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Wirtschaft Sonntagsruhe im Callcenter?
Nachrichten Wirtschaft Sonntagsruhe im Callcenter?
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21:47 21.04.2015
Von Albrecht Scheuermann
Im hannoverschen Callcenter der ING-Diba-Bank werden bisher auch an Sonn- und Feiertagen Kundenanfragen beantwortet. Ob das so bleibt, ist fraglich.   Foto: Surrey
Im hannoverschen Callcenter der ING-Diba-Bank werden bisher auch an Sonn- und Feiertagen Kundenanfragen beantwortet. Ob das so bleibt, ist fraglich. Quelle: Surrey
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Hannover

Einen Jobabbau soll es deswegen in Hannover nicht geben, aber für viele Mitarbeiter fällt mit dem Verbot der Sonntagsarbeit eine wichtige Verdienstquelle weg.

„Wir finden die Diskussion überflüssig wie Bauchweh“, sagt Gabriele Neitzke, die den Kundendialog der Bank leitet. Die Frankfurter Tochter des holländischen Finanzkonzerns ING betreibt zwei große Callcenter in Hannover und Nürnberg. In Hannover nehmen etwa 300 Beschäftigte Anrufe der deutschlandweit rund 8 Millionen Bankkunden entgegen, insgesamt arbeiten hier mehr als 600 Menschen für die ING Diba. Sie wirbt mit einer 24-stündigen Erreichbarkeit an sieben Tagen. Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts macht dies künftig jedoch schwieriger. Es hatte im vergangenen November das Verbot der Sonntagsarbeit verschärft (Az.: BVerwG 6 CN 1.13). Anlass war eine Klage der Gewerkschaft Verdi und zweier evangelischer Dekanate. Eine bislang geltende Ausnahmeregelung des Landes Hessen zum Beispiel für Callcenter ist damit nicht mehr zulässig. Ähnliche Ausnahmen gibt es in anderen Bundesländern, auch in Niedersachsen. Im Sozialministerium in Hannover wird derzeit an einer Neufassung der entsprechenden Verordnung gearbeitet. „Grundsätzlich orientieren wir uns dabei an dem Urteil“, erklärte ein Sprecher - was auf ein Verbot der Sonntagsarbeit für Callcenter hinausläuft.

„Wir machen das seit 15 Jahren - und jetzt soll das nicht mehr möglich sein! Ich kann das immer noch nicht glauben“, sagt Callcenter-Managerin Neitzke. Sonntags sind in Hannover im Durchschnitt gut 30 Mitarbeiter im Einsatz. Viele wollten ganz bewusst an diesem Tag arbeiten, weil es in ihre Lebensplanung passt - zum Beispiel Mütter mit kleinen Kindern oder Studenten. Aber auch die Zuschläge von 50 Prozent für die Feiertagsarbeit seien für viele ein wichtiger Posten ihres Haushaltsbudgets. Seit Monaten arbeitet die Bank nun an einer Neuorganisation ihres Sonn- und Feiertagsangebots und sucht nach einem geeigneten Standort im Ausland, wo Callcenter auch am Sonntag arbeiten dürfen. Österreich ist im Visier, infrage kommen aber auch Warschau und Budapest. Ein Arbeitsplatzabbau in Hannover ist laut Neitzke aber nicht geplant. Generell seien die Callcenter der Bank trotz des technischen Wandels noch gut beschäftigt, was mit dem starken Kundenzulauf zusammenhänge. Mehr Anrufe seien allerdings nicht mehr zu erwarten, da immer mehr Kunden ihre Bankgeschäfte mittels Smartphone erledigen.

Unterdessen gibt sich der Call Center Verband Deutschland noch zuversichtlich, dass Sonntagsarbeit hierzulande für die Branche weiter möglich bleibt. „Wir sind im Gespräch mit den Landesregierungen“, sagt CCV-Präsident Manfred Stockmann. Allerdings strebe der Verband eine klare Regelung auf Bundesebene an, um einen Flickenteppich zu vermeiden. Noch prüften die Landesregierungen die rechtlichen Konsequenzen des Urteils, da die Begründung erst seit Februar vorliege. Stockmann sieht auch bei den Politikern ein Interesse, ein Sonntagsarbeitsverbot für Callcenter zu vermeiden. Immerhin wären bis zu 55 000 Arbeitsplätze betroffen. „Man kann sie ins Ausland verlagern, aber das kann politisch nicht gewollt sein.“

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