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13:27 17.04.2010
Hoffnung für die Marsmission. „Eine Landung auf dem Mars wird kommen“, sagte Barack Obama. „Und ich werde dabei zusehen.“
Hoffnung für die Marsmission. „Eine Landung auf dem Mars wird kommen“, sagte Barack Obama. „Und ich werde dabei zusehen.“ Quelle: dpa
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Barack Obama spielt den neuen Kennedy. So wie sein Vorgänger in den sechziger Jahren zum Mond griff, hat Obama nun bei seinem ersten Auftritt bei der Nasa im Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida alle zu widerlegen versucht, die ihm vorwerfen, er habe keine Visionen. Zum Mars soll es gehen. „Wir werden damit beginnen, dass wir zum ersten Mal in der Geschichte Astronauten zu einem Asteroiden schicken“, sagte der Präsident über das kommende Jahrzehnt. „In der Mitte der 2030er Jahre, so glaube ich, werden wir Astronauten in eine Umlaufbahn um den Mars senden und sie sicher zur Erde zurückbringen.“ Eine Landung dort werde er noch erleben: „Eine Landung auf dem Mars wird kommen, und ich werde dabei zusehen.“

Solche vagen Träume, so hat der Präsident lernen müssen, sind der einzige Weg, um den Amerikanern ein knallhartes Effizienzprogramm für die US-Weltraumbehörde zu verkaufen. Als Obama Anfang Februar sein Raumfahrtkonzept vorstellte, nahm die Öffentlichkeit nur wahr, dass er die von George W. Bush geplante Rückkehr zum Mond bis 2020 abgesagt hat. Das war ein gefundenes Fressen für diejenigen, die Obama schon immer vorgeworfen haben, er könne mit amerikanischer Größe nichts anfangen.

Einen Höhepunkt erreichte die Kampagne kurz vor dem Präsidentenauftritt. Sowohl Neil Armstrong, der erste Mann auf dem Mond, als auch Gene Cernan, der bisher letzte Besucher mit dem Raumschiff „Apollo 17“, unterschrieben einen Brandbrief an den Präsidenten. Obamas Pläne seien eine Katastrophe: „Er verdammt uns dazu, eine zweit- oder drittrangige Nation zu werden.“ Die USA seien „auf der langen abschüssigen Bahn in die Mittelmäßigkeit“. Der Vorwurf: Wenn die Spaceshuttle-Flotte am Ende dieses Jahres eingemottet werde, fehle den USA jegliches Konzept, wie es mit der Raumfahrt weitergehen könne.

Pikant ist, dass die zwei Helden der ersten Mondmission, Neil Armstrong und Edwin Aldrin, den Streit dazu nutzen, um alte Animositäten wieder aufleben zu lassen. Während Armstrong den Präsidenten als Totengräber der Raumfahrt beschimpft, lobt Aldrin dessen Pläne. Der zweite Mann auf dem Mond flog sogar mit zu Obamas Auftritt in Florida.

Völlig untergegangen ist bei den Attacken, dass im Gegensatz zu George W. Bush, der sein Mondprogramm am langen Arm verhungern ließ, Obama trotz Haushaltssanierung das Nasa-Budget aufstocken will. Die dazugehörige Vision hat Obama nun nachgeliefert, auch wenn er die Antwort schuldig bleibt, wie sie nun konkret Wirklichkeit werden soll. Mit der Idee, vor dem Mars einen Asteroiden zu besuchen, hat er jedenfalls ein neues, spannendes Stichwort geliefert.

Eines hat die Debatte gezeigt: Eine nüchterne Diskussion über das von Patriotismus umwogte Hätschelkind Raumfahrt ist in den USA schwierig. Es geht eben nicht nur um Arbeitsplätze, die der Grund dafür sind, dass republikanische und demokratische Kongress-Abgeordnete um das in ihren Wahlkreisen angesiedelte Mondprogramm kämpfen. Obama hat ihnen mit dem Weiterbau der kleinen Raumfähre „Orion“, die als Rettungsvehikel für die Raumstation dienen soll, jetzt ein Zugeständnis gemacht. In erster Linie geht es um das nationale Selbstwertgefühl – und um die Rivalität mit den Chinesen. Wenige Tage vor Obamas Auftritt hatte deren Raumfahrtchef Wang Wenbao ehrgeizige Pläne vorgestellt. Schon 2016 will China beispielsweise Andockmanöver mit bemannten Raumschiffen absolvieren. „Wir sind in einem Meilenrennen mit China – und wir geben ihnen eine halbe Meile Vorsprung“, sagt der demokratische Kongress-Abgeordnete Dutch Ruppersberger aus Maryland.

Ausgerechnet die Republikaner, die sonst auf das freie Unternehmertum setzen, werfen Obama vor, dass er bei der Entwicklung von Raumschiffen für erdnahe Missionen auf private Firmen setzt. Die könnten die Erwartungen nicht erfüllen, sagen sie. Dabei ist die staatliche Weltraumbehörde für ihre Ineffizienz berüchtigt. „Die Tatsache, dass wir bereits neun Milliarden Dollar für ein undurchführbares Programm ausgegeben haben, ist keine Entschuldigung dafür, weitere 50 Milliarden hineinzuschütten – und immer noch kein durchführbares Programm zu haben“, sagt Jim Kohlenberger, Obamas Beauftragter für die Beendigung des Mondprojekts. Im Gegensatz zu den zuerst veröffentlichten Sanierungsbeschlüssen haben Visionen immerhin einen Vorteil. So wie George W. Bush ein spektakuläres, aber nicht bezahlbares Mondprogramm hinterließ, könnte es auch den Nachfolgern Obamas gehen. Schon der Besuch eines Asteroiden läge weit jenseits einer möglichen zweiten Amtszeit – und beim Griff zum Mars würde Obama auf die achtzig zugehen.

Andreas Geldner