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11:12 12.09.2009
Heute gehört die Nordwestbahn zu den besten deutschen Regionalbahnen. Seit 1996 stieg die Fahrgastzahl um 560 Prozent auf 6900 täglich.
Heute gehört die Nordwestbahn zu den besten deutschen Regionalbahnen. Seit 1996 stieg die Fahrgastzahl um 560 Prozent auf 6900 täglich. Quelle: Handout
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Klassenbester ist die kommunale Regiobahn in Nordrhein-Westfalen, die seit 1998 ihre Fahrgastzahlen um 3790 Prozent gesteigert hat – auf Strecken, die der frühere Monopolist Deutsche Bahn (DB) stilllegen wollte.

Solche Sorgen hätten andere Bahn-Manager auch gerne: Wenn Regiobahn-Chef Joachim Korn Ärger mit Fahrgästen hat, liegt es selten an Verspätungen oder verdreckten Wagen. Die Bahngesellschaft in Mettmann bei Düsseldorf ist schlicht zu erfolgreich. Seit dem Start vor elf Jahren wird der Ansturm der Kunden immer größer – und zu Stoßzeiten geht es auch mal recht eng zu. „Wir bräuchten dringend wenigstens fünf zusätzliche Züge“, sagt Korn.

Die kommunalen Eigentümer muss der 60-Jährige von der Investition allerdings noch überzeugen. Der Erfolg gibt ihm Recht. Knapp 20 .000 Personen nutzen jeden Tag die Verbindungen Neuss–Kaarst und Düsseldorf–Mettmann. Sechs Millionen Fahrgäste im Jahr sorgen für 13 Millionen Euro Umsatz und schwarze Zahlen. Bürgerprotest und Kundenorientierung zahlen sich aus, dies beweist die Regiobahn. Noch in den neunziger Jahren wollte die Deutsche Bahn die Strecken aufgeben, auf denen täglich nur noch 500 Personen befördert wurden. Bürgerinitiativen verhinderten jedoch den Kahlschlag.

Einige Städte und Landkreise gründeten schließlich eine eigene Bahngesellschaft. Die Regiobahn übernahm Gleise, Bahnhöfe und den Betrieb. Mit dem früheren DB-Manager Korn übernahm ein Mann mit den richtigen Erfolgsrezepten die Neuausrichtung. Die Regiobahn kaufte zwölf moderne Züge, führte regelmäßigen Taktverkehr alle 20 bis 30 Minuten ein, baute Autoparkplätze für Pendler, sorgte für gute Anbindung an Busse und einfache Tarife. Und natürlich für guten Service, wie Korn betont: „Bei uns gilt die Devise SPFS: Sicherheit, Pünktlichkeit, Freundlichkeit, Sauberkeit.“

Die Regiobahn hat Expansionspläne. Das kleine Streckennetz soll bis Wuppertal verlängert werden. Auch der Anschluss von Viersen und eine Ringbahn auf rechtsrheinischer Seite über Wülfrath stehen auf der Wunschliste. Für Verkehrsminister Tiefensee beweisen Erfolgsgeschichten wie die Regiobahn, dass der Schienenverkehr zunehmend eine sinnvolle Alternative zum Auto ist; in der Stadt wie auf dem Land. „Überall, wo Bahn-Angebote neu geschaffen oder verbessert werden, steigen die Fahrgastzahlen“, sagt der Minister. Oft seien selbst optimistische Prognosen übertroffen worden. Dies beweisen 15 Regionalbahnen, die das Bündnis Allianz pro Schiene in seiner Broschüre „Stadt, Land, Bahn“ präsentiert.

Erfolgreiche Regionalbahnen

Das Bündnis Allianz pro Schiene hat erfolgreiche Regionalbahnen gekürt. Hier einige Bahngesellschaften, die – neben dem Klassenbesten Regiobahn – ebenfalls ausgezeichnet wurden:

- NordWestBahn (Niedersachsen): Auch an der Strecke Osnabrück–Bremen kämpften Bürgerinitiativen jahrelang gegen den Niedergang. Mit Erfolg: Heute gehört die Nordwestbahn zu den besten deutschen Regionalbahnen. Seit 1996 stieg die Fahrgastzahl um 560 Prozent auf 6900 täglich.

- Gäubahn (Baden-Württemberg): Die Elektrifizierung rettete vor drei Jahren die mehrfach totgesagte Strecke im Nordschwarzwald zwischen Freudenstadt und Eutingen bei Horb. DB Regio und Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) aus Karlsruhe betreiben die Strecke gemeinsam. Ihre Züge fahren im Stundentakt. Zwischen 2006 und 2008 kletterten die Fahrgastzahlen um 180 Prozent auf täglich 1400.

- Gräfenbergbahn (Bayern): Auch der 28 Kilometer langen Strecke Nürnberg–Gräfenberg drohte das Aus. Dies verhinderte eine Bürgerinitiative. Heute werden die kirschroten Züge der DB Regio von Pendlern und Schülern stark genutzt. Die Fahrgastzahlen wuchsen zwischen 2000 und 2007 um 161 Prozent auf 3840 am Tag.

- Bayerische Oberlandbahn (Bayern): Für die Stiftung Warentest ist die BOB eine der besten deutschen Regionalbahnen. Nach pannenreichem Start sorgt die Oberlandbahn für umsteigefreie Verbindungen zwischen München, Lenggrieß und Bayrischzell im Halbstunden- und Stundentakt. Die Fahrgastzahlen stiegen zwischen 1997 und 2007 um 233 Prozent auf 15 000 am Tag.

- Prignitz Express (Brandenburg): Nach dem Mauerfall drohte der Ostprignitz die Abkopplung des Schienenverkehrs von Berlin. Das Land verhinderte den Kahlschlag. Statt Bummelbahn und Ferkeltaxen fahren zwischen Wittenberge und Berlin flotte Regionalzüge, die immer stärker gefragt sind. Seit 2000 kletterte die tägliche Fahrgastzahl um 183 Prozent auf 2526.

- Taunusbahn (Hessen): Als der „Heckenexpress“ vor dem Ende stand, übernahm der Hochtaunuskreis die Strecke Grävenwiesbach–Friedrichsdorf von der damaligen Bundesbahn. Ein guter Schachzug. Heute nutzen zahlreiche Pendler im Ballungsraum Frankfurt am Main die Züge, besonders im Winter. Die Fahrgastzahlen beim Betreiber Hessische Landesbahn kletterten seit 1989 um 633 Prozent auf 11.000 pro Tag.

- Usedomer Bäderbahn (Mecklenburg-Vorpommern): 1992 drohte der blau-weißen UBB die Stilllegung, was einige Manager der Deutschen Bahn verhinderten. Mit Festlandanbindung, sanierten Gleisen, neuen Fahrzeugen und Verbindung ins polnische Swinemünde wurde die UBB zum Erfolgsmodell. Seit 1992 ging die Fahrgastzahl um 1086 Prozent auf 8300 je Tag nach oben.

- Schleswig-Holstein-Bahn: Für Bahnexperten ist es noch heute ein verkehrspolitisches Wunder. Schon 1987 einigten sich Land und Betreiber, die Traditionsstrecke Neumünster–Büsum zu modernisieren. Die Schleswig-Holstein-Bahn profitiert bis heute davon. Seit 2001 kletterte die Fahrgastzahl um 86 Prozent auf 2700 pro Tag.

von Thomas Wüpper