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Wirtschaft Weg für Internet auf dem Land ist frei
Nachrichten Wirtschaft Weg für Internet auf dem Land ist frei
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14:02 13.06.2009
Von Helmuth Klausing
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Der Aufsichtsratsvorsitzende des Audiospezialisten Sennheiser, Jörg Sennheiser (64). Mit der Nutzung der Frequenzen durchs Internet werden drahtlose Mikrofone nicht mehr störungsfrei arbeiten, sagt der Mikrofonhersteller. Quelle: A2882 Holger Hollemann
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Die Frequenzen wurden bisher vom Fernsehen genutzt, werden aber durch die Digitalisierung des TV-Empfangs nicht mehr gebraucht. In den bisher unterversorgten Gegenden Niedersachsens, etwa im Wendland, in der Heide oder im Harz, keimt nun Hoffnung auf, endlich das Internet so nutzen zu können, wie es anderswo längst selbstverständlich ist.

Der Haken dabei: Genau in jenem Frequenzbereich von 790 bis 862 Megahertz fanden bisher auch Funkmikrofone genügend Lücken, um zu senden. Ohne diese Mikrofone wären moderne Musicalaufführungen, Theater, Konzerte und Fernsehsendungen undenkbar. Mit der Nutzung der Frequenzen durchs Internet werden die Mikrofone aber nicht mehr störungsfrei arbeiten können, sagen Mikrofonhersteller wie Sennheiser aus Wennebostel bei Hannover.

Das Unternehmen musste um sein Geschäftsmodell bangen. 1200 Arbeitsplätze hängen bei Sennheiser allein in Deutschland von der Funktechnik ab. Im Bundesrat wurde nun ein Kompromiss beschlossen, der Sennheiser zwar nicht rundum zufriedenstellt, aber erst einmal Luft zum Leben lässt.

Bis 2015 dürfen die Mikrofone das bisherige Frequenzspektrum weiter nutzen. Auch danach seien „im Einzelfall“ Zuteilungen in diesen Frequenzen „möglich“, heißt es im Beschluss. Darüber hinaus verpflichtet sich die Bundesregierung aber, sich dafür einzusetzen, „dass rechtzeitig alternative Frequenzbereiche für die Nutzungen verfügbar sind“. Diese „Lex Sennheiser“, wie die Selbstverpflichtung des Bundes im niedersächsischen Wirtschaftsministerium schon genannt wird, soll dem Mikrofonhersteller und seinen Kunden Planungssicherheit bescheren.

Volker Bartels, Sprecher der Sennheiser-Unternehmensleitung, blieb gestern dennoch skeptisch. Man brauche rasch ein neues Frequenzspektrum, auf das man sich einstellen könne. Im Papier des Bundesrats heißt es, die Nutzung der Bereiche 1400 bis 1500 sowie 1800 bis 1805 Megahertz für Drahtlosmikrofone werde geprüft. Für Bartels ist das kein Durchbruch. In diesem Frequenzbereich sei die Dämpfung des Signals etwa durch Gebäude oder sogar menschliche Körper sehr viel größer als bisher. „Diese Probleme kann man zwar lösen“, sagte Bartels, „aber das wäre ein deutlich größerer Aufwand als bisher, und unsere Produkte würden dadurch deutlich teurer.“

Die Telekommunikationskonzerne hingegen freuen sich uneingeschränkt über den Beschluss des Bundesrats. Ihnen winken neue Aufträge, Kunden, Geschäftsmodelle - und Fördergelder vom Bund. Schließlich hatte Kanzlerin Angela Merkel das Ziel ausgegeben, bis 2010 das Breitbandinternet in Deutschland flächendeckend zur Verfügung zu stellen. Mindestens ein Megabyte Datengeschwindigkeit ist das Ziel. „Das ist schon eine Kraftanstrengung“, räumte ein Vodafone-Sprecher gestern ein. „Aber es ist zu schaffen.“ Die Erschließung von Dörfern per Funk sei jedenfalls schneller und billiger, als wenn Leitungen im Boden vergraben werden müssten. Bei Vodafone denkt man unter anderem an eine Aufrüstung der bestehenden Masten für Mobilfunkantennen.

Frühestens im Herbst könnten die jetzt freigegebenen Frequenzen von der Bundesnetzagentur für zunächst 20 Jahre versteigert werden. Mit einem Milliardenerlös wie bei der UMTS-Auktion vor neun Jahren rechnet allerdings niemand. „Wenn der Bund an seiner Breitbandstrategie festhalten will, dann muss er uns bei der Frequenzversteigerung entgegenkommen“, heißt es in der Branche.