Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Wulff geht Schaeffler hart an
Nachrichten Wirtschaft Wulff geht Schaeffler hart an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:56 12.05.2009
Von Lars Ruzic
Kritisiert das Sanierungskonzept von Schaeffler: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff.
Kritisiert das Sanierungskonzept von Schaeffler: Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Quelle: Michael Thomas
Anzeige

Entsprechend scharf kritisierte Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) am Dienstag die Vorgehensweise gegenüber dieser Zeitung. „Wir sind sehr verwundert, dass Schaeffler nicht intern offen mit den Beteiligten kommuniziert, sondern immer wieder öffentlichen Druck entfacht“, sagte Wulff am Dienstag auf Anfrage.

Bei Schaeffler scheine immer noch „die Erwartung vorzuherrschen, dass der Steuerzahler die gescheiterte Conti-Übernahme finanziert, statt ein Konzept mit allen Beteiligten zu entwickeln, das für alle gleichermaßen fair ist“, kritisierte der Regierungschef. Das fränkische Familienunternehmen ist seit dem Conti-Kauf hoch verschuldet und bittet um Staatshilfen. Die hannoversche Tochter wird seit der Übernahme nur spärlich informiert. Conti-Chef Karl-Thomas Neumann hatte zuletzt auf der Hauptversammlung ein Konzept bis zum Sommer angekündigt. Dem Vernehmen nach bevorzugen Banken und Politik einen Zusammenschluss beider Unternehmen.

Am Mittwoch soll bei Schaeffler die Belegschaft über den wohl größten Stellenabbau in der Firmengeschichte informiert werden. Dem Vernehmen nach sollen weltweit 8000 von 66 000 Arbeitsplätzen gestrichen werden, davon allein 5000 in Deutschland. Am Dienstag wurden bereits die Betriebsräte informiert.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sieht nach dem Gespräch mit Schaeffler vom Montag wachsende Chancen für eine staatliche Unterstützung. Nun werde Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) das Konzept prüfen, bevor über eventuelle Staatshilfen entschieden werde, sagte Seehofer am Dienstag nach der Kabinettssitzung in München. Nach seinen Angaben gehen auf jeden Fall Arbeitsplätze verloren: „Es wird zu Maßnahmen kommen“, sagte Seehofer dazu. Nach Angaben des CSU-Chefs ist die Eigentümerfamilie zu Opfern bereit: „Das Eigenengagement der Familie ist gewaltig, deshalb verdient es unsere Unterstützung.“

Bei den möglichen Staatshilfen könne es sich nur um Bürgschaften oder Darlehen, nicht aber um eine Übernahme von Schaeffler-Anteilen durch den Staat handeln, sagte Seehofer. Über Details vereinbarten die Teilnehmer Vertraulichkeit. Einzelheiten nannte Seehofer daher nicht, weil zuerst Mitarbeiter, Banken und Gesellschafter informiert werden sollen. Seehofer betonte jedoch: „Wir haben die Überlegungen der Firma Schaeffler positiv aufgenommen.“

Es gebe Elemente, die „beachtlich und schwierig“ seien. „Es ist ein Schwungrad in Bewegung gesetzt worden“. Eine Lösung könne es aber nur unter Beteiligung des Bundes und der anderen beteiligten Bundesländer geben. Neben Niedersachsen seien noch mehrere andere Bundesländer beteiligt. „Das wird ein ganz schwieriger Weg“, betonte der CSU-Politiker. Schaeffler und Conti haben zusammen weltweit 220 000 Mitarbeiter, allein auf Niedersachsen, Hessen und Bayern entfallen mehr als 50 000 Jobs. „Wir wollen so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten“, sagte Seehofer. Unmittelbar nach dem Treffen mit der Schaeffler-Spitze habe er mit Bundeswirtschaftsminister Guttenberg telefoniert. Guttenberg werde seinerseits mit dem Unternehmen aus Herzogenaurach sprechen.(mit: dpa)
Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach: Der Konzern will Tausende Stellen abbauen.