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Wissen Wie ein Hundetumor vor 6000 Jahren ausbrach – und bis heute vorkommt
Nachrichten Wissen Wie ein Hundetumor vor 6000 Jahren ausbrach – und bis heute vorkommt
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12:00 03.08.2019
Das Sticker-Sarkom ist ein übertragbarer Krebs, der durch lebende Zellen zwischen Hunden vorwiegend beim Geschlechtsverkehr übertragen wird. Quelle: dpa
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Cambridge/Tempe

In einem Mammutprojekt haben Forscher die Ausbreitung des Sticker-Sarkoms, eines weltweit verbreiteten Tumors bei Hunden, rekonstruiert. Der ansteckende Hundekrebs sei „die älteste, erfolgreichste und vielfältigste bekannte Krebslinie“, schreibt das Team um Adrian Baez-Ortega von der englischen University of Cambridge im Fachblatt „Science“.

Das Sticker-Sarkom – auch CTVT (Canine Transmissible Venereal Tumor) genannt – ist ein übertragbarer Krebs, der durch lebende Zellen zwischen Hunden vorwiegend beim Geschlechtsverkehr übertragen wird. Die Tumore treten gewöhnlich an den Geschlechtsorganen auf und lassen sich recht gut behandeln. Der einzige andere bekannte direkt übertragbare Krebs ist die sehr aggressive Devil Facial Tumour Disease (DFTD), die Tasmanische Teufel befällt.

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Tumor entstand vor 6200 Jahren in Asien

In dem aktuellen Großprojekt sequenzierten Dutzende Forscher Erbgut-Teile von insgesamt 546 Sticker-Sarkomen weltweit und erstellten daraus einen Stammbaum. Die Analyse ergab, dass dieser Tumor vor grob etwa 6200 Jahren bei einem Hund vermutlich in Zentral- oder Nordasien entstand. Auch nach dem Tod des Hundes lebten seine Krebszellen als Metastasen in seinen Artgenossen fort – bis heute.

„CTVT ist eine einzelne biologische Entität“, schreiben die Forscher. „Es ist die älteste, erfolgreichste und vielfältigste Krebslinie, die in der Natur bekannt ist. Sie hat sich über die ganze Erde verbreitet und ihre Tumore in Tausende Hunde gestreut.“

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Ausbreitung spiegelt Wanderbewegungen wider

Die ersten Jahrtausende nach der Entstehung blieb der Tumor in seiner Ursprungsregion. Seine spätere Ausbreitung spiegelt manche Wanderungsbewegungen wider. Vor weniger als 2000 Jahren verließ die Tumorlinie ihre ursprüngliche Hundepopulation und verbreitete sich in andere Teile Asiens und nach Europa. Von dort gelangte sie vor etwa 500 Jahren mit den Europäern vermutlich zunächst nach Mittelamerika und dann in den Norden und Süden des Kontinents. Aus Amerika kamen Subtypen vor etwa 300 Jahren nach Afrika. Zu jener Zeit verbreitete sich der Tumor aus Asien oder Europa nach Australien und in den Pazifikraum.

„Etwa vor 100 Jahren war CTVT in Hundepopulationen weltweit vorhanden und es entstanden lokale Linien, die seitdem weitgehend vor Ort geblieben sind“, schreiben die Forscher. In vielen westlichen Ländern sei der Tumor im 20. Jahrhundert jedoch mit dem Rückgang von Straßenhunden stark geschwunden, schreiben die Wissenschaftler.

6000 Jahre alt und keine Mutationen

In einem „Science“-Kommentar schreiben Carlo Maley von der Arizona State University und Darryl Shibata von der University of Southern California in Los Angeles, die „bemerkenswerte Odyssee“ des Tumors über etwa 6000 Jahre deute darauf hin, dass es keine Obergrenze für die Zahl von Zellteilungen bei Säugetieren gebe.

Für Überraschung sorgt die Erkenntnis, dass die Tumore über die Jahrtausende keine Mutationen angehäuft haben, die ihre Fitness deutlich verbessern. Offenbar seien nur wenige Gene von Säugetierzellen für Krebszellen wirklich notwendig, schreiben Maley und Shibata. „CTVT scheint auf einem Fitness-Gipfel zu sein, oder treffender, auf einem Fitness-Plateau.“

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Von RND/dpa