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Wirtschaft Kliniken fordern mehr Geld von Krankenkassen
Nachrichten Wirtschaft Kliniken fordern mehr Geld von Krankenkassen
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00:16 30.12.2017
Die Paracelsus-Kliniken haben Insolvenz angemeldet. Quelle: dpa
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Hannover

 Zwischen den Krankenkassen und den Kliniken gibt es Streit um die Vergütung medizinischer Leistungen im kommenden Jahr. Nachdem die Verhandlungen über die Basispauschale bisher ergebnislos geblieben sind, müssen die Kliniken im Januar zunächst nach den alten Sätzen abrechnen. Die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft fordert eine deutliche Anhebung der Honorare. „Für uns gibt es keinen Grund, warum wir bundesweit weiterhin das Schlusslicht unter den Ländern sein sollen“, sagte Verbandsdirektor Helge Engelke

 Die von den Krankenkassen zu zahlenden Behandlungskosten werden errechnet, indem man einen bundesweit einheitlichen Punktwert für den Schwierigkeitsgrad einer Operation mit einem landesspezifischen Basisfallwert multipliziert. Letzterer beträgt in Niedersachsen aktuell 3341,67 Euro – in Rheinland-Pfalz sind es hingegen 3530,50 Euro. Das hat zur Folge, dass eine Klinik in Hannover oder Oldenburg für eine Blinddarm-Operation rund 158 Euro weniger bekommt als ein Krankenhaus in Mainz. Beim teureren Prothesenwechsel am Hüftgelenk liegt die Differenz bei knapp 569 Euro. 

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 Bei den jährlichen Verhandlungen zwischen Kassen und Kliniken über den Landesbasisfallwert stehen die Entwicklung der Kosten, Veränderungen im Leistungsspektrum und mögliche Wirtschaftlichkeitsreserven im Fokus. Während die Krankenhausgesellschaft für 2018 einen deutlichen Zuschlag erwartet, halten die Kostenträger nur eine moderate Erhöhung für angemessen. „Die Bilanzen vieler Kliniken im Land zeigen, dass man sie auf Basis der vereinbarten Vergütung wirtschaftlich führen kann“, sagte der Leiter der Landesvertretung der Ersatzkassen, Jörg Niemann. 

 Dem Vernehmen nach liegen beide Parteien nicht sehr weit auseinander – bei einem Krankenhaus-Volumen von 6 Milliarden Euro im Jahr soll nur noch ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag strittig sein. Es geht beiden Seiten jedoch auch ums Prinzip: Die Kliniken sehen sich chronisch benachteiligt, weil Niedersachsen bei der Einführung der Landesbasisfallwerte im Jahr 2006 auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau gestartet ist. Seither wurden die Pauschalen bundesweit angeglichen – sie dürfen maximal noch um 1,02 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt liegen. „Niedersachsen ist historisch gesehen der Gewinner des Systems“, sagte Kassenvertreter Niemann. 

 Die Krankenhäuser verweisen hingegen auf ihre steigenden Kosten. Das aktuelle Angebot der Kassen laufe darauf hinaus, dass die hiesigen Kliniken bei der Vergütung auch 2018 hinter den Häusern in den meisten anderen Bundesländern zurückbleiben, sagte Verbandsdirektor Engelke.

Von Jens Heitmann

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