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Nachrichten Wissen Anabolika-Doping: Steroide sind alles andere als harmlos
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10:38 10.07.2019
Anabole Steroide steigern zwar Leistung und Muskelaufbau, sind aber äußerst gesundheitsschädlich. Quelle: imago images/Panthermedia
Hannover

Waschbrettbauch, großer Bizeps, Beinmuskeln: Viele Sportler arbeiten hart, um ihren Traumkörper zu erreichen. Trotz Training und Disziplin stößt der menschliche Körper aber irgendwann an seine natürlichen Grenzen. Um nachzuhelfen, greifen einige deswegen zu Substanzen, die Ausdauer und Leistung steigern.

Doping ist dabei keinesfalls auf den Leistungssport beschränkt. Immer häufiger nehmen auch Freizeitsportler leistungssteigernde Medikamente ein – sogenannte Anabolika. Der Klassiker dabei sind die anabolen Steroide.

Leistungssteigerung und Muskelaufbau: So wirken anabole Steroide

„Anabole Steroide sind synthetische Abkömmlinge des männlichen Sexualhormons Testosteron, die eine stärkere und längere Wirkung haben“, erklärt Jürgen Steinacker von der Universität Ulm. Die künstlich hergestellten Steroide führen zu einer Zunahme an Muskelkraft und verstärken Muskelwachstum, Schnelligkeit und Ausdauer im Training.

Anabole Steroide werden meistens als Tabletten eingenommen. Sie können aber auch gespritzt werden. Testosteron gibt es außerdem als Salbe. Einige Tabletten schlucken und damit stark und gesund aussehen – für viele junge Sportler mag das verlockend klingen. Offiziell bekommt man die Medikamente in Deutschland jedoch nur mit Rezept – und das nicht ohne Grund. Denn die gesundheitlichen Risiken von anabolen Steroiden sind enorm.

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Risiken durch Testosteron

Das in anabolen Steroiden enthaltene Testosteron steigert nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern fördert auch die männliche Geschlechtsausprägung. Bei Männern, die leistungssteigernde Mittel einnehmen, steigt deswegen zunächst die sexuelle Aktivität.

Die körpereigenen Hormone werden durch die Medikamente jedoch abgeschwächt. Schon nach drei bis sechs Wochen zeigen sich deswegen die ersten Nebenwirkungen: „Viele Männer werden impotent und müssen Gegenmedikamente nehmen“, warnt Steinacker.

Bei Frauen hat das Testosteron noch stärkere Auswirkungen. Es kann zu einer Vermännlichung kommen, sagt der Experte. „Die Einnahme von anabolen Steroiden führt dann zu Bartwuchs, starker Körperbehaarung und einer tieferen Stimme.“

Nebenwirkungen: Pickel, Aggressivität und Herzinfarkt

Ob jemand anabole Steroide einnimmt, ist äußerlich nicht eindeutig erkennbar. Erste Anzeichen sind aber Pickel, verführter Haarausfall und natürlich ein starkes Muskelwachstum.

Die wirklich gravierenden Nebenwirkungen zeigen sich allerdings erst langfristig. „Was Sportler häufig nicht mitbekommen ist, dass die Einnahme von anabolen Steroiden zu einer erhöhten Anzahl an Todesfällen führt“, so Steinacker. Denn durch den Medikamentenmissbrauch steigt das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen stark an.

Zu den Langzeitfolgen der Einnahme von Steroiden zählen außerdem Schilddrüsenüberfunktion, Veränderungen des Skelett- und Bewegungsapparates, Wasseransammlungen im Gewebe und Bluthochdruck. Wer Steroide längerfristig konsumiert, kann abhängig von den Medikamenten werden.

Anabolikakonsum kann zu sozialer Isolation führen

Neben körperlichen Schäden hat der Konsum außerdem Auswirkungen auf die Psyche: „Die Einnahme von anabolen Steroiden führt zu Aggressivität, niedrigerer Stressresistenz und Depressionen“, sagt Steinacker.

Trotz der gefährlichen Nebenwirkungen nutzen viele Hobbysportler die leitungsfördernden Substanzen, um schnell Muskeln aufzubauen. Laut Steinacker handelt es sich dabei vor allem um junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren. „Etwa 10 Prozent dieser Risikogruppe nehmen anabole Steroide ein“, schätzt der Experte. Gerade in der Bodybuilder-Szene versuchen junge Männer, mit einem trainierten Körper und starken Muskeln den Frauen zu imponieren.

Tatsächlich bewirkt der Konsum von anabolen Steroiden aber häufig das genaue Gegenteil. Wer sie einnimmt, wird aggressiv, unausgeglichen und potenziell auch abhängig. „Die Männer werden unausstehlich und darunter leiden die Sozialbeziehungen“, sagt Steinacker. Auch aus diesem Grund schätzt er den Missbrauch von leistungssteigernden Medikamenten als großes gesellschaftliches Problem ein.

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Unterschiedliche Regelungen für Leistungs- und Hobbysportler

Die Einnahme von anabolen Steroiden ist in Deutschland nicht grundsätzlich verboten. „Nach den Sportregeln ist sie zwar für alle Sportler verpönt, aber nicht für alle auch strafbar“, so Steinacker. Für Leistungssportler gilt: Anabole Steroide stehen auf der Dopingliste, sie sind laut Anti-Doping-Gesetz verboten.

Bei Amateursportlern ist es etwas komplizierter. Von Doping spricht man laut dem „Arbeitgeberverband deutscher Fitness-und Gesundheit-Anlagen“ deswegen eiegntlich auch nur, wenn Hochleistungssportler zu illegalen leistungsfördernden Medikamenten greifen. Wenn Breiten- und Freizeitsportler Steroide zum Muskelaufbau konsumieren, wird das dagegen als Medikamentenmissbrauch bezeichnet.

Ab einer bestimmten Menge ist der Besitz von Dopingmitteln strafbar

Das bedeutet: Für Freizeitsportler ist der Erwerb und Besitz von leistungssteigernden Medikamenten ab einer bestimmten Menge zum Zwecke des Dopings strafbar. Denn die meisten Dopingmittel werden auch bei bestimmten Erkrankungen ärztlich verschrieben. Beim Dopen müssen die Medikamente jedoch um ein Vielfaches überdosiert eingenommen werden, um einen Effekt zu haben.

Neben den gesetzlichen Regelungen können außerdem Sportverbände Sanktionen gegen Sportler aussprechen, die Dopingmittel konsumieren. Wer dabei erwischt wird, dass er Anabolika im Wettkampf oder in der Vorbereitung einnimmt, wird für mindestens vier Jahre von Wettkämpfen gesperrt, bei einer Wiederholungstat sogar bis zu lebenslänglich.

Verkauf im Netz und in Fitnessstudios

Der Handel mit anabolen Steroiden ist in Deutschland grundsätzlich verboten. Er gilt in Deutschland als Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz und wird mit Haftstrafen von bis zu zehn Jahren geahndet. Anabole Steroide unterliegen in Deutschland als Medikamente dem Arzneimittelgesetz und erfordern deswegen eine ärztliche Verschreibung.

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Auch wenn der Verkauf von leistungssteigernden Medikamenten illegal ist, werden diese längst nicht mehr nur im Darknet angeboten. Stattdessen können die Substanzen im Internet bestellt werden. „Wie bei Drogen gibt es auch organisierte Dopingringe“, sagt Jürgen Steinacker. Dealer besorgen sich die Waren meist im Ausland und stellen sie dann in Untergrundlabors her. Weil Testosteron sehr teuer ist, kaufen viele Sportler die billigen Medikamente, ohne zu wissen, was sie genau enthalten.

Immer häufiger bieten die Dealer Steroide auch in Fitnessstudios an. „Junge Männer im Fitnessstudio sind ideale Kunden und werden von den Dealern im Studio angebaggert“, so der Experte. Die Männer seien oft unsicher und deswegen besonders anfällig für das Versprechen vom muskulösen Traumkörper.

Von RND/lzi

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