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Wirtschaft MAN und IG Metall einigen sich
Nachrichten Wirtschaft MAN und IG Metall einigen sich
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20:09 04.04.2012
Von Lars Ruzic
Quelle: dpa
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Salzgitter

Salzgitter. Der Dauerstreit um die tarifliche Abnabelung der Logistik vom MAN-Nutzfahrzeugwerk Salzgitter ist beigelegt. Die vom Konzern eingerichtete GmbH, in der die Beschäftigten zu weit schlechteren Bedingungen als zuvor arbeiten sollten, wird rückabgewickelt. Die Belegschaft bleibt Teil der Nutzfahrzeugsparte und wird weiterhin nach dem Flächentarifvertrag der IG Metall bezahlt. „Wir konnten unsere Ziele durchsetzen“, sagte Betriebsratschef Hilmar Pawel gestern in Salzgitter.

Dafür musste die Gewerkschaft Zugeständnisse in der Ersatzteillogistik machen: Die dort beschäftigten 120 Mitarbeiter müssen mit 37,5 Stunden länger arbeiten als ihre Kollegen und bekommen mit rund 13 Euro einen deutlich geringeren Stundenlohn. Da die Betroffenen allerdings von einem externen Dienstleister kommen, dessen Aufgaben MAN wieder zurück in den Konzern geholt hat, seien sie über dieses Verhandlungsergebnis sehr froh, so Pawel. Im Logistikgewerbe sind 40-Stunden-Woche und ein Stundenlohn von gut 8 Euro an der Tagesordnung.

Ähnliche Bedingungen hatte MAN vor etwa anderthalb Jahren für die gesamte Logistik am Standort durchsetzen wollen, damit aber gegen den bestehenden Standortsicherungsvertrag verstoßen. Das hatte den Managern sogar das Arbeitsgericht Braunschweig klargemacht. Die Vereinbarung war 2008 geschlossen worden, als Salzgitter die Verlagerung der Busproduktion nach Polen verdauen musste. Das inzwischen ans Netz gegangene, 40 Millionen Euro teure Ersatzteilzentrum sollte einen Teil der von der Verlagerung betroffenen Belegschaft aufnehmen - zu Konditionen des Metalltarifs, wie im Vertrag stand. Das hatte MAN zwischenzeitlich bestritten.

„Hier in Salzgitter sind es die Leute gewohnt, in regelmäßigen Abständen um ihre Arbeitsplätze kämpfen zu müssen“, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel, zu dessen Wahlkreis die Stadt gehört. „Nun hat es sich wieder einmal gelohnt.“ MAN gehört zusammen mit VW, der Salzgitter AG, Alstom und Bosch zu den großen fünf Arbeitgebern, die in der Stadt mehr als 20000 Menschen beschäftigen und sie zu einer der industriellen Hochburgen Niedersachsens machen. Das MAN-Werk schrumpft seit Jahren. Wo einst mehr als 5000 Menschen arbeiteten, sind es heute noch 2360.

Und die haben schon wieder neue Sorgen. Derzeit müsse Salzgitter allein die Abschwächung der Lkw-Konjunktur kompensieren, beklagte sich Pawel. Während das Münchener Stammwerk Überstunden und Sonnabend-Schichten fahre, seien die Kapazitäten in der zweitgrößten Fabrik für 2012 um ein Achtel zusammengestrichen worden. „Hier sind schon wieder 200 Leute übrig, die wir gerade größtenteils an Volkswagen ausgeliehen haben.“

Zudem gebe es in München und Nürnberg bereits neue Standortsicherungsverträge bis 2016 und 2018, während man in Salzgitter kein Interesse an einer Verlängerung habe. Die aktuelle Vereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, endet im September. „Die Auseinandersetzung wird wohl weitergehen“, so Pawel.

Gabriel betonte, dass im Volkswagen-Konzern - zu dem MAN seit wenigen Monaten gehört - eine ausreichende Auslastung aller einheimischen Werke stets höchste Priorität genieße. „Man kann sich nur wünschen, dass diese Einstellung auch bei MAN Einzug hält.“ Sicher werde „es in Wolfsburg niemand gerne sehen, wenn in Salzgitter Leute auf der Straße stehen“, ergänzte Pawel.