Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Wirtschaft Mobilfunkanbieter wetteifern um neue Frequenzen
Nachrichten Wirtschaft Mobilfunkanbieter wetteifern um neue Frequenzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:22 08.04.2010
Große Aufgabe: Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, wird die Frequenzauktion in Mainz leiten.
Große Aufgabe: Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, wird die Frequenzauktion in Mainz leiten. Quelle: dpa
Anzeige

Die Versteigerung des bisher größten Pakets von Mobilfunkfrequenzen kann am Montag in Mainz beginnen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wies am Donnerstag einen Eilantrag des Breitbandanbieters Airdata ab, mit dem das Unternehmen die Auktion verhindern wollte. Airdata nutzt einen Teil der zu versteigernden Frequenzen und will die Verträge dafür verlängern.

Große Erwartungen ruhen auf der Auktion diesmal nicht wegen möglichst hoher Erlöse. Dass wieder 50 Milliarden Euro in die Staatskasse fließen wie bei der UMTS-Auktion vor zehn Jahren, erwartet ohnehin niemand. Schätzungen bewegen sich eher zwischen 3 und 5 Milliarden Euro. Diesmal geht es vor allem um die erhofften Folgen: Mit den Frequenzen soll die teils dramatische Unterversorgung weiter Landstriche mit Internetzugängen behoben werden.

Davon soll Niedersachsen profitieren. Nach Daten des Breitbandkompetenzzentrums in Osterholz-Scharmbeck gilt 41 Prozent der besiedelten Fläche des Lands als nicht ausreichend mit Internet versorgt. Dort gelangen die Menschen – wenn überhaupt – nur mit einer Datengeschwindigkeit von weniger als einem Megabit pro Sekunde ins Internet.

Zum Vergleich: In Hannover sind im VDSL-Netz der Deutschen Telekom bis zu 50 Megabit möglich, Kabel Deutschland will in diesem Monat bis zu 100 Megabit anbieten. Doch selbst die Landeshauptstadt bietet hohe Geschwindigkeiten nicht flächendeckend. Von den niedersachsenweit 1047 Kommunen verfügen nur elf über eine Mindestdatengeschwindigkeit von zwei Megabit.

Die Landesregierung stellt 80 Millionen Euro für den Internetausbau bereit, das Geld kommt zum großen Teil aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung. „Wir wollen bis Ende 2011 möglichst vielen Haushalten einen Internetzugang mit der Geschwindigkeit von zwei Megabit ermöglichen“, erklärte Wirtschaftsminister Jörg Bode gestern. Das sei bitter nötig, sagte Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen. Für viele Firmen sei es ein schwerer Wettbewerbsnachteil, wenn sie große Datenmengen nicht übers Internet schicken könnten.

Die Auktion am Montag ist ein erster Schritt, um die Internetversorgung per Funk sicherzustellen. Dies geht schneller und ist weniger aufwendig als per Datenkabel im Boden. Mit dem Erwerb einer Frequenz ist die Verpflichtung verknüpft, 90 Prozent der nicht angebundenen Regionen bis 2016 einen Zugang zu ermöglichen. Neue Techniken wie der Übertragungsstandard LTE könnten dann sogar hochauflösende Videos auf Handys und Laptops übertragen. Manche sehen in der Technik gar eine Konkurrenz für das Festnetz.

Nur vier Firmen zugelassen

Für die Versteigerung in Mainz sind nur die vier deutschen Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Vodafone, E-Plus und O2 zugelassen worden. Ursprünglich hatten noch zwei weitere Interessenten beworben: Der Breitbandanbieter Airdata wurde nicht zugelassen, ein weiteres Unternehmen – womöglich aus dem Ausland – zog seine Bewerbung zurück.

Diesmal wird ein Frequenzspektrum von 360 Megahertz angeboten, das entspricht dem Zweieinhalbfachen der legendären UMTS-Versteigerung aus dem Jahr 2000. Unter den Hammer kommen vor allem Frequenzen aus dem Bereich 800 Megahertz, die aus der Umstellung des Antennenfernsehens auf Digitaltechnik frei geworden sind. Damit lassen sich große Fläche mit nur wenigen Funkmasten abdecken. Deshalb gelten diese Frequenzen als ideal, um auf dem Land die Lücken bei der Versorgung der Bevölkerung mit dem schnellen Internet zu schließen. Die Bundesregierung hat in ihrer Breitbandstrategie bis zum Jahresende eine flächendeckende Versorgung mit mindestens einem Megabit pro Sekunde Internetgeschwindigkeit versprochen.

Helmuth Klausing und Martin Dowideit (mit: dpa)

Helmuth Klausing 08.04.2010
Lars Ruzic 08.04.2010