Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft VW fährt sich in Schweden fest
Nachrichten Wirtschaft VW fährt sich in Schweden fest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:41 01.05.2014
Von Stefan Winter
Foto: VW hat in Schweden Startschwierigkeiten: Zu wenig Scania-Aktionäre wollen ihre Anteile verkaufen.
VW hat in Schweden Startschwierigkeiten: Zu wenig Scania-Aktionäre wollen ihre Anteile verkaufen. Quelle: Holger Hollemann
Anzeige
Wolfsburg

Das eigentlich am 25. April beendete Angebot läuft bis zum 16. Mai. Nachgebessert wird aber nicht. Der Preis von 200 schwedischen Kronen je Aktie „ist endgültig und wird nicht erhöht“.

Seit dem vergangenen Wochenende waren die angebotenen Aktien geprüft und gezählt worden. VW besaß vorher schon 62,64 Prozent des Scania-Kapitals, am Ende blieb der Zähler bei 88,25 Prozent stehen – es fehlten 1,75 Prozent oder rund 14 Millionen Aktien. Denn VW muss die 90-Prozent-Hürde nehmen, um die restlichen freien Aktionäre mit einer Zwangsabfindung hinausdrängen zu können. Fast 7 Milliarden Euro will sich VW dieses Geschäft kosten lassen. Gelingt das nicht, das hatte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch früh klar gestellt, wird VW keine Aktien kaufen und sich mit seinem bisherigen 62-Prozent-Anteil begnügen.

VW demonstrierte nach dem Scheitern Gelassenheit. „Wir freuen uns“, dass die Mehrheit der freien Scania-Aktionäre das „sehr attraktive“ Angebot angenommen habe, wurde Pötsch zitiert. Man sei dem Ziel „einen wesentlichen Schritt näher gekommen“. Er sei optimistisch, dass auch der letzte Schritt in der verlängerten Frist noch gelingen werde.

Es war zwar ein knappes Rennen erwartet worden, die meisten Analysten in Deutschland hatten aber mit einem Erfolg gerechnet. Rund 5 Prozent der Scania-Aktionäre hatten im Vorfeld ihre Ablehnung signalisiert. In Schweden sieht man die vollständige Übernahme von Scania durch VW mit großer Skepsis. Eine Integration in den Konzern werde nur VW und dessen zweite Lkw-Tochter MAN stärken, nicht aber Scania, meinen die Kritiker. Zu ihnen gehört auch das „unabhängige Komitee“ im Scania-Aufsichtsrat, das den Aktionären von einem Verkauf ihrer Aktien abgeraten hatte. Eines der Mitglieder, Peter Wallenberg Jr., ist allerdings bereits umgeschwenkt: Die Milliardärsfamilie teilte am Mittwochabend mit, dass sie ihren Anteil nun doch verkaufen wolle. Dabei geht es zwar nur um 0,4 Prozent, der Schritt könnte aber Signalwirkung haben.

Sollte der Übernahmeplan endgültig misslingen, will VW nach eigener Aussage weitermachen wie bisher: Scania und MAN sollen ihre Zusammenarbeit vor allem im Einkauf voranbringen und so die Kosten senken. Rund 200 Millionen Euro sind eingeplant, bei einer vollständigen Übernahme hält VW auf längere Sicht allerdings mehr als 800 Millionen Euro für möglich.

Der Konzern versucht seit Jahren, diese Zusammenarbeit zu intensivieren, ist damit bisher aber nicht weit gekommen – obwohl er nicht nur 62 Prozent des Kapitals, sondern dank Mehrfachstimmrechten sogar 89 Prozent der Stimmrechte besitzt. Der Unabhängigkeitsdrang des Scania-Managements spielte dabei ebenso eine Rolle wie das schwedische Aktiengesetz mit weitreichenden Rechten für Minderheitsaktionäre.

mit: rtr

Gericht im Porsche-Tempo

In die Porsche-Prozesse kommt Bewegung. Das Landgericht Braunschweig kündigte am Mittwoch an, dass möglicherweise schon am 30. Juli Entscheidungen für alle fünf Klagen verkündet werden, die sich dort derzeit um den Übernahmekampf zwischen Porsche und VW drehen. Am Mittwoch befasste sich die 5. Zivilkammer mit dem kleinsten der fünf Verfahren (Az.: 5 O 401/13), wo ein selbstständiger Finanzdienstleister die Porsche SE auf gut 130.000 Euro Schadensersatz verklagt. Wie in den anderen Braunschweiger Fällen geht es um den Vorwurf, dass Porsche im Übernahmekampf die Öffentlichkeit falsch informiert und Geldanleger in die Irre geführt habe. Die übrigen Verfahren in Braunschweig drehen sich teils um Milliardensummen und haben Investorengruppen als Kläger. Hier sind Zwischentermine Mitte und Ende Mai angesetzt. Mit Urteilen im Sommer wären die Fälle aber wohl nicht beendet, da beide Seiten für den Fall der Niederlage bereits die nächste Instanz anpeilen.

dpa

01.05.2014
Wirtschaft Übernahme des Industriekonzern - Rückschlag für Siemens im Poker um Alstom
01.05.2014