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Wirtschaft Salzgitter stellt Gewinnprognose infrage
Nachrichten Wirtschaft Salzgitter stellt Gewinnprognose infrage
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12:45 21.04.2010
Von Carola Böse-Fischer
Konzernchef Wolfgang Leese (rechts) hofft auf Verständnis der Kunden: Das Preisdiktat bei Erz zwingt Salzgitter, die Kosten weiterzugeben.
Konzernchef Wolfgang Leese (rechts) hofft auf Verständnis der Kunden: Das Preisdiktat bei Erz zwingt Salzgitter, die Kosten weiterzugeben. Quelle: Rainer Surrey
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Die Auftragsbücher füllen sich, das Geschäft brummt, die Krise scheint überwunden. Trotzdem stellt Salzgitter-Chef Wolfgang Leese seine erst Anfang März abgegebene Prognose für 2010 schon wieder infrage. Damals erwartete der Stahl- und Röhrenkonzern ein Vorsteuerergebnis im „zweistelligen Millionen-Euro-Bereich“. „Die Prognose müssen wir überarbeiten“, sagte Leese am Dienstag beim Kundentag des Unternehmens auf der Hannover Messe. „Wir wissen nur noch nicht in welche Richtung.“

Grund dieser kuriosen Aussage des Konzernchefs sind die drastischen Preissteigerungen für Eisenerz und Kokskohle, die wichtigsten Rohstoffe für die Stahlproduktion, die auf die Stahlbranche in Europa zukommen. Die drei Minenkonzerne – die brasilianische Vale, das australisch-britische Unternehmen Rio Tinto und die australische BHP Billiton – haben für das zweite Quartal Preiserhöhungen von 90 Prozent für Erz angekündigt und bei asiatischen Stahlherstellern offenbar bereits durchgesetzt. Sie kontrollieren mehr als zwei Drittel des weltweiten Eisenerzhandels. Für die deutsche Stahlbranche würde der Aufschlag Mehrkosten von 3 Milliarden Euro bedeuten, wie Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl zuvor geklagt hatte. Bei Kokskohle drohe eine Verteuerung von 55 Prozent, auch beim Schrott zeichneten sich starke Preiserhöhungen ab.

Dieser laut Kerkhoff „voraussichtlich größte Rohstoffkosten-Schock“ seit der Ölpreiskrise in den siebziger Jahren könnte die Erholung auf den Stahlmärkten gefährden. Nicht nur dort. Die Stahlhersteller werden versuchen, die Preiserhöhungen an ihre Kunden in der Autobranche oder dem Maschinen- und Anlagenbau weiterzugeben. Dies könnten die Stahlunternehmen nicht allein verkraften, sagte Leese. Salzgitter hat schon seine Stahlpreise um 80 Euro je Tonne erhöht. Um die Aufschläge der Rohstofflieferanten zu kompensieren, müsste Salzgitter laut Leese zum dritten Quartal weitere 100 Euro draufschlagen.

Das ist nicht alles. Die drei Minenkonzerne haben auch gleich das 40 Jahre alte Preissystem mit Jahresverträgen aufgekündigt – und stattdessen flexiblere Quartalsverträge durchgesetzt, die sich am Spotmarkt orientieren.

Bei den Stahlherstellern habe keiner Erfahrungen damit, erklärte Leese. Wegen der starken Preisschwankungen gebe es keine Planungssicherheit. „Das ist eine Herausforderung an das Management, sowohl was Beschaffung als auch was Verkaufspreisgestaltung angeht.“ Geschäftsmodelle müssten „neu justiert“ werden. „Wir müssen mit unseren Kunden reden, wie wir gemeinsam überleben können“, sagte der Salzgitter-Chef. Der deutsche Branchenverband und sein europäisches Pendant Eurofer fordern von den EU-Kartellbehörden, das neue Preissystem zu „unterbinden“.