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Wirtschaft Nachwuchssuche im Akkord
Nachrichten Wirtschaft Nachwuchssuche im Akkord
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20:06 23.04.2009
Bei der „TectoYou“ informieren sich Schuklassen über Technik und Ingenieurberufe. Quelle: Martin Steiner
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So ganz wissen Anna, Eva und Viktor nicht, warum sie hier sind. In Halle 2 auf dem Stand des Instituts AIST aus Japan stehen sie etwas verloren vor der Roboter-Robbe „Paro“ und hören sich einen Vortrag der Forscher an. Die einem Seehund nachempfundene Maschine ist mit der neuesten Technologie versehen: Verschiedene Sensoren ermöglichen dem Robben-Roboter, wie ein richtiges Tier zu agieren. Die Neuheit soll für therapeutische Zwecke eingesetzt werden. Die 17-jährige Eva Karpotschew findet das Quatsch. „Ach, wozu Roboter von echten Tieren nachbauen, wenn man die Originale hat?“, sagt die Schülerin der 11. Klasse der Fachoberschule Straubing in Bayern.

Nicht bei allen Jugendlichen, die in dieser Woche im Rahmen der Nachwuchsinitiative „TectoYou“ über die Hannover Messe laufen, kommt die Begeisterung für Technik sofort an. „TectoYou“, das soll so viel heißen wie „Technik für dich“, modern und cool eben, so wie sich die Unternehmen den Jugendlichen präsentieren wollen. Bereits zum dritten Mal bevölkern auch in diesem Jahr etwa 10.000 Jugendliche die Messe und besuchen in geführten Touren die Stände der Unternehmen. Täglich parken 30 bis 50 Reisebusse mit Oberstufen- und Berufsschülern sowie Studienanfängern zwischen 16 und 21 Jahren aus ganz Deutschland unter dem hölzernen Expo-Dach. 60 „Guides“, zumeist Studenten aus den Studiengängen Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurswesen, betreuen am Tag je eine Gruppe von 25 Schülern.

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In einem der Busse erreichen mit etwas Verspätung die Straubinger Schüler nach acht Stunden Fahrt das hannoversche Messegelände und werden von ihrem Guide Annica Lampe begrüßt. In grüner Weste, mit transportablem Mikrofon am Kragen fragt die 26-jährige Sozialwissenschaftlerin ihre Tagestruppe zunächst, ob sie wisse, warum sie hier sei. „Hm, Technikmesse“, murmelt eine Schülerin in der ersten Reihe und rückt die Mütze wieder zurecht. So ganz sind die Fachoberschüler mit dem Schwerpunkt „Gestaltung“ nicht die Zielgruppe, die die Initiative „TectoYou“ erreichen möchte – die Idee für den Klassenausflug des 11. Jahrgangs, zu dem auch Schüler mit den Schwerpunkten Technik und Wirtschaft gehören, hatten hier die Lehrer. Auch um ihnen die attraktiven Industrieberufe schmackhaft zu machen. Denn Ingenieure werden immer noch gesucht. „Man darf nicht erst warten, bis die jungen Leute aus den Unis kommen und dann den Verteilungskampf starten, es muss bereits vorher angesetzt werden“, sagt Werner Schreiber, Projektleiter von „TectoYou“.

Doch als die Schülergruppe nachmittags die „TectoYou“-Pavillons 33 bis 35 erreicht, springt die Technikbegeisterung anderer Jugendlichen auch auf die Designer aus Bayern über. Anstatt nur zuzuhören, darf hier selbst getüftelt werden: Regensensoren löten bei Endress & Hauser, Schaltungen verdrahten bei Phoenix Contact und mit Elektrowerkzeug Stahlschmetterlinge ausschneiden bei der Salzgitter AG.

Zwischen den Ständen der an „TectoYou“ beteiligten Unternehmen schwirren Hunderte Schüler umher und probieren sich als Ingenieure aus. An eine Wand ist der Schriftzug „Technik ist cool“ gekritzelt – die Mission scheint also doch erfolgreich zu sein.

von Hannah Suppa