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Wirtschaft Salzgitter streicht Stellen
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07:42 09.10.2009
Von Carola Böse-Fischer
2009 erwartet Salzgitter erstmals seit 16 Jahren rote Zahlen.
2009 erwartet Salzgitter erstmals seit 16 Jahren rote Zahlen. Quelle: Karin Blüher
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Zwar habe sich die Auslastung, die wegen des Auftragseinbruchs in der Krise vor allem im Stahlbereich bis auf 50 Prozent gesunken war, inzwischen wieder teilweise auf 80 Prozent erholt, wie ein Unternehmenssprecher gestern sagte. Aber die Preise seien immer noch weit von ihrem „Normalniveau“ entfernt – trotz der jüngsten „leichten“ Preiserhöhungen.

Deshalb will der niedersächsische Dax-Konzern weiteres Personal abbauen. Dabei soll es jedoch – wie bisher – keine betriebsbedingten Kündigungen geben, wie der Salzgitter-Sprecher versicherte. Geplant sei, noch einmal 300 bis 500 Arbeitsplätze einzusparen. Erreicht werden soll dies über die Nutzung der noch bis Ende 2009 staatlich geförderten Altersteilzeit. Überdies sollen Zeitverträge nicht verlängert werden. Und schließlich soll die Fluktuation genutzt werden, indem man frei werdende Stellen nicht mehr besetzt. „Soziale Härten“ wie bei manchem Konkurrenten könnten mithin vermieden werden, hieß es.

Mit diesen Instrumenten und der Nutzung von Kurzarbeit ist Salzgitter bislang schon gut durch die schwerste Rezession der Nachkriegszeit gekommen. Seit Krisenbeginn im vierten Quartal 2008 wurden nach Konzernangaben 1500 Stellen abgebaut, davon allein 1000 der 1700 Leiharbeitsplätze. Da sie nicht zur Stammbelegschaft gehören, sind sie in der Beschäftigtenzahl des Konzerns von rund 24 000 nicht enthalten. Die übrigen 500 Jobs wurden mit den zur Verfügung stehenden Maßnahmen sozialverträglich abgebaut, wie der Unternehmenssprecher sagte. Zudem arbeiteten noch knapp 4000 Beschäftigte im Konzern verkürzt. Auf dem Höhepunkt der Krise im März waren es sogar 9000 Mitarbeiter gewesen.

Ähnlich wie der Wolfsburger VW-Konzern plant Salzgitter darüber hinaus eine Fortführung der Altersteilzeitregelungen im nächsten Jahr, wenn die staatliche Förderung wegfällt. Dafür hat der Konzern mit der IG Metall den „Tarifvertrag zur Gestaltung des demografischen Wandels“ geschlossen, eine freiwillige Einrichtung, in die die Tarifpartner einzahlen. Diese Regelung habe zwar mit der derzeitigen Krise nichts zu tun, sagte der Konzernsprecher. Aber man sei damit gewappnet, wenn die Rezession im nächsten Jahr anhalten sollte. Von einer „nachhaltigen Erholung“ sieht Salzgitter die Stahlbranche jedenfalls noch weit entfernt.

Die staatliche Abwrackprämie für die Autohersteller und die Aufstockung der Lager hätten nur ein „Zwischenhoch“ bewirkt. Und die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung seien bei der Industrie noch nicht angekommen. Daher erwartet der zweitgrößte deutsche Stahlhersteller 2009 erstmals seit 16 Jahren rote Zahlen. Vorsichtig, wie man bei Salzgitter ist, hatte Konzernchef Wolfgang Leese dies schon im Sommer angekündigt.

Helmuth Klausing 08.10.2009