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Nachrichten Wirtschaft Sparkassen planen Gebühren für Online-Konten
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00:18 20.07.2015
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Mit neuen Gebühren und Filialschließungen wollen die Sparkassen Verluste ausgleichen.
Mit neuen Gebühren und Filialschließungen wollen die Sparkassen Verluste ausgleichen. Quelle: dpa
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Hannover

Die Sparkassen in Niedersachsen sehen harte Zeiten auf sich zukommen. Deshalb wollen sie Kosten drücken und an der Gebührenschraube drehen. Niedersachsens Sparkassenpräsident Thomas Mang kündigte das Ende der kostenlosen Online-Konten, die Schließung weiterer Zweigstellen, Fusionen sowie einen Personalabbau an. Entlassungen soll es aber nicht geben.

„Wir kommen ab 2017 in schwieriges Terrain“, sagte der Verbandschef. 2016 dürfte vermutlich „das letzte noch auskömmliche Jahr“ für die Sparkassen werden, doch schon jetzt stünden die Betriebsergebnisse deutlich unter Druck. Als Hauptgründe für den Abwärtstrend nannte Mang die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und die immer schärfere Regulierung.

Angesichts der sich verschlechternden Geschäftslage hält es Niedersachsens oberster Sparkassenrepräsentant für notwendig, Leistungen der Sparkassen „angemessen zu bepreisen“. Das Ziel seien kostendeckende Preise. So verursachten auch reine Online-Konten erhebliche Kosten durch die nötige Technik. Sie könnten daher künftig nicht mehr kostenlos angeboten werden, wie dies bei vielen Instituten heute der Fall ist.
Es werde neue Preismodelle für Konten, aber auch neue Leistungen geben. Ein Sprecher der Sparkasse Hannover bestätigte, dass Änderungen bei den Entgelten für die Kontoführung geplant seien. „Ausmaß und Zeitpunkt sind aber noch nicht bekannt.“

Der Präsident des Sparkassenverbandes Niedersachsen rechnet schon für dieses Jahr mit einem Rückgang der Betriebsergebnisse um etwa 8 Prozent. Dennoch werde das Jahr für die 46 Sparkassen in Niedersachsen „noch zufriedenstellend“ abschließen. Die Ertragslage werde aber zunehmend schlechter, weil in den kommenden Jahren immer mehr Kredite auslaufen, die den Geldhäusern noch relativ hohe Zinsen bringen. Wenn sie das Geld neu verleihen, müssen sie sich heute mit viel schlechteren Konditionen begnügen.

Einen Verursacher für die Probleme der Branche sieht der Sparkassenverband auch bei den europäischen Aufsichtsbehörden. Die immer weiter verschärften Vorschriften nähmen die Sparkassen in einen „Zangengriff“ – obwohl diese Institute die Finanzkrise nicht verursacht hätten. Mang sieht einen „Overkill“ der Regulierung. So müssten die Kreditinstitute Unmengen von Daten sammeln und an die Behörden weiterleiten. Auch die Politik sei inzwischen machtlos. Die europäischen Aufsichtsbehörden kümmerten sich „einen feuchten Kehricht“ um die Meinungen der Politiker, schimpfte Mang.

Die Regulierung könnte auch für die ganze deutsche Wirtschaft zum Problem werden. Da die Sparkassen künftig noch mehr Eigenkapital für ihr Geschäft vorhalten müssen, werden sie weniger Kredite an den Mittelstand vergeben können. Wie stark die Zahl der Sparkassen, Filialen und Mitarbeiter in den nächsten Jahren schrumpfen wird, blieb offen. Derzeit verfügen die 46 Sparkassen in Niedersachsen über rund 1100 Zweigstellen und 23 500 Mitarbeiter.

17.07.2015
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