Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft VW verliert Geduld bei Karmann
Nachrichten Wirtschaft VW verliert Geduld bei Karmann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:30 26.10.2009
Von Stefan Winter
Karmann liegt ein Kaufangebot von VW vor.
Karmann liegt ein Kaufangebot von VW vor. Quelle: ddp
Anzeige

VW bietet nach Informationen dieser Zeitung rund ein Drittel davon. In Wolfsburg ist man zudem verärgert darüber, dass die Verhandlungen samt der Preisvorstellungen am Wochenende öffentlich wurden.

„Das hängt am seidenen Faden“, sagte ein Beobachter. Für VW seien zwar Teile von Karmann interessant, das Geschäft aber nicht zwingend: „Es gibt Gründe dafür und dagegen“, hieß es in Branchenkreisen. Am Ende werde VW das Thema wohl „relativ schmerzlos“ betrachten.

Bei Karmann dagegen tickt die Uhr. „Es geht um Tage“, hieß es in Unternehmenskreisen. Selbst wenn die Konflikte mit Daimler beigelegt würden und der Großkunde einen noch ausstehenden zweistelligen Millionenbetrag zahle, ändere das nichts Wesentliches. Das Unternehmen sei am Ende und faktisch nichts mehr wert, verlautete aus der Branche. „Das schätzen die Gesellschafter völlig falsch ein.“

Die Gespräche zwischen VW und Karmann laufen schon seit Monaten. Auch die IG Metall und die Landesregierung wurden beteiligt. Bei VW reagiere man allerdings zunehmend genervt auf die Vorstellungen der Unternehmerfamilien, hieß es in Teilnehmerkreisen. Sie hätten ein konkretes Angebot auf dem Tisch, „das kann angenommen werden, oder man lässt es bleiben“. Wenn Karmann noch geholfen werden soll, müsste der VW-Aufsichtsrat das Thema in seiner Sitzung am 11. November auf den Tisch bekommen.

Dem Vernehmen nach geht es unter anderem um die Großinvestition in eine neue Lackiererei, für die die Eigentümerfamilien Verzicht geübt hatten. Nun wollten sie beim Verkauf den damaligen Preis herausholen, wurde berichtet. Sie agierten, als sei die Zeit vor Jahren stehengeblieben – vor Auftragsverlust, Rezession und Zulieferkrise. Die Familien Battenfeld, Boll und Karmann haben trotz Insolvenz eine Schlüsselrolle, weil ihnen weiter wichtige Vermögenswerte wie Grundstücke und Anlagen gehören. Die insolvente Karmann-Betriebsgesellschaft muss für deren Nutzung bezahlen. Geht ihr allerdings endgültig das Geld aus, bekommt auch die Beteiligungsgesellschaft der Familien nichts mehr in die Kasse und steht selbst vor der Insolvenz.

Außer VW sind derzeit keine anderen Käufer für den traditionsreichen Cabrio-Spezialisten in Sicht. Magna soll zwar Interesse signalisiert haben, wird zumindest auf der Arbeitnehmerseite aber nicht recht ernst genommen. Dem Karmann-Konkurrenten dürfte eher an Einblicken ins Unternehmen und letztlich einer Auflösung gelegen sein, hieß es.

Mehr zum Thema

Knapp drei Monate nach dem Insolvenzantrag des Cabriospezialisten Karmann hat das Amtsgericht Osnabrück am Montag das Insolvenzverfahren eröffnet.

29.06.2009

Die Sanierungsversuche bei Karmann sind gescheitert. Der Osnabrücker Autobauer meldete am Mittwoch Insolvenz an.

Stefan Winter 08.04.2009

Der Gläubigerausschuss des insolventen Cabrio-Bauers Karmann hat einer Transfergesellschaft für 1540 Beschäftigte zugestimmt.

01.07.2009
26.10.2009