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Wirtschaft Krise als Chance: Drehen Conti und VW den Spieß um?
Nachrichten Wirtschaft Krise als Chance: Drehen Conti und VW den Spieß um?
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20:45 23.04.2009
Quelle: David Hecker/ddp
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Bei Conti deutet sich an, dass der hochverschuldete fränkische Schaeffler-Konzern sich statt der erhofften Übernahme des Reifenherstellers mit einem Zusammenschluss unter operativer Führung der Hannoveraner zufrieden geben muss. Zugleich sorgten am Donnerstag bei VW Berichte über eine Wendung in der Partnerschaft mit Porsche für Aufregung: Danach könnte der Wolfsburger Autokonzern seinem Mehrheitsaktionär das Sportwagengeschäft abkaufen – und die Machtverhältnisse damit praktisch umdrehen.

Laut „Financial Times Deutschland“ strebt VW jetzt die Vorherrschaft an. Nachdem Porsche wegen der vorsichtigen Kreditpolitik der Banken zunehmend Probleme bei der Finanzierung der Übernahme von VW habe, erwögen die Wolfsburger, Porsche Teile des Geschäfts abzukaufen, schreibt das Blatt. Ein Porsche-Sprecher wies dies zurück. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch antwortete in der Hauptversammlung gestern in Hamburg ausweichend auf die Frage, ob VW die Absicht habe, sich bei Porsche zu beteiligen: Das Management beschäftige sich regelmäßig mit Möglichkeiten, den Konzern weiterzuentwickeln. Beschlüsse des Vorstands gebe es dazu aber nicht.

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Porsche hält knapp 51 Prozent an VW und will auf 75 Prozent aufstocken, sobald dies die wirtschaftlichen Verhältnisse zulassen. Allerdings rückt dies wegen der hohen Schuldenlast immer weiter in die Ferne. Die Finanzierung der Übernahme hat nach Medienberichten inzwischen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter Druck gebracht. Wiedeking scheine in der Eigentümerfamilie den Rückhalt zu verlieren, heißt es.

Unterdessen erhöhte in Hannover Conti-Chef Karl-Thomas Neumann den Druck auf Schaeffler, die Banken und die Politik, sich über ein Konzept für die Zusammenarbeit der beiden Autozulieferer zu verständigen. „Wir sind fest davon überzeugt, dass jedes weitere Zuwarten unser Unternehmen kritisch schwächen würde“, sagte Neumann in der Hauptversammlung in Hannover.

Zustimmung fand der Conti-Chef bei Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. „Es darf im Interesse des Unternehmens, der Mitarbeiter und der Standorte keine lange Hängepartie mehr geben“, forderte Wulff. Es sei „Zeit für einen gemeinsamen Schulterschluss“, den die Landesregierung „unterstützend flankieren“ würde. Wie berichtet, favorisieren Banken und Politik einen Zusammenschluss unter dem Conti-Dach.

von Lars Ruzic und Stefan Winter