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Wirtschaft Milchbauern bitten Verbraucher um Hilfe
Nachrichten Wirtschaft Milchbauern bitten Verbraucher um Hilfe
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17:54 03.06.2016
Von Karl Doeleke
„Milch wird günstiger als Wasser verkauft.“
„Milch wird günstiger als Wasser verkauft.“  Quelle: dpa
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Hannover

„Wir wollen die Verbraucher dazu bewegen, dass sie sich an die Seite der Bauern stellen“, sagte der Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Oldenburg, Bernhard Wolff, am Freitag in Hannover. In den ersten sieben Tagen haben bereits mehr als 8100 Menschen die Petition im Internet unterschrieben. Bei 100.000 Unterschriften wollen die Landwirte die Petition an die großen Discounter überreichen.

Ein Landwirt aus der Wesermarsch fand drastische Worte für das Verhalten der großen Handelsketten: Dieser nutze eine für die Bauern existenzbedrohendes Überangebot an Milch auf dem Markt schamlos aus, sagte Hendrik Lübben, der in Nordenham einen Betrieb mit 160 Milchkühen hat. „Milch wird günstiger als Wasser verkauft.“ Die Landwirte der Molkerei Ammerland erhielten wie er derzeit für den Liter zwischen 19 und 22 Cent - das sei „ein historischer Tiefpunkt“.

Bauern kritisieren "ruinöse Preise"

Um kostendeckend wirtschaften zu können bräuchten sie etwa 35 Cent, erläuterte Lübben. Sein Betrieb ernähre vier Generationen. „Wir leben täglich in großer Sorge, ob wir unseren Betrieb auch weiter bewirtschaften können.“´Die Unterzeichner sollen laut Wolf deutlich machen, „dass sie bereit sind, mehr Geld für die Milch zu zahlen“. Gemeinsam solle die Botschaft übermittelt werden, dass niemand die „ruinösen Preise“ von nur noch etwas mehr als 40 Cent für einen Liter Milch in einigen Discountern wolle . Der Handel wehrt sich allerdings gegen die Kritik, für die Preismisere verantwortlich zu sein.

Derweil hat der Bundestag den Landwirten wegen der niedrigen Preise vorübergehend Absprachen zur Mengenregulierung erlaubt. Danach dürfen Agrarbetriebe sechs Monate lang Absprachen über die erzeugte Milchmenge treffen, ohne europarechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Die EU-Kommission hatte bereits Mitte April beschlossen, dass die europäischen Milchbauern und Hersteller von Milchprodukten sechs Monate lang freiwillige Absprachen zur Drosselung der Milchproduktion treffen dürfen, um höhere Preise zu erreichen. Der Bundesrat muss noch zustimmen, was am 17. Juni geschehen könnte, wenn die Länderkammer mit einer Fristverkürzung einverstanden ist.