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Wirtschaft Flutschäden über 12 Milliarden Euro
Nachrichten Wirtschaft Flutschäden über 12 Milliarden Euro
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09:54 10.07.2013
Von Albrecht Scheuermann
Foto: Schutt und zerstörtes Inventar liegen vor den Häusern in Breitenhagen (Sachsen-Anhalt).
Schutt und zerstörtes Inventar liegen vor den Häusern in Breitenhagen (Sachsen-Anhalt). Quelle: dpa
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München/Hannover

Die Experten der weltweit größten Rückversicherung beziffern den ökonomischen Schaden der Flut, die vor allem in Südost- und Ostdeutschland sowie Nachbarländern große Verheerungen hinterließ, auf mehr als 12 Milliarden Euro. Allerdings ist nur ein Teil davon versichert: Der versicherte Schaden wird auf „gut 3 Milliarden Euro“ geschätzt. Damit könnte er etwas niedriger ausfallen als beim Elbhochwasser im Jahr 2002.

Gleichwohl war das Hochwasser, das vor allem Deutschland, aber auch Österreich und Tschechien getroffen hatte, weltweit „die mit Abstand teuerste Naturkatastrophe des ersten Halbjahres“, erklärte die Münchener Rück. Nach ihren Berechnungen verursachten Überschwemmungen und Stürme in dieser Zeit global 45 Milliarden Dollar (rund 35 Milliarden Euro) an Schäden. Damit war das erste Halbjahr global betrachtet schadenarm. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre kosteten die Naturkatastrophen in der gleichen Zeit fast das Doppelte. Auch die versicherten Schäden blieben mit 13 Milliarden Dollar deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt von 22 Milliarden Dollar.

Allerdings beobachten die Experten der Münchener Rück eine zunehmende Überschwemmungsgefahr in Deutschland und Zentraleuropa. Die Häufigkeit von Hochwasserereignissen habe sich seit 1980 in etwa verdoppelt. Gleichwohl müsse dies nicht automatisch zu höheren Schäden führen, betonte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek, wenn man den Hochwasserschutz verstärke. „Daher ist es wichtig, dass das Risikobewusstsein geschärft wird. Flüsse brauchen Platz, damit Hochwasserwellen ohne schwere Schäden abfließen können“, erklärte der Versicherungsmanager.

Die jüngste Hochwasserwelle hat an vielen Orten an der Donau und der Elbe deutlich höhere Wasserstände verursacht als im Jahr 2002. In Passau wurde der höchste Pegel seit mehr als 500 Jahren gemessen, in Magdeburg stieg die Elbe auf einen noch nie dagewesenen Pegelstand.
Peter Höppe, der bei der Münchener Rück die Risikoforschung auf diesem Gebiet leitet, sieht eine größere Häufigkeit von Wetterlagen, die solche Hochwasser auslösen können. Zudem blieben solche Wetterlagen länger ortsfest. Inwieweit hierbei der Klimawandel eine Rolle spiele, werde aber noch diskutiert. „Einzelne Ereignisse lassen sich damit aber natürlich nicht erklären“, schränkte Höppe ein. Wie stark die jüngste Flut die Münchener Rück selbst getroffen hat, ist noch unbekannt. Nach Angaben eines Sprechers will sich das Unternehmen anlässlich der Verkündung der Zahlen zum zweiten Quartal Anfang August zu diesem Thema äußern.

Auch die Hannover Rück, weltweit die Nummer drei der Branche, will erst anlässlich der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 7. August konkreter werden. Allerdings hatte das Unternehmen bereits vor etwa drei Wochen erklärt, dass der Nettoschaden 100 Millionen Euro überschreiten könne. Das Gewinnziel sei dadurch jedoch nicht gefährdet.

Durchschnittsschaden gesunken

Wie viel die Versicherer letztendlich für die Flutschäden bezahlen müssen, lässt sich noch nicht genau sagen. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hatte vor einigen Tagen erklärt, dass er mit 180 000 Einzelschäden in Höhe von fast 2 Milliarden Euro rechne. Die deutlich höhere Zahl der Münchener Rück kommt nach Angaben eines Sprechers durch die Einbeziehung der Schäden in den Nachbarländern, insbesondere Österreich und Tschechien, zustande. Der GDV hatte berichtet, dass die Zahl der Schäden zwar höher sei als bei der Elbflut 2002, der Durchschnittsschaden jedoch geringer, weil sich die Vorsorge gegen Hochwasser gebessert habe.
Voraussetzung für einen Schadensersatz durch die Versicherung ist der Abschluss einer Elementarschadenversicherung als Zusatz zur Wohngebäude- beziehungsweise Hausratversicherung. die neben der Überschwemmung auch zum Beispiel Schäden durch Starkregen, Erdbeben oder Schneedruck abdeckt. Nach Angaben des GDV ist der Abschluss einer solchen Versicherung auch in Hochwassergebieten in der Regel möglich.
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