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Wirtschaft Mitarbeiter und Kunden in Fürth sind ensetzt
Nachrichten Wirtschaft Mitarbeiter und Kunden in Fürth sind ensetzt
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13:12 20.10.2009
Quelle: afp
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Teilweise eingerissen hängt an einer Telefonzelle gleich neben dem Quelle-Vertriebszentrum in Nürnberg ein Plakat. Unter dem Titel „Licht aus bei Quelle?“ laden die beiden großen Kirchen in Fürth ein zum ökumenischen Gebet. Das war am Freitagabend. Vier Tage später ist aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen geworden: Das traditionsreiche Versandhaus ist am Ende und soll abgewickelt werden.

Die Mitarbeiter wirken am Dienstagmorgen am Vertriebszentrum geschockt. Viele wollen keinen Kommentar abgeben, einige reagieren auf Reporteranfragen gereizt. Eine junge Frau hat nach eigenen Angaben bereits am Freitag die Kündigung erhalten, sie fühle nun mit den Kollegen: „Ich hatte schon gedacht, dass es noch weitergeht.“ Offiziell habe man jedoch noch keine Informationen erhalten.

Auch Armin Bachhuber, Betriebsrat der Quelle GmbH, ist an diesem Morgen vor dem Vertriebszentrum. Er kritisiert, dass der Betriebsrat in die Verhandlungen nicht einbezogen worden sei. „Kein Mensch hat uns informiert“, sagt er. Er fühle sich im Moment nur „leer und kaputt“. Der Familienvater sagt: „Ich falle tief, ich falle hart auf den Boden.“

An den Türen des Quelle-Einkaufszentrums, das sich im gleichen Gebäudekomplex wie das Vertriebszentrum befindet und dass ohnehin zum Ende des Jahres hätte schließen sollen, hängt ein Schild: „Wegen einer Betriebsversammlung öffnet heute unser Haus erst gegen 9.30 Uhr“. Über das Ende der gesamten Quelle diskutieren davor einige Kunden. „Die armen Leut“, zeigt eine ältere Frau Mitgefühl und ihr Mann ergänzt: „So viele sind betroffen und deren Familien“.

Drinnen ist schon ein Großteil der Regale leer, an der Decke hängen Schilder mit der Aufschrift „Schnäppchenverkauf“. Hier ist schon Realität, was fast der ganzen Quelle Deutschland droht: der Ausverkauf. Vilis Temel hat die Nachricht wie viele andere am Morgen im Radio gehört. „Das ist natürlich ein Schock. Für uns war es ja klar, aber für alle anderen gab es noch Hoffnung“, kommentiert die Mitarbeiterin des Einkaufszentrums die Lage. Sie fühle Wut und Enttäuschung, dass es keine große staatliche Hilfe wie etwa bei Opel gab.

Noch drastischer bringt es Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) auf den Punkt. „Opel bekommt Geld wie Heu, während Quelle nie eine ähnliche Unterstützung aus Berlin erfahren hat“, beklagt er. Dass so schnell alle Investoren abspringen würden, sei nicht absehbar gewesen. Die bevorstehende Abwicklung sei für die Stadt eine „ganz brutale Situation“.

Das Ende des Warenhauses bedeutet auch das Aus für zahlreiche kleine Geschäfte, die sich rund um das Versandzentrum niedergelassen haben. „Wir machen zu, alle hier machen zu“, gibt der Mitarbeiter eines Bratwurststandes Auskunft. Er zeigt sich wenig überrascht von der Entwicklung: „Wer Insolvenz anmeldet, macht irgendwann zu.“

Als eines der wenigen Geschäfte wird wohl das Reisebüro Thomas Cook an dem Standort bleiben. Mitarbeiter Dominik Schertel ist erleichtert, dass die ehemalige Reise Quelle sich inzwischen abgespalten hat, obwohl ihn das anfangs ärgerte. „Mittlerweile bin ich froh, dass wir dadurch nicht betroffen sind von der Insolvenz.“ Er sieht aber nicht nur die Mitarbeiter vom Niedergang des Versandhändlers betroffen: „Das ist traurig und schlimm für die ganze Region, weil man sich hier mit Quelle identifiziert.“

ddp

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