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Wirtschaft Talanx baut Standort Hannover aus
Nachrichten Wirtschaft Talanx baut Standort Hannover aus
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08:36 10.11.2010
Von Albrecht Scheuermann
Talanx-Chef Herbert Haas will Konzernaufgaben in Hannover konzentrieren.
Talanx-Chef Herbert Haas will Konzernaufgaben in Hannover konzentrieren. Quelle: Rainer Surrey
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Der Versicherungskonzern Talanx will den Standort Hannover ausbauen. Damit könnten in der Landeshauptstadt knapp 180 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, wie Talanx-Chef Herbert K. Haas im Gespräch mit der HAZ mitteilte. Derzeit hat der Konzern in der Stadt etwa 2600 Mitarbeiter in der Zentrale sowie bei der Tochter HDI-Gerling, hinzu kommen noch etwa 1000 Arbeitsplätze bei der Tochter Hannover Rück. Weltweit sind es etwa 17.000. Zur Begründung für den Jobzuwachs in Hannover verwies Haas auf den vergangenes Jahr eingeleiteten Konzernumbau. Er soll dem durch das starke Wachstum der vergangenen Jahre unübersichtlich gewordenen Konzern zu mehr Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit verhelfen.

Ein wichtiger Bestandteil der Umbauprojekte ist die Zentralisierung von bestimmten Funktionen. Dort gebe es einen Wildwuchs, der bereinigt werden müsse. „Wir haben zum Beispiel allein in Deutschland vier verschiedene Personalabteilungen, die wiederum mit 56 unterschiedlichen IT-Systemen arbeiten“, erklärte Haas. Ähnlich sehe es in anderen Bereichen wie Rechnungswesen, Controlling, Risikosteuerung, dem Einkaufswesen oder der Öffentlichkeitsarbeit aus. Künftig sollen diese Funktionen in der in Hannover angesiedelten Gesellschaft Talanx Service AG mit rund 1000 Mitarbeitern gebündelt werden.

Diese werden am 1. Januar 2011 starten. Mitarbeiter von Gesellschaften in Köln, Hamburg und Hilden sollen nach Hannover wechseln. Derzeit werde aber noch mit dem Betriebsrat über die Modalitäten verhandelt. Zudem werde die Umsetzung noch durch die Raumnot begrenzt. „Das Problem ist erst lösbar, wenn unser Neubau fertig ist.“ Zur Zeit baut der Konzern eine neue Zentrale in Hannover, diese soll in etwa einem Jahr bezogen werden.

Als ein weiteres Großprojekt nannte Haas die Vereinheitlichung der derzeit noch stark verstreuten IT-Infrastruktur, die sich aber noch längere Zeit hinziehen dürfte. Auch für diesen Bereich wird eine eigene Gesellschaft gegründet, die Talanx Systeme AG. Ihre ebenfalls rund 1000 Mitarbeiter sollen den ganzen Konzern mit Datenverarbeitungs- und Software-Dienstleistungen versorgen.

Der Talanx-Chef sieht durch die Zentralisierung von Funktionen große betriebswirtschaftliche Vorteile. „Wir haben zum Beispiel, und zwar ohne IT-Aufwendungen, ein jährliches Einkaufsvolumen von 300 Millionen Euro.“ Dort ließen sich erhebliche Ersparnisse erzielen. Auch der Personalaufwand soll sinken. „Am Ende des Tages werden wir auch weniger Mitarbeiter brauchen.“ Haas bezifferte den Einspareffekt auf per saldo etwa 120 Arbeitsplätze.

Ein weiteres wichtiges Projekt betrifft den Konzernbereich Privat- und Firmenversicherung Deutschland, also die unter den Marken HDI-Gerling, Targo und PB im Inland tätigen Gesellschaften. Der diesen Konzern lenkende Vorstand Heinz-Peter Roß habe den klaren Auftrag, die Marktanteilsverluste zu stoppen. Das Geschäft mit den Privatkunden haben unter Serviceproblemen gelitten. Zudem seien infolge der Fusion von HDI und Gerling „nicht marktgerechte Kostenstrukturen“ entstanden.

Zusätzlich belaste die völlig zerklüftete IT-Landschaft. Die jährlichen Kosten müssten um mindestens 210 Millionen Euro runter. Wie viele von den deutschlandweit 6600 Stellen wegfallen, können man noch nicht sagen. „Das hängt davon ab, wie erfolgreich wir sein werden, das Geschäft wieder stärker zum Laufen zu bringen“, sagte Haas. Die bereits im vergangenen Jahr eingeleitete Preis- und Produktoffensive zeige schon erste Wirkung. „Unsere Margen sind aber derzeit nicht auskömmlich, das muss sich ändern.“