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Wirtschaft Merkel und Obama gehen beim G-20-Gipfel auf Kollisionskurs
Nachrichten Wirtschaft Merkel und Obama gehen beim G-20-Gipfel auf Kollisionskurs
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22:35 10.11.2010
Von Michael Grüter
Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: ap
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Der Streit dreht sich um die Handels- und Währungspolitik: Washington fordert größere Beiträge der exportstarken Länder Deutschland und China zu einem ausgeglichenen Wachstum der Weltwirtschaft. Merkel warnte hingegen am Mittwoch vor neuen Risiken für die Weltwirtschaft durch die Geldpolitik der USA.

„Kein Mensch kann Interesse an neuen Blasen haben“, sagte Merkel vor ihrem Abflug nach Seoul. „Alle müssen sehen, dass das Wachstum diesmal dauerhafter ist als das, was wir vor einigen Jahren erlebt haben.“
Hintergrund ist der Kauf amerikanischer Staatsanleihen durch die US-Zentralbank in Höhe von 600 Milliarden US-Dollar. Experten erwarten, dass eine weitere Abwertung des Dollars die Folge sein wird – mit der Folge, dass die weltweite Wettbewerbsposition für amerikanische Produkte allein durch den günstigeren Preis künstlich verbessert wird.

Ausdrücklich wandte sich Merkel zudem gegen amerikanische Vorschläge, deutschen und chinesischen Exporteuren Zügel in Form von Zielgrößen für Leistungsbilanzen anzulegen. Kritik hatte Washington in den vergangenen Wochen auch am Sparkurs Berlins geübt, der das Wachstum dämpfen könne. Finanzminister Wolfgang Schäuble, der Merkel nach Seoul begleitet, hatte gekontert, eine ausufernde Staatsverschuldung werde sich nicht mit immer neuen Schulden bekämpfen lassen. Die US-Geldpolitik sei auf einem Irrweg.

Überraschend deutlich lobte Merkel am Mittwoch China: Das Land brauche nachhaltiges Wachstum und sei „tendenziell ein guter Begleiter“ der europäischen Bemühungen um Haushaltskonsolidierung und Währungsstabilität. Deutschland werde die von den USA geforderten sogenannten Zielgrößen für Exporte nicht akzeptieren, versicherte Merkel.

Im Streit um die Wechselkurse arbeiteten die Delegationen der G-20-Staaten bereits in der Nacht zum Donnerstag an einem Entwurf für die Gipfelerklärung, wonach das Verhältnis der Währungen zueinander „stärker von den Märkten“ bestimmt werden soll. Dies wäre ein Signal gegen staatliche Manipulationen am Kurs. Jedoch enthält das Papier nach Angaben aus Delegationskreisen „noch viele offene Punkte“.

US-Präsident Barack Obama verteidigte in einem Brief an die G-20-Partner seinen Kurs und erwähnte ausdrücklich auch die von Berlin heftig kritisierte Entscheidung der US-Notenbank, in die lahmende US-Wirtschaft Milliarden von Dollar zu pumpen: „Eine kräftige Erholung, die Arbeitsplätze, Einkommen und Ausgaben schafft, ist der wichtigste Beitrag, den die Vereinigten Staaten zu einer weltweiten Belebung machen können.“