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Wirtschaft Baut VW in Zukunft keine fertigen Autos mehr?
Nachrichten Wirtschaft Baut VW in Zukunft keine fertigen Autos mehr?
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00:19 05.04.2019
Vier Räder und eine Batterie für Visionen: VW zeigt auf der Messe die Basis für seine E-Autos – den Aufbau bestimmt der Kunde. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Für eine Vision braucht es manchmal nicht viel. Bei Volkswagen genügen vier Räder und eine Batterie in der Mitte: Bisher bildet das nur die Basis des Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB) und damit für die künftige Elektroflotte des Autobauers – doch die Entwickler blicken schon weiter voraus. Sie sehen das Chassis als Grundgerüst für neue Geschäftsideen, wenn Fahrzeuge ohne Fahrer unterwegs sind – für mobile Arztpraxen, rollende Cafés oder loungeartige Restaurants. „Wir schaffen diese Plattform auch, um damit neue Mobilitätsangebote möglich zu machen“, sagt Konzernentwicklungschef Axel Heinrich auf der Hannover Messe.

Andere Strategie als Google

Sobald Autos autonom ihren Weg finden, werden alle Mitfahrer viel Zeit für andere Dinge haben. Sie können weiterhin aus dem Fenster gucken, Bücher lesen oder am Smartphone herumspielen – vor allem Letzteres war für Google der Grund, mit Waymo eine eigene Mobilitätstochter an den Start zu schicken. Für Hersteller wie VW hingegen ist es weniger wichtig, was die Passagiere während des Transports treiben – solange jemand ihre Fahrzeuge kauft. Deshalb sind sie neuerdings sogar bereit, ihre vormals exklusiven Plattformen anderen zu überlassen, um damit und darauf Geschäfte zu machen.

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Transportkapseln statt Autos

Transportkapsel nennt Volkswagen das, was künftig auf das Chassis montiert wird – ein im Kern leerer Innenraum, den man nach den Vorstellungen des Kunden gestalten will. Noch wenden die Designer viel Mühe auf, damit sich die einzelnen Automarken außen voneinander unterscheiden – künftig werde das Interieur als Kaufkriterium zunehmend wichtiger, sagt Heinrich: „Der Nutzen dieser multivariabel einsetzbaren Hüllen wird wichtiger als ihre Form.“ Die auf der Messe ausgestellte Plattform ist bis zu 4,8 Meter lang, 2,15 Meter hoch und 1,85 Meter breit.

VW will Hersteller bleiben

Rund 800 Mitarbeiter beschäftigt Volkswagen in der Konzernentwicklung, rund die Hälfte davon in Wolfsburg. Wer innovative Ideen verfolgen möchte, kann sich dafür temporär freistellen lassen, für einzelne Projekte wie die Transportkapseln finden sich bis zu zwei Dutzend Kollegen zusammen.

Obwohl man sich bei VW eher als Vehikellieferant versteht, möchten die Entwickler möglichen Interessenten auf ihrem Messestand in der Halle 27 doch ein paar Ideen für künftige Geschäfte mit auf den Weg geben. Einen mobilen Barista können sie sich vorstellen für die „Hotspots der Geschäftswelt“, der Espresso und Cappuccino an Bord kocht – oder ein medizinisches Mobil mit Platz für Patienten sowie einen Diagnosemonitor, das abseits der Städte einsetzbar sei. „Wir wollen dazu beitragen, die Mobilität zu demokratisieren“, sagt Heinrich.

Lange Erfahrung beim Bau von Autos

Den Schritt vom Hersteller zum Betreiber solcher Transportkapseln schließt Volkswagen jedoch aus. „Wir werden nur die Hard- und Software dieser Fahrzeuge anbieten“, sagt Alexander Hitzinger, Vorstand für den Bereich Technische Entwicklung von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Im Unterschied zu neuen Konkurrenten verfüge der Konzern über lange Erfahrungen beim Bau und Betrieb von in großen Volumen produzierten Fahrzeugen für alle Länder und Klimazonen, sagt Entwicklungschef Heinrich. Auf diese Kernkompetenz werde man sich auch in Zukunft konzentrieren.

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Von Jens Heitmann