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16:12 21.12.2018
Die Sparkassenverbände blockieren sich beim Thema Nord/LB. So könnte am Ende ein privater Investor bei der Landesbank einsteigen. Quelle: Foto: Arne Bänsch/Dpa
Hannover

Wünsche darf man haben – insbesondere in der Weihnachtszeit: „Der Sparkassenverband Niedersachsen will eine Nord/LB, die stabile Dividenden zahlt und uns ansonsten ruhig schlafen lässt“, erklärte dessen Präsident Thomas Mang in einem HAZ-Interview vor fast auf den Tag genau acht Jahren. Die Finanzbranche glaubte damals gerade, das Schlimmste hinter sich zu haben. Für die Norddeutsche Landesbank war diese Hoffnung Ende 2010 jedoch verfrüht: Wie faul viele der in den Vorjahren abgeschlossenen Schiffskredite wirklich waren, sollte sich erst noch zeigen.

Noch haben die Träger der Bank – allen voran das Land Niedersachsen und der hiesige Sparkassenverband – weitgehend ruhige Nächte, weil die Suche nach frischem Kapital zu den üblichen Bürozeiten stattfindet. Doch mit dem Jahreswechsel könnte sich das schnell ändern. „Es kommt dann richtig Druck auf den Kessel“, sagt ein Beteiligter. Bis Ende Januar will die Bankenaufsicht wissen, wie die Nord/LB das Loch in ihrer Bilanz zu stopfen gedenkt, das durch den Verkauf ihrer notleidenden Schiffskredite gerissen wird.

Für die hiesigen Sparkassen steht schon jetzt fest, dass sie ihrem Spitzeninstitut nicht mehr aushelfen wollen. Als 2005 die Gewährträgerhaftung abgeschafft wurde, benötigte die Nord/LB schon einmal frisches Geld, um die Vorgaben der Ratingagenturen für eine positive Bewertung zu erfüllen. Die Sparkassen beteiligten sich an der damaligen Kapitalerhöhung mit 870 Millionen Euro – mit der klaren Maßgabe, dass die Bank damit auskommen müsse, wie es beim Verband heißt.

Keine sichere Bank

Doch die Nord/LB schrumpfte nicht, sondern expandierte – insbesondere mit der Ausgabe von Schiffskrediten. Angesichts des wachsenden Welthandels schien das eine sichere Bank zu sein. Als in den USA aber die Immobilienpreise implodierten und die Krise dann die gesamte Finanzbranche erfasste, wackelten auch viele Schiffskredite. Bei der Nord/LB hoffte man, mit dem nächsten Aufschwung wieder ans sichere Ufer zu kommen – das aber gelang nicht, weil sich die Reeder umsteuerten: Die Lebensdauer der Frachter wurde kürzer und damit das Risiko für die Kreditgeber älterer Modelle höher.

Die Nord/LB hat ihr Schiffsportfolio bis Mitte 2018 von einst mehr als 20 Milliarden Euro auf 11,5 Milliarden Euro verringert, der Anteil der „problembehafteten“ Finanzierungen sank auf zuletzt knapp 8 Milliarden Euro – dieses Paket wird sie jedoch nur los, wenn sie dafür erhebliche Abschläge in Kauf nimm. Die Rede ist von 2,5 Milliarden Euro, eine weitere Milliarde benötige die Bank für ihre Neuausrichtung, heißt es.

Weil es gegenüber einem Einstieg privater Finanzinvestoren im öffentlichen-rechtlichen Lager lange Bedenken gab, galt ein Zusammenschluss mit der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) erst als die wahrscheinlichste Lösung. Doch inzwischen wird eher auf einen Einstieg der Privat-Equity-Firmen Centerbridge oder Cerberus gewettet, da sich die Sparkassenverbände aus Niedersachsen, Hessen und Thüringen gegenseitig blockieren: Die Nachbarn im Süden fordern ultimativ, dass sich ihre potenziellen Partner im Norden an der Kapitalerhöhung für die Nord/LB beteiligen.

„Herr Mang müsste betteln“

Das aber schließen die hiesigen Sparkassen definitiv aus: „Je weiter man von der Landeshauptstadt weggeht, desto lauter wird die Losung: kein frisches Geld an den Friedrichswall“, sagt ein Landrat. Friedrichswall ist die Adresse der Nord/LB-Zentrale in Hannover. Selbst wenn die Verbandsspitze der Spakassen das anders sähe, wären ihr die Hände gebunden: Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg darf der Verband seine Mitglieder nicht zu finanziellen Opfern zwingen. „Herr Mang müsste also mit dem Klingelbeutel durchs Land ziehen und um Almosen betteln“, sagt ein Verwaltungsrat einer Sparkasse.

Aber auch aus einem anderen Grund sind die niedersächsischen Sparkassen von ihren Kollegen in Hessen enttäuscht: Dem Vernehmen nach wollen diese vor einer Fusion der Helaba mit der Nord/LB elementare Teile ihrer Landesbank herauslösen – die GWH Immobilien Holding und die Frankfurter Sparkasse. „Wenn die Helaba-Träger die größten Gewinnbringer für sich reservieren wollen, ist das so, als ob ein Bräutigam sein wesentliches Vermögen auf seine Kinder überträgt, bevor er in eine Gütergemeinschaft eintritt“, sagt ein Beteiligter.

Von Jens Heitmann

Die Nord/LB benötigt frisches Kapital – die niedersächsischen Sparkassen wollen aber kein Geld mehr zuschießen. Der Einstieg eines US-Finanzinvestors schreckt sie nicht.

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