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Wirtschaft Symbolischer Erfolg für Verdi
Nachrichten Wirtschaft Symbolischer Erfolg für Verdi
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19:39 20.11.2018
Symbolbild. Quelle: dpa
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Hannover

Der erbitterte Streit zwischen der Gewerkschaft Verdi und Amazon schreibt nun auch Rechtsgeschichte. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Arbeitnehmer sogar auf dem Betriebsgelände streiken, entschied das Bundesarbeitsgericht. Es ist eine Grundsatzentscheidung mit großer Bedeutung für künftige Arbeitskämpfe. Allzu laut kann Verdi allerdings nicht jubeln – denn in der konkreten Auseinandersetzung mit Amazon handelt es sich nur um einen symbolischen Erfolg.

Der Gewerkschaft fehlt es immer noch an Durchschlagskraft. Selbst wenn sie vor Weihnachten zum Warnstreik aufruft, merken die Kunden kaum etwas davon. Das hängt auch damit zusammen, dass Amazon in seinen Logistikzentren viele Flüchtlinge und junge Führungskräfte beschäftigt, die bisher nichts mit Gewerkschaften zu tun hatten.

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Dabei wäre ein Erfolg gegen Amazon für Verdi extrem wichtig. Im stationären Handel bröckelt die Tarifbindung dramatisch. Verdi muss den Handelstarif also irgendwie in die Online-Welt hinüberretten. Amazon ist dafür mit Abstand das wichtigste Ziel. Der Konzern ist nicht nur prominent, er beschäftigt auch schon rund 20 000 Menschen in Deutschland. Hinzu kommt die Symbolkraft. Auf der einen Seite steht die traditionsreiche deutsche Gewerkschaft, auf der anderen der Prototyp des Internetkapitalisten: Amazon-Eigentümer Jeff Bezos, der reichste Mann der Welt.

Ob Verdi den Konzern mit seinen Nadelstichen vielleicht irgendwann doch an den Verhandlungstisch zwingt, lässt sich nicht vorhersagen. Die Gewerkschaft hilft den Beschäftigten aber auch so zumindest ein wenig: Der Druck von außen trägt dazu bei, dass Amazon die Arbeitsbedingungen regelmäßig verbessert, auch ohne Tarif.

Von Christian Wölbert

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