Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Die TUI lässt Hannover fallen
Nachrichten Wirtschaft Die TUI lässt Hannover fallen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 26.06.2013
TUI steigt beim Sponsoring in Hannover aus.
TUI steigt beim Sponsoring in Hannover aus. Quelle: dpa (Symbolbild)
Anzeige
Hannover

Der TUI-Konzern hat über lange Jahre in Form von Sponsoring Heimatverbundenheit mit seinem Sitz Hannover gezeigt. Damit ist es im kommenden Jahr vorbei. Die Fußballprofis von Hannover 96, Günter Papenburg als Besitzer der Veranstaltungshalle auf der Expo-Plaza und der TUI-Stadtmarathon werden sich neue Partner suchen müssen. Der Reisekonzern stellt alle Sponsoringaktivitäten in der Landeshauptstadt ein, indem er zwar seine laufenden Verpflichtungen noch erfüllt, aber bestehende Verträge nicht mehr verlängert. „Die Entscheidung ist gefallen. Sie ist Teil unseres Sparprogramms“, erklärte Robin Zimmermann, Sprecher der TUI AG.

Zu Zeiten des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel, selbst sportaffin, standen die Aktivitäten bei Hannover 96 schon einmal auf der Kippe. Letztendlich wurde der Vertrag, der das Trikotsponsoring, Bandenwerbung sowie die TUI-Loge und die TUI-Lounge im Stadion umfasst, aber 2011 noch einmal um drei Jahre verlängert. Der Bundesligist bekommt dafür jährlich rund vier Millionen Euro. „Fußball bedeutet Emotion, Begeisterung und Leidenschaft, also genau die Gefühle, die wir mit unseren Produkten auch bei unseren Kunden hervorrufen möchten“, sagte Frenzel seinerzeit.

Frenzels Nachfolger Friedrich Joussen, seit Frühjahr im Amt, setzt nun mehr auf harte Münze. „Oberstes Ziel ist es, dass wir bis 2015 wieder dividendenfähig sind“, lautet sein Credo. Damit die Aktionäre in den Genuss einer Ausschüttung kommen, muss die TUI Kosten drücken. Das betrifft vor allem auch die Konzernzentrale, die an der Karl-Wiechert-Allee sitzt. Dort fallen Arbeitsplätze weg, auch das bisher am Flughafen in Langenhagen stationierte Firmenflugzeug, das immerhin mit vier Millionen Euro Kosten im Jahr zu Buche schlägt, will der neue Konzernchef verkaufen. Jetzt war das Sponsoring an der Reihe. Nach Angaben von Zimmermann hat sich die TUI ihre Aktivitäten in der Landeshauptstadt jährlich „einen ordentlichen einstelligen Millionenbetrag“ kosten lassen. Dazu kommt noch der Inselmarathon auf Mallorca, den das Unternehmen seit 2004 ebenfalls finanziell unterstützt.

Bei Hannover 96 war der Konzern mit dem Lächeln im Logo seit dem Aufstieg in die Bundesliga vor elf Jahren Trikotsponsor und damit wichtigster Werbepartner. Länger als die Beziehung zwischen den „Roten“ und den Reisefachleuten hat keine derartige Beziehung im Profifußball gehalten. Für 96-Klubchef Martin Kind kommt die Entwicklung trotzdem nicht ganz überraschend: „Es gab Signale, die in diese Richtung deuten“, sagt er.

Der Bundesligist hat nun etwa ein Jahr Zeit, einen Nachfolger für seinen Partner zu suchen – sich also mit Plan B zu beschäftigen, wie Kind das nennt. „Ideal wäre ein Partner aus der Region“, sagt er. Beim Blick in die Runde fällt auf, dass Unternehmen entsprechenden Kalibers nicht gerade üppig vorhanden sind. Der Versicherungskonzern HDI hat gerade die Namensrechte am Stadion übernommen, der Reifenspezialist Conti setzt andere Prioritäten. Gemunkelt wird über die Drogeriekette Rossmann – deren Chef Dirk Roßmann ist Gesellschafter bei Hannover 96.
Am morgigen Dienstag präsentiert Hannover 96 die Trikots für die anstehende Saison. Es wird die vorerst letzte sein, in der das Logo mit dem Lächeln auf ihnen prangt.

Die Fußball-Bundesligisten und ihre Sponsoren

Verein

Trikotsponsor

Einnahme pro Jahr

FC Bayern München

Deutsche Telekom

30 000 000 Euro

VfL Wolfsburg

Volkswagen

20 000 000 Euro

FC Schalke 04

Gazprom

16 000 000 Euro

Borussia Dortmund

Evonik

15 000 000 Euro

Hamburger SV

Fly Emirates

7  000 000 Euro

VfB Stuttgart

Mercedes-Benz Bank

7  000 000 Euro

SV Werder Bremen

Wiesenhof

6 500 000 Euro

Bayer 04 Leverkusen

SunPower

6 000 000 Euro

Eintracht Frankfurt

Krombacher

5 500 000 Euro

TSG 1899 Hoffenheim

SAP

4 500 000 Euro

Hertha BSC Berlin

Deutsche Bahn

4 500 000 Euro

1. FSV Mainz 05

Entega

4 000 000 Euro

Borussia Mönchengladbach

Postbank

4 000 000 Euro

Hannover 96

TUI

4 000 000 Euro

1. FC Nürnberg

NKD

3 500 000 Euro

SC Freiburg

Ehrmann

2 500 000 Euro

Eintracht Braunschweig

Seat

2 500 000 Euro

FC Augsburg

AL-KO

1 000 000 Euro

Halle ohne Namen...

Der Bauunternehmer Günter Papenburg hat mit der 14 000 Zuschauer fassenden Veranstaltungshalle TUI Arena auf der Expo-Plaza sportlich gesehen viel Freude gehabt. Seine Hannover Scorpions wurden dort deutscher Eishockeymeister. Finanziell war das Ganze für den 73-Jährigen ein Zuschussgeschäft und damit ein Grund zum Hadern. Jetzt sind die Scorpions weg; sie werden kommende Saison vermutlich in Langenhagen spielen. Und nun kommt auch noch der Namenssponsor abhanden.
„Das ist für die Halle auf keinen Fall existenzgefährdend“, stellt Papenburg klar. Nach Informationen der HAZ hat die TUI jährlich eine halbe Million Euro überwiesen. Die Summe wird von beiden Seiten nicht bestätigt, wäre aber verglichen mit dem, was Namenspaten anderer Großhallen überweisen, vergleichsweise gering.

Papenburg, der sich mit seinem Engagement für Hannovers größte Veranstaltungshalle in der Vergangenheit häufig alleingelassen fühlte und sich über mangelnde Unterstützung etwa durch Stadt und Region beklagt hat, verliert über den sich auf dem Absprung befindlichen Partner kein einziges böses Wort. „Die TUI ist der einzige, der immer zu uns gestanden hat. Dafür bin ich ihr dankbar“, betont der Unternehmer. Er hat auch Verständnis für die Beweggründe des Konzerns.
Der Vertrag mit der TUI läuft im kommenden Jahr aus, bis dahin soll ein Nachfolger gefunden sein. Für den wirtschaftlichen Erfolg der Arena dürfte aber entscheidender sein, dass es gelingt, neue und ertragbringende Veranstaltungen wie Konzerte, Firmen­events oder Fernsehproduktionen zu akquirieren.

... und Läufer ohne Sponsor

 Seit 2007 hat die TUI einmal jährlich in Hannover einen richtig großen Lauf. Vor sechs Jahren übernahm sie nicht nur das Titelsponsoring des Halbmarathons, sondern wurde auch Namensgeber der Gesamtveranstaltung, die seitdem unter dem Namen TUI Marathon Hannover etabliert ist. „Wir nutzen das Umfeld der Sportveranstaltung, um bei rund 100 000 Besuchern und mehr als 15 000 Teilnehmern die Marke TUI bekannt zu machen und emotional aufzuladen“, heißt es auf den Internetseiten des Unternehmens unter dem Stichwort Sportsponsoring. Die damit verbundene Durchführung der deutschen TUI-Meisterschaften im Halbmarathon mit direkter Qualifikation zum Marathon in Palma de Mallorca diene der Mitarbeitermotivation.
Spätestens im kommenden Sommer muss die Netzpräsenz aktualisiert werden und müssen sich laufbegeisterte Mitarbeiter nach anderen Motivationsmöglichkeiten umsehen. Der nächste Lauf am 27. April kommenden Jahres wird der letzte sein, der unter dem Patronat des Reisekonzerns stattfindet.

Veranstalter des Marathons in Hannover – zum Gesamtetat von 600 000 Euro steuert die TUI angeblich etwa ein Drittel bei – ist die Agentur eichels: Event. Geschäftsführerin Stefanie Eichel verweist auf gute Erfahrungen mit der TUI. Sie sagt aber auch, dass über das Jahr 2014 hinaus noch alles offen sei. Sie wolle nun zeitnah Gespräche führen, wie es mit der Großveranstaltung weitergeht. 2015 ist ein besonderes Jahr aus Sicht der Langstreckenläufer. Kommt es dann wieder zu einem Marathon, wäre es der insgesamt 25. seiner Art in den Straßen der Landeshauptstadt.

se/fe/bd

23.06.2013
22.06.2013
Wirtschaft Deutsche Lebensmittel - Teurer als gedacht
Lars Ruzic 22.06.2013