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Wirtschaft Der Bückling als die neue Gurke – wie Räucherfisch zum dubiosen Argument von Brexit-Johnson wurde
Nachrichten Wirtschaft Der Bückling als die neue Gurke – wie Räucherfisch zum dubiosen Argument von Brexit-Johnson wurde
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14:34 19.07.2019
Dank Boris Johnson muss geräucherter Bückling – zu unrecht – als Argument für den Brexit herhalten. Quelle: imago images / i Images
Hannover

Geht es nach Boris Johnson, ist die EU für „sinnlose, teure und umweltschädliche“ Verpackungen bei britischem Räucherfisch verantwortlich. Bei einer Veranstaltung der britischen Konservativen keilte der Anwärter auf das Amt des Premierministers deshalb gegen die Vorschriften von „Brüsseler Bürokraten“ – und lag gründlich daneben.

Bei einer Rede am Mittwoch in London zitierte er den Inhaber einer Räucherei auf der Isle of Man. Der Geschäftsmann sei „äußerst wütend“ über die EU-Vorschriften zur Verpackung von geräuchertem Fisch, sagte Johnson – um vor hunderten Parteimitgliedern einen eingeschweißten Räucherbückling zu präsentieren. „Nach Jahrzehnten, in denen die Fische so transportiert wurden, erhöhen nun Brüsseler Bürokraten die Kosten, indem sie die Verwendung von Kühlkissen vorschreiben“, polterte Johnson.

„Wir werden diesem Regulierungswahn ein Ende bereiten“, versprach Brexit-Befürworter Johnson im Anschluss seinen Parteimitgliedern – die den Auftritt des wahrscheinlichen Nachfolgers von Premierministerin Theresa May einem Bericht des „Guardian zufolge mit tosendem Applaus und Jubel quittiert hatten.

EU-Kommission widerspricht

Einen Tag später folgte allerdings Ernüchterung: „Der Fall, den Herr Johnson beschreibt, fällt ausschließlich unter die nationale Kompetenz des Vereinigten Königreichs“, sagte eine eigens angereiste Sprecherin der EU-Kommission bei einer Pressekonferenz in London.

Zwar gebe es tatsächlich umfangreiche europäische Vorschriften zum Transport von unverarbeitetem Fisch. Der Verkauf von verarbeitetem Fisch unterliege diesen Regeln aber nicht, so die Sprecherin weiter.

Das gelte auch für die Kühlkissen, die Johnson erwähnte, betonte sie, und verwies darauf, dass für die Regelung das Vereinigte Königreich selbst verantwortlich sei.

Der Fall erinnert an die Gurkenkrümmung

Ganz neu ist es nicht, dass EU-Vorschriften auf dubiose Weise zum Argument von EU-Kritikern werden. Legendär ist bis heute die europäische „Gurkenkrümmungsverordnung“, mit der 1988 Standards für Länge und Krümmung von Gurken im Einzelhandel festgezurrt wurden – auf Wunsch des Handels, entsprechend eines Vorschlags des UN-Wirtschaftsausschusses und mit Unterstützung der EU-Mitgliedsländer.

Das hinderte allerdings zahlreiche Politiker in den einzelnen Staaten nicht daran, über Jahrzehnte gegen die Verordnung als Sinnbild des Regulierungswahns zu polemisieren. 2009 hob die Kommission die Gurkenkrümmungsverordnung wieder auf.

Von RND/Christoph Höland

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