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Wirtschaft Milchbetrieben geht es etwas besser
Nachrichten Wirtschaft Milchbetrieben geht es etwas besser
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10:22 11.07.2010
Auch Bauer Fred Arkendorf aus Wunstorf machte sich Sorgen um die sinkenden Literpreise im vergangenen Jahr.
Auch Bauer Fred Arkendorf aus Wunstorf sorgte sich um die sinkenden Literpreise im vergangenen Jahr. Quelle: Nancy Heusel (Archiv)
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Allerdings sei auch damit die wirtschaftliche Situation für die Betriebe immer noch nicht entspannt. „Wir haben seit Jahresanfang einen kontinuierlichen Aufwärtstrend gehabt und hoffen, dass er sich weiter fortsetzen wird“, sagte sie.

„Wir haben nach wir vor keinen vollkostendeckenden Preis“, sagte Johanna Böse-Hartje vom „Bund deutscher Milchviehhalter“ (BdM) in Niedersachsen. Der BdM verstehe sich als Alternativ-Organisation zum Bauernverband. Trotz des gestiegenen Milchpreises seien die Betriebe nicht in der Lage, die Verluste aus dem vergangenen Jahr auch nur ansatzweise auszugleichen. Vier Prozent der Betriebe hätten im vergangenen Jahr aufgegeben, sagte Böse-Hartje. Diese Quote liege auf dem Niveau der Vorjahre, sagte Landvolk-Sprecherin von der Brelie. Sie beobachte aber, dass noch viele junge Milchbauern das Geschäft fortführen wollten. Mittlerweile gebe es auch Zusammenschlüsse von bäuerlichen Betrieben, um größere Unternehmen mit mehr Kapital zu bilden.

Nach Angaben von Böse-Hartje müssen mittlerweile Landwirte ihre Betriebe verkaufen, weil sie ihre Ausgaben und Zinsen nicht mehr bedienen konnten und den Betrieb dann „zurückgeleast“ hätten. Das Modell heiße „sale and lease“: „Man verkauft seinen Laden, und dann steigen Investoren ein.“ Für sie sei das ein Zeichen, dass mittlerweile auch die Milchvieh-Landwirtschaft industrialisiert werden solle, ähnlich wie bereits in anderen Bereichen.

Der Bauernverband Landvolk sieht die generellen Aussichten der Milchviehwirtschaft eher positiv: „Wir gehen davon aus, dass der Aufwärtstrend andauert“, sagte von der Brelie. Weltweit gesehen steige die Nachfrage nach Milchprodukten. Denn gerade in den Schwellenländern passten sich viele Menschen in ihren Ernährungsgewohnheiten dem westlichen Lebensstil an. Dadurch würden auch mehr Milchprodukte verzehrt.

Aus Sicht von Böse-Hartje bewegt sich dagegen sehr wenig in der Milchwirtschaft. „Wir müssen Produktionsbedingungen schaffen, mit denen wir Geld verdienen können, und das können wir nicht.“ Nach den Protesten der Milchbauern in ganz Europa sei bei der Europäischen Union eine „High-Level-Group“ gebildet worden. Ein Vorschlag sei zum Beispiel, ein Sicherheitsnetz zu schaffen, um den Preis zu stützen, wenn er unter 21 Cent pro Liter falle. Das reiche aber nicht.

Diesen Montag und Dienstag (12. und 13.) sollen die Vorschläge der „High-Level-Group“ der EU-Kommission und dem Ministerrat vorgestellt werden. Milchbauern aus ganz Europa hätten dazu schon Proteste angekündigt. „Wir fahren mit Bussen nach Brüssel“, sagte Böse-Hartjes.

dpa