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Nachrichten Wirtschaft Viele Rentner leben unter der Armutsgrenze
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06:45 20.11.2014
Jeder siebte Rentner lebt unter der Armutsgrenze.
Jeder siebte Rentner lebt unter der Armutsgrenze. Quelle: Marijan Murat/dpa
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Berlin

Fast jeder siebte Ältere (14,8 Prozent) war 2013 in den alten Bundesländern von Armut bedroht. In den neuen Bundesländern (einschließlich Berlin) gilt jeder achte Rentner (12,5 Prozent) als armutsgefährdet. Das Risiko der über 65-Jährigen steigt stärker als im Bevölkerungsdurchschnitt. Die „Armutsschwelle“ wird heute bei knapp 900 Euro Monatseinkommen angesetzt.  

Um Altersarmut einzudämmen, fordern die Sozialverbände eine Anhebung des gesetzlichen Rentenniveaus auf 50 Prozent (heute 48). Das aber soll langfristig sinken – auf voraussichtlich 44,4 Prozent im Jahr 2028. „Besonders im Osten werden wir in den kommenden Jahren eine Welle von Altersarmut erleben“, warnte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Schon bald gingen Menschen in Rente, deren Erwerbsbiografien durch die Wiedervereinigung stark zerrüttet worden seien. „Das Problem ist akut wie nie und darf nicht mehr wegdiskutiert werden“, erklärte die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher.

Das Bundeskabinett billigte gestern den Bericht zur Altersvorsorge, in dem sich Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zur Rente mit 67 bekennt. Immer mehr Menschen arbeiteten über das 60. Lebensjahr hinaus, hieß es zur Begründung. Die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen ist demnach zwischen den Jahren 2000 und 2013 von 20 Prozent auf 50 Prozent gestiegen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in dieser Altersgruppe ist seit 2000 um eine Million auf 1,6 Millionen (32 Prozent) geklettert. Davon profitieren vor allem die Frauen. Während sich die Erwerbstätigenquote bei Männern mehr als verdoppelt hat, liegt sie bei Frauen sogar dreieinhalbmal so hoch.

Die Entwicklung hat Folgen für Unternehmen und Gesellschaft. Koalitionspolitiker forderten mehr altersgerechte Arbeitsplätze. Weil aber auch die Belastungen wachsen, müsse das betriebliche Gesundheitsmanagement ausgebaut werden, erklärte Peter Weiß, der Sprecher des Unions-Arbeitnehmerflügels. Eine „Flexi-Kommission“ der Fraktionen soll Vorschläge vorlegen, wie der Übergang in den Ruhestand besser organisiert werden kann.

Nach Einschätzung der Bundesregierung können sich die mehr als zwanzig Millionen Rentner spätestens 2016 über eine kräftige Rentenerhöhung von mehr als vier Prozent in Ost und West (4,62 und 4,51) freuen. Nach den Modellrechnungen im Rentenversicherungsbericht sollen die Renten in den Folgejahren 2017 und 2018 im Westen um gut 2,4 Prozent steigen, im Osten um etwa 2,5 Prozent.

Entlastung gibt es für Beitragszahler: Weil die Rentenkassen prall gefüllt sind, hat das Kabinett eine Senkung des Rentenbeitrags ab 2015 um 0,2 Prozentpunkte auf 18,7 Prozent beschlossen.

Von Ira Schaible & Frank Lindscheid

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