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10:42 28.02.2019
Daimler-LKW mit Abbiegeassistent: Nur wenige Hersteller bieten die Technik ab Werk an. Quelle: dpa
Hannover

Dutzende Radfahrer werden jedes Jahr in Deutschland von rechtsabbiegenden Lkw getötet. Oft trifft es Kinder, denn sie verschwinden aufgrund ihrer Körpergröße besonders häufig im toten Winkel. Ein Großteil der Todesfälle wäre vermeidbar: Abbiegeassistenten könnten 60 Prozent der Kollisionen verhindern oder zumindest abschwächen, schätzt die Unfallforschung der Deutschen Versicherer (UDV). Doch bislang ist nur ein Bruchteil aller Lkw mit dieser Technik ausgestattet. Die HAZ erklärt, warum das so ist.

Wie funktionieren Abbiegeassistenten?

Die Systeme weisen den Fahrer auf Radfahrer und Fußgänger hin, die er in seinen Rückspiegeln nicht oder nur kurz sehen kann. Kameras, Laser oder Radarsensoren überwachen dazu den Bereich neben dem Lkw. Daimler stattet seine Lkw seit Längerem optional mit der Technik aus, Scania hat das angekündigt – viele andere Hersteller sind noch nicht so weit.

Wieso bieten nur wenige Lkw-Hersteller die Systeme an?

Die Entwicklungskosten seien hoch, die Nachfrage aber gering, sagt ein Branchenkenner. Die tödlichen Unfälle passierten meist in den Städten, häufig mit Müll- oder Baufahrzeugen. Die meisten Lkw seien aber nur auf Autobahnen und in abgelegenen Gewerbegebieten unterwegs, die Speditionen sähen also kaum Bedarf für die teure Technik. Hinzu komme der Wettbewerbsdruck durch günstigere ausländische Speditionen.

Warum sind die Assistenten dann nicht vorgeschrieben?

Aufgrund der Vorschriften zum europäischen Binnenmarkt kann die Bundesregierung Lkw-Hersteller nicht im Alleingang verpflichten. Die EU will die Systeme vorschreiben, doch das kostet viel Zeit. Zurzeit erarbeitet sie die technischen Anforderungen, in Abstimmung mit den Vereinten Nationen. Läuft alles nach Plan, könnten die Assistenten 2022 für neue Lkw-Typen zur Pflicht werden, 2024 für alle Neufahrzeuge.

Können alte Lkw nachgerüstet werden?

Ja, Nachrüstsysteme gibt es von mehreren Herstellern. Zahlreiche Unternehmen und Behörden statten ihre Lkw und Busse freiwillig damit aus. In Hannover wollen das zum Beispiel die Verkehrsunternehmen Regiobus und Üstra sowie der Müllentsorger Aha tun. Die Kosten liegen bei mehreren Tausend Euro pro Fahrzeug. Unter bestimmten Voraussetzungen fördert die Bundesregierung die Anschaffung.

Welche Nachteile haben die Systeme?

Einige Systeme zeigen dem Fahrer das Geschehen nur auf einem Monitor an. Der Logistik-Verband BGL bemängelt, dass diese nur „exakt in dem Moment helfen, in dem der Fahrer auf den Monitor schaut.“ Die Fahrer müssten aber gleichzeitig ein halbes Dutzend Rückspiegel, den Gegen- und Querverkehr sowie Schilder und Ampeln beachten. Außerdem funktionierten die Systeme im Dunkeln und bei schlechtem Wetter nur begrenzt.

Besser sind Abbiegeassistenten, die akustisch warnen, sobald sie einen Fußgänger oder Radfahrer neben dem Lkw entdecken. Der BGL betont allerdings, dass die Technik ausgereift sein muss. Gebe es oft Fehlalarm, würden Fahrer im Ernstfall vielleicht das Signal ignorieren.

Ideal wären aus Sicht der Unfallforscher der Versicherer solche Abbiegeassistenten, die im Notfall automatisch bremsen. So etwas lässt sich aber nicht nachrüsten. Selbst ab Werk ist diese Technik noch nicht verfügbar.

Von Christian Wölbert

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