus, dass in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts extrem warme Jahreszeiten wie der Hitzesommer 2003 normal werden.“

ddp