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Wirtschaft Siag Nordseewerke kämpfen um ihre Existenz
Nachrichten Wirtschaft Siag Nordseewerke kämpfen um ihre Existenz
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21:16 10.10.2012
Ohne weitere Hilfen für die Nordseewerke müssen 700 Menschen um ihre Jobs bangen.
Ohne weitere Hilfen für die Nordseewerke müssen 700 Menschen um ihre Jobs bangen. Quelle: dpa
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Emden

Der angeschlagene Windkraftanlagen-Zulieferer Siag Nordseewerke im ostfriesischen Emden kämpft um seine Existenz. Ohne weitere Landeshilfen drohe dem Unternehmen mit 700 Beschäftigten die Insolvenz, hieß es am Mittwoch vom Betriebsrat. Zuvor hatten die niedersächsische Landesregierung und die NordLB weitere Kredite und eine Bürgschaft abgelehnt, die das Unternehmen zur Abarbeitung von Aufträgen benötigt. „Das Risiko für den Steuerzahler wäre zu groß gewesen“, hieß es im Wirtschaftsministerium in Hannover.

Das Unternehmen selbst teilte mit, die Restrukturierung und die Suche nach neuen Investoren werde fortgesetzt. Das laufende Geschäft bleibe davon unberührt. Zur aktuellen Auftragslage machte das Unternehmen aber keine Angaben.

Mit einem spontanen Protestmarsch durch die Emder Innenstadt reagierten am Mittag rund 300 Siag-Mitarbeiter auf die überraschende Nachricht. Am Abend wollte Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) den Betriebsrat und die Siag-Geschäftsführung zu einem Krisengespräch treffen.

„Ohne die Bürgschaft müssen wir Insolvenz anmelden“, kritisierte Betriebsratschef Erwin Heinks. „Die Landesregierung lässt uns fallen wie eine heiße Kartoffel.“ Im August hatte die Belegschaft einem Sanierungskonzept und der Ausweitung der Arbeitszeit auf maximal 40 Stunden zugestimmt. Der Betriebsrat verwies auf ein Gutachten, das Perspektiven für eine Fortführung aufzeige. Die Suche nach einem Investor sei auf gutem Weg.

Dagegen sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Hannover, die Landesregierung sehe sich aufgrund eines anderen Gutachtens zu dem Schritt gezwungen. Niedersachsen und die NordLB hätten den Umbau von der Werft zum Offshore-Zulieferer bisher intensiv unterstützt. Ein weiteres finanzielles Engagement wäre aber mit großen Risiken verbunden. Das Land werde jetzt Kontakt zu Investoren suchen und Gespräche mit Auftraggebern führen, damit laufende Aufträge bei Siag blieben. Niedersachsen wolle sich auch für eine Fortführungsperspektive bei Siag einsetzen, um möglichst viele Mitarbeiter zu halten.

Es gebe keine Krise der Offshore-Industrie, aber eine Krise bei den Netzanbindung von Offshore-Windparks, hieß es weiter aus dem Ministerium. Diese habe der niederländische Netzbetreiber Tennet verursacht. Investitionsentscheidungen in mehreren Offshore-Windparks würden massiv belastet und verzögert. Die Krise solle durch eine schnelle Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes beendet werden.

Die Opposition im Landtag kritisierte, die Regierungen in Land und Bund hätten versagt. Die Landesregierung habe die beiden bislang vom Land geförderten Unternehmen Siag und Bard in große Schwierigkeiten gebracht, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Enno Hagenah. Die SPD schlug einen Drei-Punkte-Plan vor, um den Siag-Nordseewerken eine Zukunft in Emden zu sichern. Unter anderem müsse das Land gemeinsam mit der Agentur für Arbeit die Gründung einer Transfergesellschaft vorantreiben. Damit sollten beschäftigte der Offshore-Branche für die Zeit der Krise aufgefangen werden, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Olaf Lies.

dpa