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Wirtschaft Prominente Managerin hört auf: Das sagt der Abgang von Janina Kugel über Siemens aus
Nachrichten Wirtschaft Prominente Managerin hört auf: Das sagt der Abgang von Janina Kugel über Siemens aus
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17:27 31.07.2019
Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Janina Kugel hört bei Siemens auf. Quelle: imago/photothek
München

Als die gebürtige Stuttgarterin Janina Kugel 2015 in den von jeher männlich dominierten Vorstand des Münchner Siemens-Konzerns berufen wurde, galt sie als Hoffnungsträgerin. In den Folgejahren konnte die mit modernen Kommunikationstechniken vertraute Siemens-Personalchefin das durchaus bestätigen. Massiven Konzernumbau und herbe Jobverluste in Krisensparten wie dem Kraftwerksgeschäft hat sie so leise wie nur möglich gemanagt. Dennoch sind ihre Tage bei Siemens nun gezählt.

Der Aufsichtsrat wird ihren kommenden Januar auslaufenden nicht verlängern, singen in München die Spatzen von den Dächern – und zahlreiche Medien berichten. Kommt es wirklich so, wäre die US-Amerikanerin Lisa Davis die einzige Frau im Siemens-Vorstand, aber auch das möglicherweise nicht mehr lange.

Denn mit dem beschlossenen Börsengang der von ihr verantworteten Kraftwerkssparte ist auch die Zukunft von Davis ungewiss. Frauen haben es in der absoluten Siemens-Spitze nicht leicht, obwohl die Zusammensetzung speziell des Vorstands immer wieder einmal als zu weiß, deutsch und männlich kritisiert wird. Gerade erst ist die 47-jährige Mariel von Schumann als Stabschefin von Konzernboss Joe Kaeser gegangen. Sie galt einmal als Kandidatin für den Vorstand. Kugel-Vorgängerin Brigitte Ederer musste nach einem verlorenen Machtkampf den Hut nehmen. Sie hatte sich mit der bei Siemens traditionell mächtigen IG Metall angelegt. Mit der konnte Kugel gut. Ihr Schicksal im Traditionskonzern wurde dem Vernehmen nach eher durch das Verhältnis zu Konzernchef Joe Kaeser und anderen – männlichen - Vorstandskollegen besiegelt.

Kugel und das Alpha-Tier

Die 49-jährige, die an den Universitäten Mainz und Verona Volkswirtschaft studiert hat, darf man als selbstbewusste Vertreterin eines modernen Managerinnentyps verstehen. Das hat sich bei öffentlichen Auftritten immer wieder gezeigt.

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Problematisch wurde das bisweilen dann, wenn Kaeser neben ihr gesessen ist. Wer mit dem Siemens-Boss zusammen auftritt, hat in der Regel nicht viel Redezeit. Raum für eine eigene Meinung oder gar Widerspruch ist da noch weniger. Kaeser gilt als ausgesprochenes Alpha-Tier. Auch männliche Vorstände haben das in den letzten Jahren schon zu spüren bekommen und mussten gehen.

Schwierig soll das Verhältnis von Kugel aber zuletzt immer mehr auch zu anderen Vorstandskollegen gewesen sein. Wenn sich Wege trennen und es menschlich nicht mehr passt, hat das oft nicht nur mit dem Verhalten einer einzelnen Person zu tun, wobei Topmanager oft ohnehin recht spezielle Charaktere sind. Wirklich unglücklich soll Vogel mit ihrem Ausscheiden dem Vernehmen nach jedenfalls nicht sein. „Ich bin nicht zart besaitet“, sagt die Managerin mit dem dunklen Hautton über sich selbst. Robustheit hat die bisweilen als Popstar von Siemens titulierte Managerin schon im Kindergartenalter lernen müssen, als sie im Schwäbischen von anderen Kindern unter Verweis auf ihre Hautfarbe verhöhnt worden ist.

Weit mehr als eine Vorzeigefrau

Mit ihr verliert Siemens auf alle Fälle mehr als eine bloße Vorzeigefrau. Die Mutter von Zwillingen hat sich mit ihrer Art und ihren Erfolgen in schwierigen Zeiten auch über Siemens hinaus nicht nur in Industriekreisen eine gewisse Prominenz erarbeitet. Die wortgewandte Managerin, die insgesamt seit 17 Jahren bei Siemens arbeitet, ist in den letzten Jahren zu so etwas, wie dem weiblichen Gesicht des Konzerns geworden. Sie steht auch für ein offeneres und weniger hierarchisches Managen. Deshalb sagt ihr Abgang auch etwas über die Managementkultur bei den Münchnern aus.

Eine andere Frage ist, wie viele Vorstände Siemens in Zukunft überhaupt noch benötigt. Denn der Konzern ist nach dem von Kaeser verordneten Radikalumbau stramm in Richtung Holding unterwegs. Immer mehr Konzernteile werden separat an die Börse gebracht. Die Medizintechnik und das Geschäft mit der Windkraft ist schon dort. Bei der Kraftwerkssparte ist es geplant, bei der Bahntechnik nach gescheiterter Fusion mit der französischen Alstom wohl nur noch eine Frage der Zeit. Das macht einen Siemens- Zentralvorstand alten Zuschnitts in weiten Teilen überflüssig. Speziell für einen Personalvorstand bedeutet das eine immer kleiner werdende Basis.

Auch die ganz große Frage muss in absehbarer Zeit geklärt werden. Das ist die Nachfolge Kaesers, dessen Vertrag noch bis Januar 2021 läuft. Als möglich gilt hier vieles, unter anderem dass Kaeser sein eigener Nachfolger wird und verlängert oder aber dass er in die Politik wechselt. Wer seine Tweets liest, kennt Kaeser als enorm politischen Manager. Nur eine Frau als neue Siemens-Chefin kann sich in München kein Kenner der Verhältnisse vorstellen.

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