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Wissen Freiraum auf Zeit: Wissenswertes rund um die Brückenteilzeit
Nachrichten Wissen Freiraum auf Zeit: Wissenswertes rund um die Brückenteilzeit
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13:11 06.05.2019
Mehr vom Tag haben: Mit der Brückenteilzeit können sich Arbeitnehmer Freiraum auf Zeit verschaffen – und ihn beispielsweise für Familie, Pflege oder Weiterbildungen nutzen. Quelle: Christin Klose/dpa-tmn
Berlin

Die To-do-Liste ist zu lang, der Tag zu kurz und die Uhren ticken schneller, als es guttut. Wenn der Beruf das Leben bestimmt, wünscht sich mancher Arbeitnehmer mehr Freizeit für Familie, Hobbys oder die private Weiterbildung. Was klingt wie „Wünsch-dir-was“, soll mit der Brückenteilzeit Realität werden.

Brückenteilzeit: Was steckt dahinter?

Das Prinzip: Arbeitnehmer können für einen Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren die Arbeit in Teilzeit beantragen – danach kehren sie automatisch in ihre vorherige Arbeitszeit zurück. Seit Anfang diesen Jahres greift die Brückenteilzeit, die der sogenannten „Teilzeitfalle“ entgegenwirken soll.

Die Voraussetzungen für Betriebe

Wer mehr Freiraum auf Zeit beantragen möchte, sollte sich über die Voraussetzungen im Klaren sein. So haben nur Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als 45 Beschäftigten einen Anspruch auf Brückenteilzeit. Bei Unternehmen mit bis zu 200 Mitarbeitern gilt außerdem eine Zumutbarkeitsgrenze: Dort muss von 15 Anträgen nur einer bewilligt werden.

Wer darf Brückenteilzeit beantragen?

Der Teilzeitwunsch muss drei Monate im Voraus beantragt werden und darf nur von Arbeitnehmern gestellt werden, die mindestens ein halbes Jahr in einem Unternehmen beschäftigt sind. Abgelehnt werden kann der Antrag mit Verweis auf einen sogenannten betrieblichen Grund. „Ein betrieblicher Grund liegt insbesondere vor, wenn die Verringerung der Arbeitszeit die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten entstehen“, sagt Thomas Beck von der Initiative Neue Qualität der Arbeit, die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert wird.

Um wie viel Prozent das bisherige Arbeitsvolumen reduziert werden darf, ist nicht festgeschrieben. „Es gilt nicht nur für Vollzeitbeschäftigte, sondern im Grunde für jeden Beschäftigten“, erklärt Marta Böning, Juristin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Auch wenn ich beispielsweise 30 Stunden in der Woche arbeite, kann ich weiter reduzieren.“

Vorsicht: Nicht für jeden ist eine Stundenreduktion sinnvoll

Wer in befristeten Arbeitsverhältnissen beschäftigt ist, sollte der Juristin zufolge gegebenenfalls nachrechnen, ob sich die Brückenteilzeit lohnt: „Das ist natürlich schwieriger. Wenn ich ein befristetes Arbeitsverhältnis von zwei Jahren habe, dann kann ich schlecht meine Arbeitszeit für zwei Jahre reduzieren – zumal das Arbeitsverhältnis danach endet“, sagt sie. Wichtig zu wissen ist, dass die Stundenreduzierung auf Kosten des Arbeitnehmers passiert: „Es gibt also keine Lohnersatzleistungen in dieser Zeit.“ Mit dem Teilzeitrechner des BMAS können Interessierte prüfen, wie sich ihre finanzielle Situation verändern würde.

Wem das Modell besonders weiterhilft

Weniger Geld, aber mehr Zeit – die Rechnung kann aufgehen. Prof. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) in Ludwigshafen hält das Modell Brückenteilzeit für einen guten Weg, um „in Balance zu bleiben und unterschiedliche Lebenssituationen miteinander zu vereinbaren“. Vor allem Menschen, die über einen bestimmten Zeitraum hinweg besondere, etwa familiäre Verpflichtungen hätten, könne die Brückenteilzeit mehr Planungssicherheit geben.

Brückenteilzeit: Pläne frühzeitig kommunizieren

Rump empfiehlt, die Pläne frühzeitig und offen zu kommunizieren. „Es ist die Frage, wie ich das im Team, auf kollegialer Ebene rübergebracht kriege und wie ich es koordinieren kann.“ Dabei könne es helfen, den Kollegen Hintergrundinformationen zu den eigenen Beweggründen zu geben, auch wenn diese rechtlich irrelevant sind. „Das hat nichts mit Rechtfertigung zu tun, sondern mit Information und Verständnis. Man sollte mit Augenmaß daran gehen und auch signalisieren, dass man die Kollegen weiterhin unterstützt.“

Gründe einer Stundenreduktion oft private Verpflichtungen

Denn zum Faulenzen werde die Brückenteilzeit laut der Professorin in den seltensten Fällen genutzt – stattdessen seien vielfach private Verpflichtungen wie die Pflege von Angehörigen der Grund, die Arbeitszeit zu reduzieren. „Ich kann mir vorstellen, dass nicht wenige sagen, dass die Rückkehr in die Vollzeit sogar eine Entlastung ist, weil sich die Stresssituation im privaten Bereich normalisiert oder aufgelöst hat.“

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Von RND/dpa/jo

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