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Wirtschaft Piëch schlägt sich klar auf die Seite von VW
Nachrichten Wirtschaft Piëch schlägt sich klar auf die Seite von VW
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21:38 12.05.2009
Von Stefan Winter
Ferdinand Piëch nutzte die Polo-Vorstellung, um Martin Winterkorn als Chef eines neuen Konzerns in Stellung zu bringen.
Ferdinand Piëch nutzte die Polo-Vorstellung, um Martin Winterkorn als Chef eines neuen Konzerns in Stellung zu bringen. Quelle: Roland Magunia/ddp
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Ein Gemeinschaftskonzern werde seinen Sitz in Wolfsburg haben und sollte von VW-Chef Martin Winterkorn geführt werden. Das VW-Gesetz könne weiterbestehen. Bevor es soweit sei, müsse Porsche allerdings seine Finanzprobleme lösen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Volkswagen ein Risiko eines anderen Unternehmens übernimmt“, sagte Piëch.

Damit stellt sich Piëch demonstrativ hinter die VW-Führung und das Land Niedersachsen als zweiten Großaktionär. Dagegen ließ er Wendelin Wiedeking erneut schlecht aussehen: Der Porsche-Chef habe „zur Zeit“ sein Vertrauen. Wiedeking sei zwar über 15 Jahre die beste Besetzung bei Porsche gewesen, für VW sei Winterkorn aber der Bessere. Er könne sich nicht vorstellen, dass Wiedeking sich eines Tages unter Winterkorn einordne: „Der müsste sehr viele Stufen runtersteigen. Das Rollenspiel müsste wechseln, vom Durchmarschierer zur Demut – ich weiß nicht.“

Auch Porsches Finanzchef Holger Härter, vor wenigen Monaten noch für seine gewinnträchtigen Geschäfte mit VW-Aktien gefeiert, hat beim Patriarchen offenbar nicht mehr viel zu melden. Härter und Wiedeking hätten die Banken vergrätzt und Porsches Kreditverhandlungen damit noch erschwert. Das Unternehmen ist mit knapp zehn Milliarden Euro verschuldet und hat unbekannte Risiken aus Optionsgeschäften in seinen Büchern.

Nach Piëchs Aussage ist es ihm selbst nicht gelungen, die Optionsgeschäfte nachzuvollziehen, mit denen sich die Porsche-Spitze die VW-Mehrheit sicherte. „Ich weiß nicht, wie hoch diese Risiken sind“, sagte Piëch, der in den fraglichen Jahren Mitglied des Porsche-Aufsichtsratspräsidiums war. Piëch fühle sich von dem Führungsduo schlecht informiert, hieß es in seinem Umfeld: „Er hat richtig vom Leder gezogen.“

Eine Ablösung Wiedekings stehe jedoch nicht an, sagte Piëch. Vorerst wird der Porsche-Chef für die Verhandlungen über eine neue Konzernstruktur gebraucht. Nach Informationen dieser Zeitung trafen sich am Dienstag Vertreter von VW, Porsche, dem Land und den Arbeitnehmern, um die Agenda der Gespräche festzulegen. Vor einer Woche hatten die Porsche-Eigner entschieden, VW nicht komplett zu übernehmen, sondern einen gemeinsamen „integrierten Konzern“ zu bilden. Der Weg dorthin ist offen, Grundsätzliches soll aber bereits bis Anfang Juni geklärt sein. Piëch favorisiert die Integration von Porsche in der Volkswagen AG, Wiedeking will durch Fusion einen neuen Konzern bilden.

Der inzwischen aufgegebene Übernahmeplan bringt Porsche Ärger mit der Börsenaufsicht. Die Aufsichtsbehörde Bafin ermittelt wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Porsche. Möglicherweise habe der Sportwagenhersteller monatelang seine Absicht verschleiert, sie VW-Beteiligung auf mehr als 75 Prozent aufzustocken.

Lars Ruzic 12.05.2009