Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wissen Bienensterben: Seuche ist seit Jahren ein ungelöstes Problem
Nachrichten Wissen Bienensterben: Seuche ist seit Jahren ein ungelöstes Problem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:58 08.07.2019
Im Garten des Institutes für Bienenkunde krabbeln Bienen über eine Brutwabe aus der bald Bienen schlüpfen. In der Mitte trägt die Königin des Volkes einen blauen Punkt auf dem Rücken. Quelle: Caroline Seidel/dpa
Greifswald/Hohen Neuendorf

Die Amerikanische Faulbrut richtet in Bienenstöcken regelmäßig große Schäden an. „Ich sehe die Krankheit als ein seit Jahrzehnten ungelöstes Problem“, sagt die stellvertretende Direktorin des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf bei Berlin, Elke Genersch. In den vergangenen Jahrzehnten schwankte die Zahl der Ausbrüche in Deutschland demnach zwischen 140 in 2018 und 440 im Jahr 1998. Auf einen Rückzug der Seuche ließen die Zahlen nicht schließen: Es gebe seit den 1950er Jahren ein stetes Auf und Ab der anzeigepflichtigen, für den Menschen aber ungefährlichen Krankheit, erklärt die Wissenschaftlerin.

Am Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems bei Greifswald sieht Marc Schäfer durchaus einen Trend zur Abnahme der Fälle. Er leitet das Nationale Referenzlabor für Bienenkrankheiten am Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Die sinkende Zahl von Ausbrüchen führt Schäfer auf verstärktes Monitoring zurück. „Die Überwachung ist besser geworden, auch die Aufklärung der Imker“, erklärt der Wissenschaftler. So schickten Imker häufiger freiwillig – oder zufällig ausgewählt – Proben zur Früherkennung der Brutkrankheit ein.

Sporen können 30 Jahre und länger überleben

Die Seuche wird durch Bakterien mit dem Fachnamen Paenibacillus larvae verursacht. Gelangen deren Sporen in einen Bienenstock und werden beim Füttern an die Larven gegeben, sterben diese. Werden die toten Nachkommen nicht von Arbeiterinnen entfernt, weil die jeweilige Brutzelle schon mit einem Wachsdeckel versehen wurde, entstehen darin Millionen neuer Sporen. Sie sind äußerst widerstandsfähig und können 30 Jahre und länger überleben.

Lesen Sie hier:
Bienenseuche: Wie gefährlich ist die Amerikanische Faulbrut?

Ein Imker kann Schäfer zufolge nicht ohne weiteres und sofort sehen, was los ist. Beim Verdacht auf Amerikanische Faulbrut müsse er die Veterinärbehörde informieren. Teile der Amtstierarzt den Verdacht, sperre er den Bienenstand und nehme Proben. Bestätige sich der Verdacht im Labor, werde ein Sperrgebiet von mindestens einem Kilometer um den Ausbruchsherd festgelegt. Bienenvölker dürfen aus dem Sperrgebiet weder hinaus- noch in dieses hineingebracht werden.

Schaden wird nicht ersetzt

Das weitere Verfahren ist je nach Bundesland unterschiedlich: In einigen Ländern wie Brandenburg müssen die betroffenen Völker getötet werden. Die Zahlung der Tierseuchenkasse kompensiere den Schaden nicht, räumt Schäfer ein. Anderswo sei eine Sanierung der Völker zulässig, aber nicht immer möglich. Dafür werden die Bienen in einen gereinigten Kasten auf neue Rahmen geschüttelt. Wenn sie mit dem Bau von Waben beginnen, werden ihnen diese mehrfach weggenommen, bis ihnen durch das Bauen und Putzen wahrscheinlich keine Sporen mehr anhaften.

Lesen Sie hier:
Wespen und Bienen: Vorurteile im Check

Woher kommen die Sporen?

Mit Medikamenten ist der Seuche nicht beizukommen – Antibiotika dagegen sind in der EU nicht zugelassen. „Antibiotika töten die Sporen nicht ab“, sagt Schäfer. „Woher die Sporen kommen, ist von der Wissenschaft noch nicht vollständig beantwortet.“ Bienen, auch aus dem Ausland, dürften nur mit Gesundheitszeugnis verkauft werden. Importhonig könne Sporen enthalten. „Aber welcher Imker verfüttert Honig?“, meint Genersch. Am ehesten erfolge die Weiterverbreitung wohl durch Räuberei: Gesunde Bienen treffen auf geschwächte Völker und rauben deren Honig, anstatt Nektar zu sammeln. Damit infizieren sie ihre Brut.

Friedrich Karl Tiesler, Beiratsmitglied für Zuchtwesen beim Deutschen Imkerbund, hält die Infektion durch Auslandshonig für nicht so abwegig. Auch vernachlässigte Bienenstände könnten eine Quelle sein. Mit den verbesserten Diagnosemethoden der vergangenen Jahre sei die Faulbrut aber in den Griff zu bekommen.

Von RND/dpa

Quallen sind der Schrecken vieler Badender im Meer und werden auch an Nord- und Ostsee zur Plage. Wissenschaftler aber wollen ihren Glibber künftig verwerten. Zum Beispiel als Bio-Filter für Mikroplastik. Oder als Snack.

07.07.2019

Vier Meter groß, drei Tonnen schwer: Der Riesenwombat war das größte je existierende Beuteltier. Jetzt haben Forscher den gewaltigen Kiefer eines solchen Tiers gefunden. Und eine Vermutung, warum die Spezies zugrunde ging.

07.07.2019

Raucher haben einer australischen Studie zufolge ein etwa dreimal so hohes Risiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben als lebenslange Nichtraucher. Schon wenige Zigaretten am Tag schaden enorm. Es gibt aber auch eine gute Nachricht.

07.07.2019