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Wirtschaft Rossmann profitiert von Schlecker-Pleite
Nachrichten Wirtschaft Rossmann profitiert von Schlecker-Pleite
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22:48 12.04.2012
Von Lars Ruzic
Foto: Unternehmer Dirk Rossmann stellte die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres vor.
Unternehmer Dirk Rossmann stellte die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres vor. Quelle: Rainer Droese
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Burgwedel

Die Pleite des Schlecker-Konzerns füllt dem Konkurrenten Rossmann die Kassen. Im ersten Quartal seien die Umsätze in Deutschland um 14,4 Prozent auf gut eine Milliarde Euro gestiegen, berichtete Firmenchef Dirk Roßmann am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Burgwedel. Das war nicht nur deutlich mehr als ursprünglich geplant. Erstmals seit Jahren überstieg die Zuwachsrate auf dem Heimatmarkt damit die der ausländischen Töchter. Das Unternehmen hat seine Gesamtziele für 2012 bereits nach oben korrigiert. Statt eines 10-prozentigen Plus werde nun ein Zuwachs um 12 Prozent auf 5,7 Milliarden Euro anvisiert, so Roßmann.

„Ein Stück von dem frei werdenden Umsatz bekommen wir ab“, sagte der Firmengründer. „Aber viel mehr als 2,3 Prozent unseres Wachstums wird das nicht ausmachen.“ Schließlich würden die Kunden nicht nur zu Konkurrenten wie dm, sondern auch zum Lebensmitteleinzelhandel abwandern. Der Schlecker-Insolvenzverwalter hatte zuletzt 2000 Filialen bundesweit geschlossen und 11 000 Mitarbeiter entlassen. Fachleute rechnen damit, dass sich mehr als eine Milliarde Euro Umsatz nun auf andere Anbieter verteilen.

Derzeit läuft bei Schlecker der Investorenprozess. Roßmann hatte bereits vor Wochen deutlich gemacht, dass er an höchstens 80 Filialen des Ehinger Konzerns und seiner Tochter Ihr Platz interessiert sei. „Für eine große Lösung steht Rossmann nicht zur Verfügung“, betonte der Unternehmer. „Wir wollen die Qualität unseres Filialnetzes erhalten.“ Das Gros der Schlecker-Läden befindet sich in schlechten Lagen, gilt als marode und zu klein. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten hatte der schwäbische Familienkonzern kein Geld in Modernisierung und neue Sortimente investiert. „Wir haben uns neu erfunden“, fasste es Roßmann zusammen, „Schlecker hat immer so weitergemacht wie früher.“ Die drei Investoren, die derzeit noch im Rennen um Schlecker sind, „werden eine große Aufgabe vor sich haben“.

Dass sich mit dem Teilrückzug des einstigen Marktführers der Preiskampf in der Branche abschwächen könnte, sieht der 65-Jährige nicht. „Wir werden uns richtig heftig weiter prügeln – immer zum Wohl des Kunden.“ Durch die Schlecker-Pleite ist Rossmann zur Nummer zwei nach dm aufgestiegen. Zwischen beiden Konzernen liegt rund eine Milliarde Euro Umsatz. Für den Wettbewerb in der Branche sei es wichtig, dass die beiden größten Spieler auf Augenhöhe blieben, so Roßmann. „Ich möchte nicht unbedingt die Nummer eins sein. Aber ich möchte immer so dicht dran sein, dass die Nummer eins meinen Atem spürt.“

Dafür investiert der Konzern in diesem Jahr rund 160 Millionen Euro in den Ausbau seines europäischen Filialnetzes. Unterm Strich dürfte die Zahl der Geschäfte um gut 160 auf rund 2700 steigen. Die Zahl der Mitarbeiter und Auszubildenden soll um 1900 auf rund 35 000 zulegen. Im vergangenen Jahr hatte Rossmann seinen Umsatz um 10 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro gesteigert. Unterm Strich verblieb ein Gewinn von „mehr als 100 Millionen Euro“. Das Unternehmen kommt bundesweit auf mehr als 1600 Filialen und 22 000 Mitarbeiter. Auf Niedersachsen entfallen davon 275 Geschäfte und 4000 Beschäftigte.

12.04.2012
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