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Wirtschaft Sogar Porsche strauchelt: Darum hadern die Autohersteller mit der E-Mobilität
Nachrichten Wirtschaft Sogar Porsche strauchelt: Darum hadern die Autohersteller mit der E-Mobilität
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18:14 22.07.2019
In Leipzig bereitet Porsche sein Werk auf die Fertigung von E-Autos vor. Nun braucht der Autohersteller aber erstmal ein Sparprogramm. Quelle: dpa
Frankfurt/Hannover

Es steht schlecht um den Automarkt in Europa. Im ersten Halbjahr ist der Absatz um drei Prozent geschrumpft, und Branchenexperten erwarten in den nächsten Monaten keine Besserung. Die neuen Elektroautos könnten Impulse bringen, doch die haben gleich zwei Nachteile: Die Hersteller haben Lieferschwierigkeiten, und sie verdienen an den E-Modellen weniger als an den traditionellen Verbrennern.

Während der Gesamtmarkt schrumpft, avancieren Elektroautos trotzdem zum Hoffnungsschimmer. So hat Tesla das neue Model 3 in Deutschland im ersten Halbjahr 5353 mal verkauft. Es rangiert damit aus dem Stand hinter dem Renault Zoe auf Platz zwei. „Die Neuzulassungen bei Elektroautos bewegen sich zwar noch immer in homöopathischen Dimensionen. Aber es ist deutlich zu erkennen, dass sich die Nachfrage der Kunden in jüngster Zeit spürbar erhöht hat“, sagte Peter Fuß von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Immerhin stiegen die Verkäufe im ersten Halbjahr in den fünf größten Märkten in Europa (Deutschland, UK, Frankreich, Spanien, Italien) um mehr als ein Viertel – bezogen auf reinrassige Stromer und Pkw mit Plug-in-Antrieb. Das bedeutet immer noch bescheidene 2,1 Prozent Marktanteil.

Zwölf Monate Lieferzeit

Doch mehr wäre möglich. Allenthalben beschweren sich Kunden, dass die Fahrzeuge mit dem batterieelektrischen Antrieb kaum zu kriegen seien, Lieferzeiten von einem Jahr sind keine Seltenheit. Wer etwa im Internet einen Kia E-Niro für rund 40 000 Euro konfigurieren will, bekommt folgenden Hinweis zu lesen: Die europaweite Nachfrage übertreffe „deutlich die Erwartungen und die aktuellen Kapazitäten im Bereich der Batterieproduktion“. Bei Neuaufträgen sei aus heutiger Perspektive mit mindestens zwölf Monaten Lieferzeit zu rechnen.

Engpässe gibt es vor allem bei den Batterieherstellern, die den stark wachsenden Bedarf nach Lithium-Akkus kaum befriedigen können. Aus der Branche ist immer wieder zu hören, dass die Batteriehersteller frühere Lieferzusagen zurücknehmen und momentan ihre begehrten Produkte meistbietend verkaufen.

Porsche muss sparen

Zu wenig und zu teuer – das trifft die Autobauer, die mit den neuen E-Mobilen ohnehin weniger verdienen als mit den bewährten Verbrennern. Selbst Porsche-Chef Oliver Blume hat nun durchblicken lassen, dass er ein Effizienzprogramm angeschoben hat, um niedrigere Renditen im E-Auto-Geschäft des SUV- und Sportwagenbauers zu kompensieren. Mehr als 2000 Einzelmaßnahmen sollen laut „Handelsblatt“ zur Debatte stehen – Anfang September hat der Taycan, der erste vollelektrische Sportwagen der Zuffenhausener, Premiere.

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Von Umweltschützern ist seit geraumer Zeit der Vorwurf zu hören, dass die Autobauer die Stückzahlen der Stromer klein hielten, um mit alter Technik mehr zu verdienen. EY-Experte Fuß kann diese Argumentation nicht nachvollziehen: „Einerseits brauchen die Unternehmen ganz dringend die Stromer, um die Abgasvorgaben der EU für 2021 zu erfüllen. Zweitens nützen mehr Fahrzeuge auf der Straße den Herstellern, um Erfahrungen mit der E-Mobilität zu sammeln.“ Aktuelle Lieferengpässe hätten mit den Qualitätsansprüchen der Großserienhersteller an die wenig erprobte Technik zu tun. „Die Autobauer tasten sich mit Bedacht und Vorsicht ins neue Feld der Elektromobilität vor“, sagt Fuß.

Alles nur Anlaufschwierigkeiten?

Hinzu kommt nach Ansicht von Branchenkennern aber auch: Die Hersteller haben das in den vergangenen Monaten – auch wegen der forcierten Debatte über Klimaschutz – gestiegene Interesse der Kunden an dem alternativen Antrieb schlicht falsch eingeschätzt.

Fuß ist jedenfalls davon überzeugt, dass sich mit dem Hochlauf der E-Auto-Fertigung die Lage bei den Renditen wieder deutlich verbessern werde. „Die Branche steht gewissermaßen am Fuße eines Berges und vor ihr liegt ein steiler und beschwerlicher Anstieg mit geringen Margen. Diese Kraftanstrengung muss bewältigt werden.“

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Von RND/Frank-Thomas Wenzel