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00:16 06.12.2017
Klaus Stuckert in seiner Werkstatt: „Das darf nicht verloren gehen.“ Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Klaus Stuckert ist nicht da. Erst ein paar Minuten nach der verabredeten Zeit trifft der Stuckateur vor seinem Büro in der hannoverschen Südstadt ein und entschuldigt sich für die Verspätung. Vor fünf Minuten stand er noch auf einer Baustelle.

Warum Stuckert so viel um die Ohren hat, das wird schnell klar. Er ist der einzige Stuckateurmeister in Hannover und hat sich mit neu gestalteten Stuckräumen und vor allem mit Restaurierungen einen Namen gemacht. An Dutzenden Prachtbauten hat er gearbeitet, vom Opernhaus über das Neue Rathaus bis zum Wilhelm-Busch-Museum. „Meine Arbeit ist faszinierend und abwechslungsreich", sagt er. 

Trotzdem hat er ein Problem: Er sucht seit 18 Monaten vergeblich einen Nachfolger, der seinen erfolgreichen Betrieb mit vier Mitarbeitern übernehmen will. Er ist zwar erst 56, sucht aber schon jetzt, damit er einige Jahre gemeinsam mit seinem Nacholger arbeiten und sein Wissen weitergeben kann. „In diesem Betrieb stecken 40 Jahre Handwerkserfahrung“, sagt er. „Das darf nicht verloren gehen.“

Stuckert ist nicht der einzige mit diesem Problem. Kammern und Unternehmerverbände warnen, dass immer mehr Eigentümer sich schwertun, einen Käufer zu finden. „Nachfolger sind gegenwärtig leider absolute Mangelware“, sagt Hannovers IHK-Hauptgeschäftsführer Horst Schrage. Eine Umfrage der IHK ergab, dass gut die Hälfte der Seniorunternehmer keinen geeigneten Nachfolger findet; 35 Prozent können keinen Verkaufspreis erzielen, den sie für angemessen halten.  

Die niedersächsischen Handwerkskammern betonen, dass 30 Prozent der Betriebsinhaber im Land älter sind als 55 Jahre. Sie bräuchten also innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Nachfolger. „Das ist insbesondere im ländlichen Raum eine Herausforderung“, sagt Marlene Zscherper von der Landesvertretung der Handwerkskammern.

Der wichtigste Grund für den Nachfolgermangel ist der brummende Arbeitsmarkt. Wer eine gute Ausbildung hat, kann als Angestellter ordentlich verdienen, ohne unternehmerisches Risiko zu tragen. Außerdem altert die Gesellschaft generell, im Handwerk ist die Zahl der Meister zurückgegangen, und Kinder von Unternehmern haben seltener Lust als früher, die Betriebe ihrer Eltern weiterzuführen.

Die Kammern warnen vor den Folgen verpasster Übergaben: Arbeitsplätze und Kundenkontakte gehen verloren. In den Regionen fehlen die ausgelöschten Firmen als Dienstleister.

Gegen die Nachfolger-Knappheit können die Kammern wenig ausrichten. Mehr Einfluss haben sie auf das Verhalten der Seniorunternehmer. Sie stellen Nachfolgeberater an, führen regelmäßig Info-Veranstaltungen durch. Und sie kritisieren unverblümt die Inhaber, die Übergaben auf die lange Bank schieben und keinen Notfallplan haben. „Wenn der Ernstfall eintritt, wird es viele Unternehmen kalt erwischen“, warnt Horst Schrage

Auch der Landesvorsitzende des Verbands der Familienunternehmer, Kay Uplegger, nimmt Eigentümer in die Pflicht. „Letztlich stehen sich viele Familienunternehmen bei Generationswechseln selbst im Weg“, sagt er. Sie seien zum Beispiel skeptisch gegenüber Interimsmanagern, die einspringen, bis die Kinder alt genug sind. Uplegger zufolge können besonders die Unternehmer, die selbst gegründet haben, schlecht loslassen. Eigentümern, die bereits von ihren Eltern übernommen haben, gelinge das besser.

Auch Klaus Stuckert hat sein Unternehmen selbst gegründet und aufgebaut. Doch ihm kann man nicht vorwerfen, dass er sich nicht bemüht. Er hat die Handwerkskammer und einen Steuerberater seinen Betrieb analysieren lassen, um einen fairen Verkaufswert zu ermitteln. Er hat Inserate in der Nachfolgebörse nexxt-change veröffentlicht. Trotzdem haben sich in eineinhalb Jahren erst vier Interessenten gemeldet, und keine der Anfragen führte zum Erfolg. 

Mittlerweile hofft er wieder stärker auf seine Töchter. Die eine studiert Architektur, die andere im Bereich Farbgestaltung und Raumdesign. „Vielleicht übernehmen sie doch noch den Betrieb. Beide tendieren in letzter Zeit stärker in diese Richtung“, sagt er.

Von Christian Wölbert

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