Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Telekom will Branchengipgel zu Datendiebstahl
Nachrichten Wirtschaft Telekom will Branchengipgel zu Datendiebstahl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:53 17.10.2009
Die Telekom will die Branche zu einem geeinten Vorgehen gegen Datendiebstahl ermuntern.
Die Telekom will die Branche zu einem geeinten Vorgehen gegen Datendiebstahl ermuntern. Quelle: ddp
Anzeige

In Kürze wolle die Telekom die Chefs der Kommunikationsunternehmen zu einer Art Gipfelgespräch einladen, sagte der für Datenschutz zuständige Telekom-Vorstand Manfred Balz dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Ein Telekom-Sprecher wies zudem einen Bericht zurück, demnach das Unternehmen für die aktuellen Datenpannen eine Mitverantwortung trage.

Anfang der Woche war bekanntgeworden, dass Hunderttausende Kundendaten der Telekom bei dubiosen Firmen bis in die Türkei in Umlauf waren. Nach ersten Hinweisen auf den Datenklau hatte der Konzern bereits im Januar Anzeige bei der Bonner Staatsanwaltschaft eingereicht. Im Juli hatten die Ermittler dann Wohnungen und Büros einer Bande durchsucht, die im Verdacht steht, einen schwunghaften Handel mit Kundendaten betrieben zu haben. Anschließend verschickte die Telekom Abmahnungen an drei ihrer Vertriebspartner, weil die gegen Datenschutzbestimmungen verstoßen hatten. Die Zusammenarbeit mit einem süddeutschen Callcenter, das offenbar Subpartner in der Türkei eingeschaltet hatte, wurde komplett eingestellt.

Telekom-Vorstand Balz sagte, im hart umkämpften Telefongeschäft habe sich „ein System mit kriminogenen Strukturen“ etabliert, das selbst ein Branchenriese wie die Telekom allein gar nicht knacken könne. Es sei ein „gefährliches Provisionskarussell“ entstanden, das zum Betrug geradezu einlade. In Tausenden selbstständigen Callcentern und deren Subunternehmern, die für die Branche auf Kundenfang gehen, seien die sensiblen Daten nur schwer zu kontrollieren.

Die „Wirtschaftswoche“ berichtete am Samstag vorab, die Telekom trage für die aktuellen Datenpannen Mitverantwortung, weil der Konzern bis heute Vertriebspartner aktiv und im großen Stil mit Daten über Kunden ausstatte, damit Callcenter auslaufende Verträge verlängern oder Kunden neue Angebote verkaufen können. Entsprechende Aussagen machte nach Informationen des Magazins im Mai 2009 ein hochrangiger Mitarbeiter aus dem Telekom-Bereich Wirtschaftsstrafrecht bei der Staatsanwaltschaft Bonn.

Demnach übergibt die Telekom vor allem bei Werbekampagnen, die sie mit externen Callcentern organisiert, regelmäßig Listen an ihre Partner. Diese stelle der Konzern zuvor individuell je nach Stoßrichtung der Aktion zusammen, etwa wenn speziell Mobilfunk- oder Internet-Anschlüsse vermarktet werden sollen. Die Kundendaten würden dann offenbar meist in elektronischer Form weitergegeben. Die Listen enthielten in der Regel Kundennamen, Telefonnummern und die Art des gebuchten Produkts. Solche Listen hätten angeblich einen Umfang von 10 000 bis 100 000 Datensätzen.

Auf Nachfrage der „Wirtschaftswoche“ hieß es vonseiten der Telekom, sie lasse sich „bei Produkteinführungen oder -veränderungen von Vertriebspartnern unterstützen. Unsere Partner erhalten dafür teilweise Listen.“ Die Übergabe sei aber gesichert. Bankverbindungen seien nicht in den Listen enthalten. Eine weitere Stellungnahme verweigerte der Konzern mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren.

Am Samstag wies Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg den Bericht des Magazins zurück. „Hier soll der Eindruck erweckt werden, jede Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern verstoße gegen Datenschutz“, monierte er. Das Magazin verschweige, „dass ein Partner wissen muss, wen er anrufen kann und dazu telefonbuchähnliche Angaben wie Name und Anschrift braucht“. Legte man solche Maßstäbe an die „Wirtschaftswoche“, dürfte diese „mit keinem Grossisten zusammenarbeiten“, fügte Nierwetberg hinzu.

ddp