Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Wo baut VWN den neuen Crafter?
Nachrichten Wirtschaft Wo baut VWN den neuen Crafter?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:20 15.03.2013
Der VW-Crafter ist fast baugleich mit dem Mercedes-Sprinter und wird bei Daimler in Düsseldorf und Ludwigsfelde gebaut.
Der VW-Crafter ist fast baugleich mit dem Mercedes-Sprinter und wird bei Daimler in Düsseldorf und Ludwigsfelde gebaut. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Volkswagens Nutzfahrzeugtochter VWN ist mit den Plänen für das neue Modell des Großtransporters VW-Crafter ein großes Stück weiter vom aktuellen Produktionspartner Daimler abgerückt. Zwar vermied VWN-Vorstandssprecher Eckhard Scholz am Freitag in Hannover bei seiner Bilanzvorlage eine klare Ansage zur nahenden Aufkündigung der Kooperation mit den Schwaben. Gleichzeitig machte aber unmissverständlich klar, dass VWN einen Alleingang vorantreibe.

Der VW-Crafter ist fast baugleich mit dem Mercedes-Sprinter und wird bei Daimler in Düsseldorf und Ludwigsfelde gebaut. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass das Ende der bis 2016 vertraglich laufenden Partnerschaft im Grundsatz schon beschlossene Sache sei. VW will die Planung für den neuen Crafter in Eigenregie führen. Auch ohne das Aus mit Daimler zu benennen, fand Scholz deutliche Worte: „Die Aussage, die wir hier getroffen haben - dass wir ein eigenes Produkt entwickeln - ist ja schon einmal ein Statement.“

Intern ist damit das Rennen um den Auftrag zum Bau des Crafter längst entbrannt. Kandidaten sind neben dem traditionsreichen VW-Werk in Hannover-Stöcken laut Medienberichten auch Standorte in Osteuropa oder in der Türkei. Scholz sagte dazu: „Ja, wir entwickeln derzeit mit Nachdruck einen eigenen Crafter-Nachfolger. Nein, darüber hinaus ist noch nicht entschieden, wo wir dieses Modell fertigen werden.“  Scholz wollte sich nicht näher dazu äußern, wann das endgültige Ende mit Daimler offiziell spruchreif werden könnte. Dafür sei es zu früh. Er ließ sich auch nicht näher zu dem Knackpunkt ein, wann VWN überhaupt so weit sein könnte, ohne Daimler einen Crafter ganz allein vom Band rollen zu lassen. Daimler verkaufte bisher deutlich mehr Sprinter als VW Crafter - trotz Partnerschaft herrscht Konkurrenz.

Die Niedersachsen wollen ihre leichten Nutzfahrzeuge weiter internationalisieren und beispielsweise den Großtransporter Crafter in den USA vermarkten, wo der gesamte Konzern noch Luft nach oben hat. Der Markt Nordamerika und die Auslegung des neuen Crafter darauf spiele eine wichtige Rolle, bestätigte Scholz am Freitag.

Für getrennte Wege ohne Daimler spricht auch eine familieninterne Regelung mit dem Münchner Lastwagenbauer MAN. Daimler hätte mit Renault einen schon gut bekannten Alternativpartner an der Hand und bestätigte jüngst entsprechende Gespräche über eine Zusammenarbeit.

Zum Wettrennen um den Produktionsauftrag und mögliche Vorteile von Auslandsstandorten mit niedrigeren Lohnkosten wollte sich Scholz nicht äußern. „Wir sind in der Diskussion. Aber Sie können sich vorstellen, dass das sensible Diskussionen sind.“, sagte der Manager.

Im gesamten Geschäft rechnet Scholz für 2013 mit einem schärferen Wettbewerb. Europa bleibe weiter konjunkturell unter Druck und unsicher. Zudem dränge der Wettbewerb absehbar mit neuen Produkten im Segment der kleinen und großen Transporter auf den Markt. Konkrete Aussagen zu Prognosen für Umsatz, Absatz und Ergebnis vermied Scholz.

dpa

Mehr zum Thema

VW bindet MAN noch enger an sich. Schon auf der nächsten Hauptversammlung der Bayern soll ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag durchgesetzt werden. Die Niedersachsen hätten dann endgültig das Sagen.

10.01.2013
Wirtschaft Transporter-Entwicklung - VWN beendet das Kapitel Mercedes

VW Nutzfahrzeuge beendet die Zusammenarbeit mit Mercedes bei großen Transportern. Die hannoversche Konzerntochter werde den nächsten VW Crafter allein entwickeln und bauen, heißt es in Konzernkreisen.

Stefan Winter 06.06.2013

VW setzt immer mehr auf das Geschäft außerhalb Europas. „Die Zukunft von Volkswagen entscheidet sich mehr und mehr in China, Russland, Indien, Amerika und Südostasien“, sagte Vorstandschef Martin Winterkorn auf der Bilanzpressekonferenz gestern in Wolfsburg.

Stefan Winter 17.03.2013