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Wirtschaft „Schwarzbuch“ listet Missstände bei der Bahn auf
Nachrichten Wirtschaft „Schwarzbuch“ listet Missstände bei der Bahn auf
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22:13 18.01.2010
Die Bahn kommt nicht aus der Kritik.
Die Bahn kommt nicht aus der Kritik. Quelle: AP
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Als der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix die Deutsche Bahn wegen der Datenaffäre zu einem Bußgeld von 1,1 Millionen Euro verdonnerte, zögerte der neue Konzernchef nur kurz. Dann zahlte Rüdiger Grube – und verkündete das Ende der Affäre. Die Bahn habe „tiefgreifende Umstrukturierungen im Unternehmen vorgenommen, so dass derartige Fehlentwicklungen künftig ausgeschlossen sind“, sagte er. Die Bahn kommt jedoch nicht aus der Kritik: Die Probleme mit den ICE-Achsen dauern im Winter an, und die Berliner S-Bahn fährt noch lange nicht nach Fahrplan. In ihrem „Schwarzbuch Deutsche Bahn“ erheben zwei ZDF-Journalisten nun Vorwürfe gegen den Konzern.

Es ist ein großes Puzzle, das vor allem aus Interviews mit Bahn-Mitarbeitern und internen Unterlagen des Unternehmens zusammengetragen wurde: Details zur Datenaffäre, Berichte über häufige Überlastung von Mitarbeitern und über Kumpanei zwischen Gewerkschaften und Bahn-Spitze. Es sind Berichte, die vermuten lassen, dass es zur neuen Unternehmenskultur, die Bahn-Chef Grube versprochen hatte, noch ein weiter Weg sein dürfte. Die Autoren beschreiben auch, warum Bahnfahrer nicht nur in Ausnahmefällen mit Verspätungen oder Zugausfällen leben müssten und ihnen regelmäßig falsche oder zu teure Fahrkarten verkauft würden.

So berichtet ein Schalterangestellter der Bahn in dem „Schwarzbuch“ über Vorgaben für die Ticketverkäufer. „Wir sollen zum Beispiel jedem Kunden möglichst ein 1.-Klasse-Ticket verkaufen – auch wenn der Kunde nur eine 2.-Klasse-Bahncard hat“, sagt er. Es gebe die Anweisung, immer eine Reservierung zu verkaufen – „auch wenn klar ist, dass der Zug gähnend leer sein wird“. Das Buch greift zudem die Kritik an angeblich mangelhafter Sicherheit bei der Bahn auf. Ein Gutachter etwa kritisiert, bei neuen ICE-Zügen verwendete Achsen seien „unterdimensioniert“. Für die aktuellen Belastungen seien die Achsen nicht ausgelegt, sagt der frühere Vizechef des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit, Vatroslav Grubisic. Er wirft der Bahn vor, aus dem Zugunglück von Eschede „nichts gelernt“ zu haben.

Die Autoren des „Schwarzbuchs Bahn“ werfen der Bahn vor, die Wartungsintervalle schon von 2003 an deutlich verlängert zu haben. Sie zitieren aus einem „streng vertraulichen Dokument“, wonach dadurch „die Leistung um 24 Prozent gesteigert“ worden sei. Ein Wartungsingenieur der Bahn beklagt in dem Buch, die Sicherheitsprüfer seien „ständig unterbesetzt“. Die Bahn wollte sich am Montag zu einzelnen Vorwürfen aus dem „Schwarzbuch“ nicht äußern. Ein Konzernsprecher sagte nur, das Buch sei „sehr einseitig und ignoriert viele Fakten“. Die „angeblichen Enthüllungen“ seien bekannt und größtenteils auf- und abgearbeitet. Gerade der neue Bahn-Vorstand bestreite nicht, „dass bei der Bahn vieles besser werden kann und muss“.

afp

Carola Böse-Fischer 18.01.2010