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Wirtschaft Sparkurs bei Continental: Bis zu 4000 Stellen gefährdet?
Nachrichten Wirtschaft Sparkurs bei Continental: Bis zu 4000 Stellen gefährdet?
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09:01 10.08.2019
Verschärft seinen Sparkurs: Der Continental-Konzern in Hannover. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Hannover

In der Belegschaft von Continental wächst die Unruhe. Mitarbeiter vor allem in der Automotive-Sparte des Konzerns fürchten um ihre Arbeitsplätze, nachdem der Vorstand Einschnitte zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit angekündigt hat. Bis zu 4000 Stellen könnten überwiegend in süddeutschen Werken auf der Kippe stehen, sagen Arbeitnehmervertreter. Die IG Metall fordert deshalb den Abschluss eines Vertrags zur Beschäftigungssicherung, erweiterte Angebote zur Altersteilzeit und angemessene Abfindungen – „falls im Ausnahmefall Personalabbau unvermeidlich sein sollte“, heißt es in einem Flugblatt der Gewerkschaft. Der Konzern äußert sich nicht zu den genannten Zahlen.

Die Conti-Zulieferersparte Automotive Group steht doppelt unter Druck: Zum einen brechen die Aufträge weg, weil die Autokonjunktur lahmt. Zum anderen steht der Geschäftsbereich besonders im Fokus des geplanten Konzernumbaus. Continental will sich zu einer Holding mit drei Säulen wandeln – der Rubber-Gruppe mit dem Reifengeschäft, der Automotive-Gruppe mit dem Zuliefergeschäft und der Antriebstechniksparte Powertrain. Während die Reifensparte von der Neuorganisation wenig betroffen ist, sortieren sich die Automotive-Divisionen neu: Neben dem Bereich „Chassis & Safety“ mit Bremsen und Federungen tritt das Geschäft mit der internen und externen Vernetzung der Fahrzeuge. Die Antriebsspezialisten von „Powertrain“ wiederum sollen als selbstständige Einheit unter dem neuen Namen „Vitesco Technologies“ an die Börse gehen.

Nur bei „Powertrain“ sind die Jobs sicher

Nach dem Bekanntwerden dieser Pläne vor einem Jahr hatte sich der Conti-Vorstand mit Gewerkschaften und Betriebsräten auf ein Eckpunktepapier zur Zukunftssicherung verständigt, das aber nur für die Mitarbeiter von Powertrain eine Arbeitsplatzgarantie für fünf Jahre enthält. Eine solche Regelung beanspruchen die Betriebsräte der Divisionen „Chassis & Safety“ und „Interior“ nun auch für ihre Kollegen: „Auch hier werden sich für viele Kollegen (....) Veränderungen ergeben, die heute noch nicht vollständig überschaubar sind“, heißt es in dem Flugblatt der IG Metall.

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Ursprünglich bezogen sich die Sorgen der Automotive-Belegschaft in erster Linie auf die internen Umstellungsprozesse – inzwischen machen sich aber auch wegen der Absatzflaute Ängste um die Arbeitsplätze breit. Vor allem in der Produktion könnten Stellen wegfallen, wenn der Vorstand mit seinen Sparplänen Ernst mache, befürchten Gewerkschafter. Dies könne größere Standorte wie Regensburg, Ingolstadt oder Dortmund ebenso treffen wie kleinere Werke in Karben bei Frankfurt oder Babenhausen in der Nähe von Aschaffenburg.

Konzernbetriebsrat sieht Vorstand in der Pflicht

Der jähe Einbruch der Nachfrage habe das Management kalt erwischt, heißt es bei Continental. Im zweiten Quartal ist der Gewinn um 41 Prozent auf knapp 485 Millionen Euro eingebrochen. „Für das zweite Halbjahr erwarten wir kein Nachlassen des Gegenwinds“, erklärte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer vor Kurzem bei der Vorlage der Zwischenbilanz. „Bei Conti ist Cash immer King“, sagt ein Arbeitnehmervertreter: „Wenn weniger Geld in die Kasse kommt, kann es ganz schnell ungemütlich werden.“

„Ich kann die Sorgen der Automotive-Kollegen verstehen“, sagt Konzernbetriebsratschef Hasan Allak. „Der Vorstand muss aber den Anspruch haben, unser Personal über Maßnahmen zur Qualifizierung und Transformation in Beschäftigung zu halten.“ Die Konzernführung hält sich bedeckt: Um schneller und flexibler auf Marktentwicklungen und Kundenanforderungen reagieren zu können, sei man dabei, „den Geschäftsbereich Automotive intern organisatorisch neu auszurichten“, sagt eine Unternehmenssprecherin lediglich. Dazu liefen Gespräche mit Arbeitnehmervertretern, Ergebnisse stünden noch aus.

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Von Jens Heitmann

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