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Wirtschaft Kanzlerin Merkel besucht Hannover Messe
Nachrichten Wirtschaft Kanzlerin Merkel besucht Hannover Messe
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21:03 20.04.2009
Von Hannah Suppa
Merkel und der südkoreanische Premierminister Han Seung-Soo schauen sich am Stand von Siemens das Modell einer Windkraftanlage an. Quelle: Nigel Treblin/ddp
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Den fliegenden Roboter-Pinguin bringt die Bundeskanzlerin beinahe zum Absturz, als sie die jüngste Innovation des Unternehmens Festo in Halle 15 begutachtet. Vorsichtig versucht Angela Merkel den selbstständig schwebenden „AirPenguin“ zu berühren und zeigt sich beeindruckt von den „selbstregulierenden biomechatronischen Systemen“. Die Struktur ist von der Schwanzflosse von Fischen abgeleitet und kann auf die Automatisierungstechnik übertragen werden. „Von der Natur kann man viel lernen“, sagt die Kanzlerin.#Sie habe sogar selbst einmal überlegt, Bionik zu studieren. Dann ist es doch Physik geworden.

Bei ihrem traditionellen Eröffnungsrundgang am ersten Messetag kommt der promovierten Politikerin ihr Studium zugute. Zwei Stunden lang besucht Angela Merkel elf Unternehmen, lässt sich die technischen Innovationen erklären und hakt interessiert nach. Im Schlepptau der Kanzlerin sind beim Gang durch die Messehallen der Premierminister des Messe-Partnerlandes Südkorea, Han Seung-Soo, sowie Bundesforschungsministerin Annette Schavan, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der neue niedersächsische Wirtschaftsminister Philipp Rösler und sein Amtsvorgänger Walter Hirche.

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Dabei interessieren die Kanzlerin nicht nur die technischen Fragen: Den direkten Kontakt zu den Unternehmern nutzt sie auch, um sich über ihre Lage in schwieriger Zeit zu erkundigen. „Und, wie sieht‘s aus bei Ihnen?“, fragt die Kanzlerin am Stand von SEW-Eurodrive. Der badische Familienbetrieb zeigt Merkel elektrische Antriebstechnik, mit der sich einzelne Prozesse besser aufeinander abstimmen lassen, sodass am Ende weniger Energie verbraucht wird. Doch trotz guter Ideen verzeichnet auch SEW einen Auftragsrückgang von 30 Prozent, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Rainer Blickle der Kanzlerin. „Man muss nach vorne schauen“, erwidert sie und bedankt sich, dass so viele Unternehmen trotz der schlechten konjunkturellen Lage auf der Messe vertreten sind.

Es ist vor allem das Thema Energieeffizienz, auf das Merkel bei ihrem Gang durch die Messehallen an vielen Ständen stößt: Sie begutachtet Strategien für „klimafreundliche Kohlekraftwerke“ bei Vattenfall, neue Windräder von Siemens und energiesparende Brennstoffzellenanlagen der koreanischen „Doosan Heavy Industries“.

Dabei ist die Kanzlerin stets aufmerksam, macht ein interessiertes, aber ernstes Gesicht. Als sie jedoch bei der Wittenstein AG inmitten von Ingenieurinnen und Technikerinnen steht, entweicht auch ihr ein Lächeln. Die Firma, die Getriebe für Windanlagen herstellt, wirbt mit dem Motto „Technik ist weiblich!“, das gefällt der Kanzlerin sichtlich. „Und, was haben Sie studiert?“, fragt Merkel in die Frauenrunde hinein und versichert, dass sie und Bundesforschungsministerin Schavan alles täten, um mehr Frauen in Ingenieurberufe zu bekommen.

Überhaupt ist bei Merkels Botschaft nach dem Messe-Rundgang wenig von schlechter Wirtschaftsstimmung zu spüren: Kreativ und innovativ sei die deutsche Wirtschaft, sagt die Kanzlerin. Die Unternehmen wollten die Krise nicht nur durchleben, sondern gestärkt daraus hervorgehen, lautet ihr Fazit.

20.04.2009
20.04.2009