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Wirtschaft Venture-Villa: Hannovers Start-up-Schmiede droht das Geld auszugehen
Nachrichten Wirtschaft Venture-Villa: Hannovers Start-up-Schmiede droht das Geld auszugehen
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07:07 18.12.2019
Fördert Start-ups: Die Venture-Villa an der Walderseestraße in Hannover. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Die hannoversche Start-up-Schmiede Venture-Villa steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Tochter der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Hannoverimpuls droht das Geld auszugehen. Nach HAZ-Informationen reichen die flüssigen Mittel nur noch bis April. „Die aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten wurden durch Management-Fehler verschärft, weshalb es einen Wechsel in der Geschäftsführung der Beteiligungsfonds gab“, erklärte Hannoverimpuls am Dienstag. „Es werden auch Ansprüche gegen die ehemalige Geschäftsführung geprüft.“

Die Venture-Villa fördert seit drei Jahren Firmengründer aus dem Bereich Software- und Webtechnologie. Die Start-ups erhalten im Rahmen eines 100-tägigen Programms ein Kapital von bis zu 100 000 Euro. Sie können kostenfreie Büroräume in einem Gebäude in der List nutzen. Zudem stehen ihnen Mentoren zur Seite. Im Gegenzug geben die Jungunternehmer zwischen 6 und 10 Prozent ihrer Firmenanteile an die Fördergesellschaft ab. Im Idealfall kommen bei einem späteren Verkauf die Kosten der Förderung wieder herein.

Vorwürfe gegen Geschäftsführer

Bisher erzielt die Venture-Villa jedoch kaum Einnahmen. Für den laufenden Betrieb seien im Jahr aber bis zu 280 000 Euro nötig, hieß es bei Hannoverimpuls. Um Löcher zu stopfen, habe ein Geschäftsführer der Beteiligungsfonds zweckwidrig Geld aus einem speziellen Fördertopf der Region Hannover entnommen, der für Projekte aus dem Bereich der Industrierobotik reserviert sei, verlautete aus dem Aufsichtsrat. Insgesamt stehen dafür 300 000 Euro zur Verfügung – davon sollen jedoch 250 000 Euro in den laufenden Betrieb der Venture-Villa geflossen sein. Dies könne auch einen Verstoß gegen das EU-Beihilferecht darstellen, hieß es.

Zweifel gibt es offenbar auch an der Werthaltigkeit von Darlehen aus einem Beteiligungsfonds an eine weitere Venture-Villa-Gesellschaft, die sich ihrerseits an Start-ups beteiligt hat. Hier soll es um eine Summe von 670 000 Euro gehen – wie hoch mögliche Abschreibungen ausfallen könnten, sei noch nicht abzusehen, sagte ein Beteiligter. Insgesamt stehe damit knapp eine Million Euro im Feuer. „Das Geschäftsmodell der Venture-Villa hat bisher nie richtig funktioniert.“ Seit 2016 haben 33 Start-ups von der Förderung profitiert. Sechs von ihnen sind inzwischen wieder vom Markt verschwunden.

CDU fordert neuen Ansatz für die Förderung

Der Aufsichtsrat von Hannoverimpuls macht auch die komplexe und undurchsichtige Struktur der „Unternehmensgruppe Venture-Villa“ dafür verantwortlich, dass das Verhalten des einen Geschäftsführers erst vor einigen Wochen aufgefallen sei. Getragen wird die Venture-Villa von einem sogenannten Innovationsfonds, an dem Hannoverimpuls zu rund 75 Prozent und die Sparkasse Hannover beteiligt sind. Unterhalb der VentureVilla GmbH gibt es noch fünf weitere Gesellschaften.

Im Rat der Stadt ist die Zukunft des Projekts umstritten. Die Sozialdemokraten plädieren für eine Fortführung. „Wir wünschen uns eine Zukunft für die Venture-Villa als Leuchtturmprojekt für die Start-up-Szene in Hannover", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion, Florian Spiegelhauer. Bei der CDU gibt es hingegen Vorbehalte: „Ein Weiter so kann es nicht geben“, sagte Fraktionschef Jens Seidel. „Wir brauchen einen neuen Ansatz für die Förderung von Unternehmensgründern, um endlich Anschluss an die deutschen Zentren für Start-ups zu erhalten.“

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Von Jens Heitmann und Andreas Schinkel

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